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Aus der Stadt Lehrer verteidigen Pflicht zur zweiten Fremdsprache
Hannover Aus der Stadt Lehrer verteidigen Pflicht zur zweiten Fremdsprache
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00:15 09.04.2017
Von Saskia Döhner
Alte Sprachen mit Zukunft: Philipp Ostermann hat Latein an der Schillerschule unterrichtet und den Deutschen Lehrerpreis gewonnen. Quelle: Philipp von Ditfurth (Archiv)
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Warum entscheidet nicht das Land generell über die Fremdsprachenverpflichtung, sondern überlässt das den einzelnen Schulvorständen?

Das Kultusministerium verweist auf die Eigenverantwortlichkeit der Schulen. Jeder Standort wisse am besten, welches Profil zu ihm und seiner Schülerschaft passe. Außerdem gehe es auch um Gleichbehandlung. Integrierte Gesamtschulen dürfen schon jetzt in der elften Klasse die zweite Pflichtfremdsprache abschaffen und stattdessen ein Wahlpflichtangebot einführen. Eine Vorgabe von solcher Tragweite dürfe nicht auf die einzelne Schule delegiert werden, hält Lars Schüler, Vorsitzender des Verbandes Moderne Fremdsprachen, dagegen. Im Schulvorstand seien Lehrer, Eltern- und Schülervertreter für zwei Jahre gewählt, würden damit aber Entscheidungen für viele Schülergenerationen treffen. Hat sich ein Gymnasium erst einmal von der zweiten Fremdsprache verabschiedet, kann man das nicht alle paar Jahre abändern, man muss ja auch die entsprechenden Lehrer einstellen.

In Zahlen

Anzahl der Abi-Prüfungen in Fremdsprachen 2016

Englisch: 22.650
Französisch: 2705
Spanisch: 1990
Alte Sprachen: 2207 (2165 Latein, 42 Griechisch)

Ist es nicht besser, die Gymnasiasten wählen ein Angebot, das sie interessiert, anstatt sich in einem ungewollten Französischkurs zu langweilen?

„Was auf den ersten Blick verlockend klingt, hat für Schüler weitreichende negative Folgen, die gar nicht bekannt sind“, kritisiert Bernd Käsebier von der Vereinigung der Französischlehrer. Wer in der elften Klasse die zweite Fremdsprache abwähle, könne sich dann in der Oberstufe nicht mehr für das sprachliche Profil entscheiden und müsse im gesellschaftspolitischen und sportlichen Profil verpflichtend eine zweite Naturwissenschaft nehmen.

Was ist denn mit den Schülern, die Fremdsprachenunterricht mögen? Gibt es für sie dann noch genügend Angebote?

Birgit Smyrek vom Spanischlehrerverband befürchtet, dass künftig so wenige Schüler Französisch, Spanisch oder Latein wählen könnten, dass Zwölft- und 13.-Klässler vielleicht in jahrgangsübergreifenden Kursen unterrichtet werden müssten oder es „Huckepack-Kurse“ gebe, in denen Lehrer auf Grund- und Leistungskursniveau gleichzeitig lehrten. Dann sei das für die Pädagogen doppelter Aufwand, weil sie zwei Kurse mit unterschiedlichen Inhalten in einem hätten.

Wo bleibt eigentlich die dritte Fremdsprache, wenn die zweite schon nicht mehr Pflicht ist?

Die bleibt auf der Strecke, befürchtet Stefan Gieseke vom Altphilologenverband. Dabei solle doch die Umstellung auf das Abitur nach 13 Jahren eigentlich mehr Möglichkeiten zum vertieften Lernen bieten, etwa auch einer dritten Fremdsprache. Es könne nicht sein, dass Gymnasien mit ihren Fremdsprachenangeboten werben und ab der elften Klasse alles vorbei sei, heißt es. Lars Schüler vom Verband Moderne Fremdsprachen sagt, es sei zu befürchten, dass Schüler im großen Stil das „vermeintlich leichtere Englisch“ wählten. „Englisch von Klasse drei bis 13 - das ist auch nicht das Wahre.“

Rot-Grün will doch selbst den herkunftsprachlichen Unterricht stärken und langfristig auch Türkisch oder Farsi als Abiturprüfungsfach zulassen. Wie passt das zur Abschaffung der zweiten Fremdsprache?

Überhaupt nicht, findet Lars Schüler vom Fremdsprachenverband. Europäische Sprachen sollten in Niedersachsen Vorrang haben, gerade in einem auseinanderdriftenden Europa.

Sinkt das Abiturniveau tatsächlich?

Nach Ansicht der Fremdsprachenlehrer schon. Man könne am Ende der zehnten Klasse weder das Latinum noch ein höheres Sprachniveau als das B-1-Niveau erreichen.

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