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Aus der Stadt Leibniz-Uni hilft bei Digitalisierung
Hannover Aus der Stadt Leibniz-Uni hilft bei Digitalisierung
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00:17 22.12.2016
Von Bärbel Hilbig
Prokurist Meik Philipsen zeigt Berater Christian Wagener vom Produktionstechnischen Zentrum der Leibniz-Uni die Produkte der Firma Intech-World. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Die große Spritzgussmaschine, die in der Fabrikhalle in Marienwerder Plastikgranulat erhitzt, mit viel Druck in Form bringt und den neuen Kunststoffkasten dann noch einen Moment abkühlen lässt, arbeitet zügig und hochpräzise. 150 Sekunden, und fertig ist die Kiste. Ein Roboterarm greift sie sich und legt sie auf ein Förderband.

Die Firma Intech-World stellt Lieferkisten her. Für das kommende Jahr wird ein Gesamtumsatz von rund 10 Millionen Euro angestrebt. Das Unternehmen möchte die Produktion vernetzen: Beratung bei der Digitalisierung bekommen Geschäftsführer und Inhaber Vedat Pehlivan sowie Prokurist Meik Philipsen von Christian Wagener vom Produktionstechnischen Zentrum der Leibniz-Universität. Im Auftrag der Bundesregierung hilft das PZH Unternehmen als Mittelstand-4.0-Kompetenzzentrum.

Die Produkte der Firma Intech-World kennt jeder: In den roten Gitterkörben liefern Backfabriken Brote und Brötchen. Mit Klappboxen von Intech-World transportiert der Textildiscounter Kik seine Ware in die Filialen. Fleischbehälter aus Marienwerder gehen an Schlachtbetriebe, leicht zu desinfizierende Paletten aus Kunststoff an die ganze Lebensmittelbranche. Vor Weihnachten ist in der Kistenproduktion Hochsaison. 50 Prozent ihres Umsatzes erzielt die Firma im letzten Viertel des Jahres. Denn alle brauchen die Lieferkisten jetzt besonders dringend, wenn der Einzelhandel sein Hauptgeschäft macht.

Ein Display an der riesigen Spritzgussmaschine zeigt genau, an welchem Punkt der Fertigung der Apparat gerade ist. Prokurist Meik Philipsen kann zahlreiche Daten auf dem Bildschirm abrufen - vom Stromverbrauch bis zur Dauer der einzelnen Herstellungsschritte einer Kiste.

Ferndiagnose ist problematisch

Doch Philipsen ist nicht zufrieden. Bisher ist die Produktion bei Intech-World nicht vernetzt. Kommt es zu einer Störung, leuchtet einfach eine Lampe an der Maschine auf. Wenn der Schichtleiter im Spätdienst das Problem nicht kennt, schickt er per Smartphone eine Nachricht an Philipsen. Der versucht sich von zu Hause aus an einer Fernanalyse. „Gerade in so einer kleinen Firma wie unserer sind nicht alle Mitarbeiter im Drei-Schicht-Betrieb gleich gut geschult.“ Wären die Maschinen­daten direkt per Internet zugänglich, hätte der Prokurist es einfacher. „Auch der Techniker der Herstellerfirma könnte sich einschalten, ohne extra zu uns zu kommen.“

Kostenlose Unterstützung für den Mittelstand

Das Mittelstand-4.0-Kompetenzzentrum bietet Firmen in Niedersachsen und Bremen seit Jahresanfang kostenlos Hilfe bei der Digitalisierung ihrer Produktionsprozesse. Das Zentrum ist angesiedelt bei den Fachleuten im Produktionstechnischen Zentrum Hannover (PZH) der Leibniz-Universität in Garbsen. Das Bundesministerium für Wirtschaft fördert das Zentrum mit 5,3 Millionen Euro für drei Jahre, damit es kleine und mittlere Unternehmen unterstützt. Bundesweit sollen fünf Kompetenzzentren an den Start gehen.
Die Spezialisten der Leibniz-Uni schicken eine „mobile Fabrik“ zur Schulung durch Niedersachsen, bieten lokale Infoveranstaltungen und nutzen auch die Robotation Academy, das Vorführzentrum für Robotik und Automatisierung auf dem Messegelände.

Aber der Weg zur vernetzten Fabrik ist für Mittelständler schwierig. Die 30 Mitarbeiter von Intech-World stellen nächstes Jahr voraussichtlich 2,8 Millionen Kisten und Paletten her. Angestrebt ist ein Gesamtumsatz von rund 10 Millionen Euro. Ein eigener IT-Experte wäre für die Firma reiner Luxus.

Beratung bei der Digitalisierung bekommen Geschäftsführer und Inhaber Vedat Pehlivan sowie Prokurist Philipsen jetzt aber von Christian Wagener vom Produktionstechnischen Zentrum der Leibniz-Universität. Im Auftrag der Bundesregierung hilft das PZH Unternehmen als Mittelstand-4.0-Kompetenzzentrum.

Im Radio hat Philipsen gehört, dass Daimler in der Produktion den Mitarbeitern per Datenbrillen Infos und Arbeitsanweisungen liefert. Davon sind Mittelständler wie Intech-World meilenweit entfernt. An Daten kommt der 38-Jährige oft nur auf konventionellem Weg. Das Gewicht der Produkte kontrollieren die Mitarbeiter einmal pro Stunde nach dem Zufallsprinzip: Schichtleiter Johannes Vieweg greift eine Kiste heraus, legt sie auf die Waage und notiert das Ergebnis auf einem Zettel. Den hängt er an ein Klemmbrett an der Maschine.

„In Produktionsbetrieben sind die Anlagen meist sehr individuell, das macht eine Digitalisierung kompliziert“, erklärt Wagener. Die riesigen Maschinen bei Intech-World hat Vedat Pehlivan selbst entworfen. Gebaut haben sie vier verschiedene Hersteller. Wagener wird deshalb einen unabhängigen IT-Experten vermitteln, der den Maschinenpark vernetzen kann.

Verzögerungen werden teuer

Für die Firma böte der schnelle Zugriff auf die Produktionsdaten enorme Vorteile. „Wenn sich der Zyklus einer Maschine um eine Sekunde verzögert und wir das nicht bemerken, produzieren wir 15.000 Kisten weniger im Jahr“, erläutert Philipsen. Auch der Stromverbrauch, ein erheblicher Kostenfaktor, ließe sich besser regulieren. „Der Unterschied liegt darin, ob ich regelmäßig zur Maschine laufen muss oder die Maschine selbst sagt, was los ist.“ In der Zusammenarbeit mit der Uni sieht der Prokurist eine große Chance. „Wir fangen jetzt langsam an, wollen aber systematisch weitermachen.“ Damit auch im nächsten Weihnachtsgeschäft die Kisten für den Festtagsbraten nicht ausgehen.

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