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Lehrer fordern Hilfe für Roma-Kinder

Soziale Unterstützung Lehrer fordern Hilfe für Roma-Kinder

Etwa 300 Kinder aus Roma-Familien gehen in Hannover auf wenige Schulen – diese schlagen jetzt wegen der Probleme Alarm. Analphabetismus, wenig Deutschkenntnisse und immer wieder Fehlzeiten überforderten den Unterricht. Pädagogen fordern daher verkürzte Schultage, Bildungslotsen und Übersetzer.

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Wenn die Schule als „Kulturschock“ wahrgenommen wird: Besonders viele Kinder aus Roma-Familien sind an der Peter-Ustinov-Schule (oben) und der GS Fichteschule angemeldet.

Quelle: Archiv

Hannover. Die Zahl der Roma-Kinder, die in Hannover zur Schule gehen, ist wesentlich größer als bislang öffentlich bekannt. Viele von ihnen stellen Lehrer vor große Herausforderungen. Bis zu 300 schulpflichtige Kinder aus Roma-Familien gibt es nach Schätzungen der Landesschulbehörde in Hannover. Etwa die Hälfte davon sei noch im Grundschulalter, sagte eine Sprecherin der HAZ.

Genaue Zahlen gibt es nicht, weil weder die Stadt noch das Land ethnische Zugehörigkeiten in Statistiken berücksichtigen. Um den betroffenen Schulen zu helfen, hat das Land Ende vergangenen Jahres eine Arbeitsgruppe Roma ins Leben gerufen. Sie hat festgestellt: Die Roma-Kinder sind offenbar sehr ungleich auf die hannoverschen Schulen verteilt. An den Grundschulen ballen sie sich dort, wo besonders viele Roma in städtischen Notunterkünften leben. Bei den weiterführenden Schulen ist unter anderem die Peter-Ustinov-Schule in Ricklingen stark betroffen. Die Politik hat dort bereits mit einem Prüfauftrag reagiert, um eine Integrationshilfe für Roma-Kinder zu finanzieren.

Viele der Kinder stammen aus Familien von Armutszuwanderern aus Rumänien, Bulgarien oder Spanien. Viele waren zuvor unregelmäßig oder nie in einer Schule, sind also Analphabeten. Ihr unregelmäßiges Erscheinen - Fachjargon: Schulabsentismus - ist ein großes Problem. Häufig reisten Eltern, wenn sie Probleme vermuteten, mit der gesamten Familie in die Heimat - auch mitten im Schuljahr, sagt Cornelia Heimbucher, Leiterin der Fichteschule. Wie die Grundschule Wendlandstraße liegt die Fichteschule im Einzugsgebiet der beiden städtischen Notunterkünfte am Burgweg, wo viele Roma leben.

Es sei schon ein Fortschritt, wenn die Eltern ihre Kinder vom Unterricht abmeldeten, sagt Heimbucher. „Manchmal sind sie plötzlich ein, zwei Monate weg.“ Für Kinder, die zuvor nie in einer Schule gewesen seien, sei der Schulbesuch zunächst ein „Kulturschock“. Es sei sehr kompliziert, ihnen Regeln zu vermitteln. Oft könne man sich nur mit Händen und Füßen verständigen. Ein Bildungslotse, der neben Rumänisch oder Bulgarisch auch Romanes, die Sprache der Roma, spreche, tue dringend not. Statt Zeugnisse sollte es Berichte zum Lernstand geben, fordert die Schulleiterin, dazu anfangs verkürzte Unterrichtszeiten, um den Kindern den Einstieg ins deutsche Bildungssystem zu ermöglichen.

Große Probleme allein mit der Länge eines Schultags hätten auch nicht alphabetisierte Teenager an weiterführenden Schulen, sagt Michael Bax, Leiter der Leonore-Goldschmidt-Schule (früher IGS Mühlenberg). Auch hier gibt es viele Roma-Kinder. Schwierig sei es, überhaupt jemanden zu finden, der alphabetisieren könne. Lehrer an weiterführenden Schulen könnten das in der Regel nicht. Schier unmöglich sei es, solche Schüler - wie bislang vorgeschrieben - in zwei Jahren so weit zu bringen, dass sie in einer Regelklasse benotet werden können. In vielen Fällen sei die Konsequenz, sie mit „ungenügend“ bewerten zu müssen. Davon habe niemand etwas. „Da muss sich schleunigst etwas tun.“

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