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Chemie ist, wenn es zischt und knallt

Lehramtsstudenten an der Uni Chemie ist, wenn es zischt und knallt

An der Leibniz-Universität Hannover lernen Lehramtsstudenten, wie ihr Unterricht spannend wird. „Chemie lebt von den Experimenten“, findet Student Jesco Schrader (25). Bernhard Sieve, am Zentrum für Lehrerbildung (ZfL) für Chemiedidaktik zuständig, meint: „Man muss vom Schüler aus denken.“

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Experimente für die Chemiestunde: Lea Noltemeyer (v. l.), Sevda Kanca, Bernhard Sieve und Parya Homayunpur.

Quelle: Rainer Surrey

Hannover. „Chemie war immer schon mein Lieblingsfach“, sagt Lea Noltemeyer (21), „ich hatte eine tolle Lehrerin.“ Auch sie möchte einmal ihre Schüler begeistern. An der Leibniz-Universität lernt die Studentin, wie das gehen könnte. „Man muss vom Schüler aus denken“, meint Bernhard Sieve, am Zentrum für Lehrerbildung (ZfL) für Chemiedidaktik zuständig. „Chemie lebt von den Experimenten“, findet Student Jesco Schrader (25). Während Lea mit Sevda Kanca (24) und Parya Homayunpur (22) Säuretropfen auf Muschelstücke verteilen, probieren ihre Kommilitonen Jesco Schrader und Mario Bouslovitch im sogenannten Springbrunnenversuch, wie Chlorwasserstoffgas reagiert. Wenn es knallt und sprudelt, ist der Versuch geglückt.

Rund 5000 Lehramtsstudenten hat die Universität Hannover, jährlich beginnen allein 650 Erstsemester ein Bachelorstudium für das Lehramt an Gymnasien. Und drei Viertel von ihnen gehen später ins Masterstudium. Außer Gymnasiallehrern werden hier auch Sonderpädagogen und Berufssschullehrer ausgebildet. 19 unterschiedliche Fächer können die Lehramtsstudenten belegen, darunter sechs berufliche Fachrichtungen wie Holz-, Bau- oder Elektrotechnik.

„Lehrer brauchen eine starke Fachlichkeit, sie dürfen im Stoff nicht gerade nur zwei Seiten weiter im Buch sein als ihre Schüler“, sagt ZfL-Geschäftsführerin Virna Engling. Aber genauso wichtig sei die Pädagogik, betont Professor Julia Gillen, die das ZfL leitet. Und die sei in der Gymnasiallehrerausbildung viele Jahre eher vernachlässigt worden. In den Schulen unterrichteten viele Lehrer, die erst viel zu spät gemerkt hätten, dass sie für den Job gar nicht geeignet seien. Die einen könnten nicht vor großen Gruppen stehen, die anderen fühlten sich der zunehmenden Heterogenität im Klassenraum nicht gewachsen, sagt Gillen. Da will die Uni helfen, in der Lehrerausbildung, aber auch in Fortbildungsangeboten für ältere Pädagogen.

Das neue Konzept basiert auf vier Grundsätzen: „Lehrer werden von Anfang an“, heißt einer. Inklusion und die stärkere Verknüpfung von Fachlichkeit und Didaktik sind zwei andere. Lernsituationen sollen anhand von Videofilmen („virtuelle Hospitationen“) durchgesprochen werden. Studenten, die gerade 18.000 Stunden aus ihrer eigenen Schulzeit hinter sich hätten, gleich wieder zum Unterrichten ins Klassenzimmer zu schicken, hält Gillen für weniger hilfreich. Lehrerbildung könnte sich zu einem der Schwerpunkte der Uni entwickeln. Heute diskutiert der Senat über die Einrichtung einer Uni übergreifenden School of Education im nächsten Jahr.

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