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Die Revolution kommt aus Hannover

Auszeichnung für Forscher Haddadin Die Revolution kommt aus Hannover

Professor Sami Haddadin forscht an der Leibniz-Uni an einer neuen Robotergeneration. Für seine Arbeit ist der 35-Jährige mit einem hoch dotierten Förderpreis ausgezeichnet worden.

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„Wir können in der realen Welt viel bewirken“: Sami Haddadin zeigt einen Roboterarm der dritten Generation. 

Hannover. Der tragische Unfall ist erst ein paar Wochen her: Im VW-Werk in Baunatal erfasste ein Fertigungsroboter einen Arbeiter und drückte ihn gegen eine Wand - mit aller Kraft und Präzision, mit der die Maschine ausgestattet und programmiert war. Der Mann starb kurze Zeit später an seinen Verletzungen. Der Roboter hatte ihn einfach nicht erkannt.

Wenn es nach Professor Sami Haddadin geht, gehören solche Unfälle bald der Vergangenheit an. Der 35-jährige Nachwuchswissenschaftler leitet das Institut für Regelungstechnik der Leibniz-Universität. Hier forscht er an der dritten Generation von Robotern - die zwar nicht selbstständig denken kann, aber fühlen. „Wir nennen das taktile Sensorik“, sagt Haddadin. „Damit kann der Roboter zu einem echten Partner für den Menschen werden.“

Anhand eines leuchtend orangefarbenen Roboterarms zeigt Haddadin, was die dritte Robotergeneration kann. Sein Mitarbeiter Lars Johannmeier tippt auf einen Laptop ein, dann beginnt die Maschine, mit ihrem knubbeligen Gelenk-arm eine Tafel zu wischen. Bis Haddadin seinen Arm vor die Tafel hält. Der Roboter touchiert ihn, zuckt zurück und fährt langsam und brav in seine Ausgangsstellung zurück.

Das Bemerkenswerte an dieser Szene ist nicht nur, dass Roboter und Mensch interagieren, sondern auch, dass die Maschine überhaupt aktiv die Tafel wischt - mit genau dosierter Kraft. „Gängige Roboter erkennen die Fläche, die sie bearbeiten, gar nicht - sie würden an der gleichen Stelle weiterwischen, wenn man die Tafel entfernt“, erklärt Haddadin. Da ist man in Hannover weiter.

Außerdem arbeiten die Wissenschaftler in der Appelstraße daran, Roboter leichter, stärker und schneller zu machen. Denn die bisherigen sind erstaunlich schwach: Ein Mensch kann etwa das Gleiche seines Gewichts tragen, ein Roboter oft nur ein Zehntel. „Deshalb sind Industrieroboter so riesig“, sagt Haddadin. Gelingt es aber, einen leichten, feinfühligen Roboter zu bauen, ist das Einsatzspektrum riesig.

Vor allem an den medizinischen Bereich denkt der 35-Jährige dabei. Sensible und mobile Roboter könnten beispielsweise Pflegekräften beim Heben oder Umbetten von Patienten helfen. Sie würden das Pflege- und Betreuungspersonal von mechanischen Arbeiten entlasten und somit mehr Zeit für menschliche Zuwendung zu den Patienten erlauben, sagt er.

Derzeit forscht Haddadin insbesondere an der Entwicklung neuartiger elektronisch gesteuerten Armprothesen. Er dreht den Laptop auf seinem Schreibtisch um und spielt einen Filmclip ab. Zu sehen ist eine Frau, deren Glieder gelähmt sind - und die mit Gedankenkraft eine Roboterhand mit einer Trinkflasche an ihren Mund führt. Die Patientin, die an der Krankheit ALS leidet, ist dank Robotertechnik in der Lage, eine Handlung selbstständig auszuführen.

Dass sich Haddadin vor allem auf medizinische Anwendungen konzentriert, ist nicht zufällig: Sein Vater ist Arzt in Garbsen, seine Frau ist Krankenschwester. Mit seinen 35 Jahren ist Haddadin der jüngste Nachwuchswissenschaftler, der in Deutschland einen Lehrstuhl für Regelungstechnik innehat. Für Hannover entschied er sich auch aufgrund der Nähe zur MHH, mit der sein Institut eng zusammenarbeitet.

Ganz bewusst hat sich Haddadin zu Beginn seiner Karriere gegen die Grundlagenforschung entschieden und für den Transfer der Wissenschaft in die Wirklichkeit. „Wir sind an einem Punkt, an dem wir in der realen Welt momentan sehr viel bewirken können“, sagt er. Die dritte Robotergeneration ist keine Zukunftsmusik mehr, die Technologie steht kurz vor der Serienreife. Großkonzerne aus aller Welt klopfen derzeit im Institut in der Appelstraße an.

Und Haddadin ist sicher, dass die nächste Robotergeneration nicht lange auf sich warten lässt: Wenn es gelingt, dem Menschen einen leichten, sensiblen Helfer zur Seite zu stellen, dann schafft der Roboter den Sprung in die Haushalte - als kleiner Helfer im Alltag. Dann wird der Roboter zum Massenprodukt, was zu einem immensen Technologiesprung führen wird, glaubt Haddadin. So war es beim Computer und dem PC, beim Telefon und dem Handy, und so wird es beim Roboter sein.

Eine Million Euro Preisgeld

Professor Sami Haddadin ist mit dem Alfried-Krupp-Förderpreis 2015 für junge Hochschullehrer ausgezeichnet worden. Der Preis ist mit einer Million Euro dotiert und soll den Preisträger über einen Zeitraum von fünf Jahren unterstützen, seine Forschung und Lehre unabhängig von öffentlichen Geldern voranzutreiben. Insgesamt waren 53 Vorschläge aus dem ganzen Bundesgebiet eingereicht worden. „Mit der Auszeichnung wird ein Forschungsbereich ausgezeichnet, der zu unseren Profilschwerpunkten zählt“, sagt Prof. Volker Epping, Präsident der Leibniz-Uni: „die Biomedizin und Biomedizintechnik“. Haddadin will das Preisgeld vor allem für die Forschung an der Neuro-Prothetik einsetzen, mit deren Hilfe gelähmte Menschen ein Stück weit selbstständiger werden können. „Die Auszeichnung, über die ich mich sehr freue, ist eine wundervolle Würdigung für das gesamte Forschungsteam“, sagt Haddadin. „Sie ermöglicht eine intensive Fortführung der Arbeiten in den kommenden Jahren.“

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