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Aus der Stadt Lehrerin fesselt Kind an Stuhl
Hannover Aus der Stadt Lehrerin fesselt Kind an Stuhl
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00:16 28.11.2013
Im Unterricht einer Lehrerin in der Grundschule Großburgwedel wurde eine Erstklässlerin an den Stuhl gefesselt. Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Großburgwedel

Dabei ging es zwar nach Darstellung aller Beteiligten nicht um Sanktionen, sondern angeblich um spielerische Übungen zur Ruhe im Klassenraum. Eltern sind trotzdem alarmiert, die Schulbehörde ist eingeschaltet. Ob die Lehrerin mit disziplinarischen Konsequenzen rechnen muss, ist offen. Die Eltern haben sich nach einer Abstimmung beim Elternabend offenbar „mit großer Mehrheit“ dafür ausgesprochen, dass die Pädadogin Klassenlehrerin ihrer Kinder bleiben soll.

Der Vorgang ist in Großburgwedel Gesprächsthema, seit sich Kinder mit der Geschichte an ihre Eltern gewandt haben. Schulleiterin Juliane Parow schaltete daraufhin sofort die Aufsichtsbehörde ein und verfasste einen Brief an alle Eltern, mit dem sie Spekulationen und Gerüchten vorbeugen wollte. Das Schreiben liegt der HAZ vor. Darin spricht die Schulleiterin von einer „gewaltsamen Handlung und einem unstreitig vorwerfbaren Fehlverhalten“ der Lehrerin – auch wenn es von ihr und den Kindern ursprünglich „eher spaßig gemeint“ gewesen sei.

Nach Darstellung der Landesschulbehörde, die den zuständigen Schulaufsichtsbeamten zum Elternabend entsandte, hat sich der Vorgang etwa so zugetragen: Im Unterricht soll die Lehrerin, die sich knapp zwei Jahre vor ihrer Pensionierung befindet, mit den Schülern ein Gespräch über Arbeitsruhe im Klassenzimmer geführt haben. Dabei habe sie die Schüler aufgefordert, Vorschläge zu unterbreiten, wie mehr Ruhe herzustellen sei. Die Schüler selbst hätten den Vorschlag geäußert, eine Schülerin zu fesseln, was diese freiwillig habe über sich ergehen lassen. Zudem sei einem Schüler ein Pflaster auf den Mund geklebt worden – andere Schüler hätten dies mit weiteren Pflastern nachgemacht. „Dieses Verhalten ist nicht zu dulden, und das weiß die Lehrkraft auch“, sagt Susanne Strätz von der Schulaufsicht. Es handele sich um eine „untadelige Pädagogin“, die sich zuvor nichts habe zuschulden kommen lassen. Sie habe sofort und vor den Eltern um Entschuldigung gebeten, die Schulleiterin habe mit ihrem Versuch, Transparenz zu schaffen, richtig gehandelt.

Ruhe ist an der Großburgwedeler Schule aber noch nicht eingekehrt

Bei dem Elternabend habe es „trotz der Bitte um Entschuldigung vereinzelt weiteren Unmut“ gegeben, berichtet Strätz. Ein Vater, der sich am Montag an die HAZ wandte, erzählte, die Lehrerin sei zwar bei vielen Kindern durchaus beliebt, „aber eine Pädagogin vom alten Schlag“, die mit ihren Methoden schon mehrfach bei einigen Kindern Ängste ausgelöst habe. Auch sei der Umgang mit dem Thema zuletzt von wenig Transparenz geprägt gewesen – in einer vierten Klasse sei den Kindern verboten worden, über den Vorfall während des Unterrichts zu sprechen. Ein anderer Vater berichtete, Eltern hätten Angst, dass ihre Kinder derartige Szenen nachspielen könnten.

Schulleiterin Parow allerdings sprach der Kollegin im Gespräch mit der HAZ das Vertrauen aus. Sie habe sich in fast vier Jahrzehnten Tätigkeit nichts zuschulden kommen lassen. Die Bitte um Entschuldigung könne daher akzeptiert werden.

Conrad von Meding / Martin Lauber

Schüler angeleint – Anklage

In einem anderen Fall von zumindest unzeitgemäßem Erziehungsstil hat die Staatsanwaltschaft gestern Anklage gegen eine 52-jährige Lehrerin von der Sophie-Scholl-Gesamtschule in Wennigsen erhoben. Der Vorwurf: Freiheitsberaubung. Die Lehrerin hatte während einer Schullandheimfahrt einem Schüler einen sogenannten Führstrick um den Leib gelegt und ihn quasi an der Leine geführt.
Im Gegensatz zu dem jetzt diskutierten Fall an der Grundschule Großburgwedel diente die Aktion damals aber nicht der Demonstration schlechter pädagogischer Mittel, sondern offenbar der Demütigung des Schülers. Unter den Augen seiner Mitschüler soll der gedemütigte Achtklässler 500 bis 600 Meter weit über das Gelände des Schulbauernhofs bei Duderstadt geführt worden sein. Später wurden weitere Vorwürfe gegen die Lehrerin bekannt.
Weil sich der Vorfall in Südniedersachsen abgespielt hatte, trat als Ermittlungsbehörde die Staatsanwaltschaft Göttingen auf. Wenn das Gericht Duderstadt den Fall annimmt, wird dort verhandelt. Bis jetzt ist aber noch kein Termin für die Hauptversammlung anberaumt.
Auf Freiheitsberaubung (Paragraf 239 im Strafgesetzbuch) stehen bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe oder Geldstrafe. Erschwerend soll in dem Fall hinzukommen, dass die Lehrerin sich nicht einsichtig zeigte. ck

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