So soll es werden: Auf zwei Ebenen präsentiert die Bibliothek ab Mitte 2013 rund 18.000 Bände der „Königlichen Bibliothek“, darunter 5000 Werke, die Leibniz gehörten – seine Büste und die berühmte Rechenmaschine (im Bild links) werden ebenfalls ausgestellt.
Als Georg Ruppelt nachts wach lag und nicht einschlafen konnte, fiel es ihm ein. Tagelang hatte der Leiter der Leibniz-Bibliothek darüber nachgegrübelt, wie es gelingen könnte, in seinem Hause trotz massiver Betonarchitektur ein wenig von der Anmutung einer Barockbibliothek zu erzeugen. Dann hatte er plötzlich die Lösung vor Augen: „Ich bin sofort am nächsten Morgen in unseren Katalogsaal gelaufen und habe mir angesehen, was dort verändert werden muss.“ Was Ruppelt in seinem Kopf entworfen hat, können nun alle Interessierten besichtigen: Gestern stellte er voller Stolz eine detailgetreue Animation des künftigen Leibniz-Saals vor. Dieser soll zum neuen Herzstück der Bibliothek werden, die den Namen des Universalgelehrten trägt und bis Mitte 2013 für zehn Millionen Euro aus dem Landesetat aufwendig umgebaut wird.
Auf zwei großzügigen Ausstellungsebenen will Ruppelt in dem neuen Saal einen zentralen Teil der wertvollen Bestände zeigen, die zurzeit in Magazinen verwahrt werden: Gut 18.000 Bände der „Königlichen Bibliothek“ des Königreichs Hannover aus den Jahren vor 1866 werden dort zu sehen sein. Etwa 5000 davon haben eine ganz besondere Bedeutung: Sie stammen aus dem Besitz von Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716), einst Hofbibliothekar, und wurden von ihm benutzt.
Geplant ist, die alten Bände auf einer Länge von 600 laufenden Metern zu präsentieren: Vom Boden bis unter die Decke werden sie hinter Glas zu bewundern und (unter Aufsicht) auch einzusehen sein. Selbst wenn die tragenden Säulen und Brüstungen aus Beton bleiben – der Saal erhalte die Aura einer weitläufigen, edlen Bibliothek, die sich mit modernen Mitteln an barocken Vorbildern orientiere, sagt Ruppelt. Wer den jetzigen Katalogbereich kennt, kann sich kaum vorstellen, dass der mit Ausleihstelle, Computerarbeitsplätzen und niedrig hängenden Neonröhren belegte Raum im Siebziger-Jahre-Charme sich derart verändern kann.
Im Leibniz-Saal will die Bibliothek zudem endlich die Schätze zeigen, die sie bisher aus Platzgründen unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Tresor verwahrt. Neben Wechselausstellungen mit bibliophilen Kostbarkeiten verschiedener Herkunft sollen dauerhaft Leibniz-Exponate zu sehen sein – gut gesichert in klimatisierten Vitrinen aus Spezialglas. Ruppelt macht den Eindruck, als könne er es kaum erwarten, diese Kleinode zu präsentieren. „Die meisten Dinge aus Leibniz’ Besitz, die noch erhalten sind, gehören unserer Bibliothek“, betont er. Allen voran die berühmte Rechenmaschine, die zwischen 1670 und 1716 entstanden ist. Auch zwei Globen, ein Fernrohr, ein Reiseklappstuhl und Spazierstöcke gehören zur Sammlung. Und natürlich die Handschriften des Gelehrten, die 200.000 Blatt umfassen und in Teilen zum Unesco-Weltdokumentenerbe ernannt wurden.
Derzeit sind die unschätzbar wertvollen Schriften ebenso wie rund 400.000 Bände aus dem Altbestand der Bibliothek nur unzureichend untergebracht. Denn die Klimatechnik entspricht längst nicht mehr den heutigen Anforderungen. „Manche Exemplare haben bereits Schaden genommen“, sagt Ruppelt. Doch nun wird es nicht mehr lange dauern, bis alle Bände und Schriften in optimal temperierten Räumen lagern können: Die im August 2009 begonnene energetische Sanierung des Gebäudes, die mit rund drei Millionen Euro zu Buche schlägt, soll Ende dieses Jahres abgeschlossen sein.
Läuft alles nach Plan, kann Anfang 2012 der Umbau für den Leibniz-Saal beginnen, dem ein Vortragsraum für bis zu 200 Besucher und Arbeitsräume für Forscher und andere Bibliotheksnutzer angegliedert werden. Zeitgleich wird im Erdgeschoss zusätzlicher Platz geschaffen: Dort ist künftig der zentrale Ausleih- und Freihandbereich angesiedelt, ebenso wie die Akademie für Leseförderung und ein Shop. Die Pläne der Architekten sehen vor, die derzeitige Glasfront nach außen zu erweitern und die Fläche damit zu verdoppeln. Und dann wird erstmals schon am Eingang deutlich, dass der Besucher eine Bibliothek betritt: 50.000 Bücher sollen in dem neuen gläsernen Vorbau von außen sichtbar sein. „Bisher könnte man auch denken, wir sind das Katasteramt“, sagt Ruppelt mit einem Schmunzeln.
Altes und Neues unter einem Dach
Die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek (Niedersächsische Landesbibliothek) vereint zwei verschiedene Bereiche unter einem Dach. Zum einen ist sie als Wissenschafts-, Kultur- und Bildungseinrichtung eine moderne Bibliothek für eine Vielzahl von Nutzern, zum anderen verwahrt sie bedeutende historische Bestände. Mit ihren rund zwei Millionen Bänden und Medieneinheiten gehört die Leibniz-Bibliothek zu den bedeutendsten Bibliotheken in Norddeutschland. Zu ihrem Besitz zählen Handschriften, die bis in das achte Jahrhundert zurückreichen, Nachlässe, alte Drucke und Sondersammlungen. Mehr als 100.000 vor 1815 gedruckte Bücher sowie alte Zeitungen und Zeitschriften bilden einen Quellenfundus. Einer der wertvollsten Bestände ist der Nachlass von Leibniz, der über Jahrzehnte in Hannover wirkte und neben seinen vielen Aufgaben bei Hofe auch 40 Jahre die Bibliothek leitete. Das derzeitige Bibliotheksgebäude in der Waterloostraße wurde 1976 errichtet. Vor den laufenden Umbauten wurde der Komplex nicht wesentlich verändert. Zudem läuft gerade der „Leibniz-Sommer“ mit Veranstaltungen rund um den Universalgelehrten – eine aktuelle Reihe, bei der Originaldokumente präsentiert werden, startet am 2. August.
Weitere Informationen zum „Leibniz Sommer" finden Sie hier.
Ein Bautagebuch der Leibniz-Bibliothek finden Sie hier.
Kommentare
Rechtschreibfehler - wen interessierts Bücherwurm – 30.07.10
Wenn schon Geld rausgeworfen wird, dann kann man die Bibliothek gleich mit dem Landtagneubau verbinden.Wenn ich in eine Bücherei gehe, dann will ich etwas zum Lesen aussuchen oder vor Ort Bücherrecherchen betreiben, dazu brauche ich keinen Riesenluxus vom Ambiente her (wenn ich meine Augen auf Bücher und Lesestoff richte).
Wird dann zur Begutachtung der historischen Exemplare Extra-Eintritt genommen? Wären diese Dinge nicht besser in einem echten Museum angesiedelt? - Wo bessere klimatische Voraussetzungen geschaffen werden können... Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
? ? – 29.07.10
In der Überschrift ist es immernoch falsch Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenHinweis HAZ.de – 29.07.10
Vielen Dank für den Hinweis, ist korrigiert. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden? Leibniz – 29.07.10
Lebniz-Bilbiothek? Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenKommentar schreiben