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Aus der Stadt "Wir müssen unsere Hunde im Griff haben"
Hannover Aus der Stadt "Wir müssen unsere Hunde im Griff haben"
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19:50 15.07.2015
Auf der Neuen Bult wird beim HAZ-Forum über den Leinenzwang diskutiert. Quelle: Jan Philipp Eberstein
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Hannover

+++  Zum Abschluss der Diskussion, die insgesamt sehr sachlich geführt wurde, fasst HAZ-Redakteur Conrad von Meding noch einmal die Standpunkte zusammen. Mehr geeignete Hundeauslaufflächen seien nötig - und die Frage bliebe zu klären, warum Gebiete wie die Alte Bult und die Ricklinger Kiesteich, wo sich im Sommer Tausende zum Baden treffen - keine Freilaufgebiete seien. Stadtjäger Pyka bittet die anwesenden Hundehalter noch einmal darum, "sensibilisieren Sie die Hundehalter, die ich nicht erreiche". Nolte hingegen wünscht sich zum Abschluss, dass Hundehalter nicht von Anfang an unter Generalverdacht gestellt werden.

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Beim HAZ-Forum haben etwa 100 Besucher sachlich diskutiert - unter anderem über den Leinenzwang. Viele hatten ihre Tiere mitgebracht.

+++  "Wir Hundehalter müssen unsere Hunde im Griff haben - und wenn nicht, dann gehören sie an die Leine", sagt Birgit Schulte. Sie bekommt Applaus - auch von den anwesenden Hundehaltern.

"Schwarze Schafe werden nicht erreicht"

+++ Claudia Kempf aus Ingeln: "Ich hab die Befürchtung, dass die Diskussion nicht die erreicht, die sie erreichen sollte - die schwarzen Schafe."  Denjenigen, die sich nicht informieren und die ihre Hunde nicht erziehen bzw. sie jagen und wildern lassen, sei das Thema ziemlich egal. Sie findet es schade, dass es die verantwortungsvollen Hundehalter wie sie zur Dikussion erschienen seien, trifft.

+++ Andrea Niebisch ist ebenfalls mit Hund gekommen. Sie findet: "Freilaufflächen sollten von Hundehaltern zum Üben genutzt werden. Man sollte die Chance nutzen, Hunde weiter auszubilden." Das passiere zu wenig. Hunde, die von der Stadt eine Leinenbefreiung für Grünflächen erhalten haben, sollten ihrer Ansicht nach auch vom Leinenzwang während der Brut- und Setzzeit befreit werden.

+++ Auch Jennifer Schuster ist zu Gast. Sie hat eine Initiative "Hundefreunde gegen Hundehasser" in Hannover gegründet, die sich dafür einsetzt, dass Hundehalter sich verantwortungsvoller verhalten - zum Beispiel durch Hundekot aufsammeln - und damit Hundehassern die Argumentation zu nehmen.

+++ Heike Schröder bringt eingezäunte Freilaufflächen nach dänischem Vorbild ins Gespräch. Nicht alle Anwesenden sind damit einverstanden. Nolte hingehen schlägt vor, den pauschalen Leinenzwang abzuschaffen - dafür aber Gebiete auszuweisen, wo Hunde grundsätzlich nicht laufen dürften. Stadtjäger Pyka kann diesem Vorschlag nicht zustimmen. In der südlichen Leinemasch gäbe es solche Gebiete bereits - und die Leinenpflicht würde ignoriert. "Weil es die Leute nicht verstehen", kontert Nolte.

Hans-Peter Wiechers in der Videokolumne

+++ Ein weiterer Gast sagt: "Wie kriegen wir eine Regelung hin, die alle zufrieden stellt?" Es mache keinen Sinn die Diskussion immer polarisiert zu führen. Hundebesitzer sollten sich über die Arbeit bewusst sein, die ein Hund macht. Training sei nötig - mit 15 Minuten Auslauf sei es nicht getan. Pyka stimmt zu und meint: "Hundehalter sollten sich vorher erkundigen. Wenn ich ein Tier nicht artgerecht halten kann, sollte ich darauf verzichten." Er plädiiert dafür, sich über Auslaufflächen zu unterhalten - und zwar bevor man ein Gesetz ändern möchte.

+++ Wie bedroht sind die Tiere -  und sind es wirklich die Hunde, die sie dezimieren? Nolte argumentiert: In den Siebzigern hätten Jäger jährlich 700.000 Rehe geschossen - mittlerweile seien es über eine Million. Dies spricht seiner Meinung nach dafür, dass sich die Tiere sogar vermehren. Belastbare Zahlen, wie Hunde die Population beeinflussen, gäbe es nicht - daher sei die Regelung zur Brut- und Setzzeit kritisch zu sehen.  "Man kann doch nicht ein Gesetz machen gegen Hunde, wenn es keine Grundlage gibt, sondern nur, weil man sich darüber ärgert".

Hundehalter plädieren für bessere Auslaufflächen

+++ Sina Schlösser aus Oberricklingen sieht es ähnlich: "Ich bin ganz normale Hundehalterin", sagt sie und findet: "Es müssen größere Hundeauslaufflächen sein, es kann nicht sein, dass wir den Kronsberg komplett dicht machen und dafür keinen Ersatz bieten."

+++ Thomas Sporn aus Thönse: Früher habe der Spruch gegolten: "In Hannover darf man nur Hunde freilaufen lassen in der Straßenbahn". Das habe sich zwar gewandelt, aber: Hannover könnte mehr Auslauf bieten als bisher. Es sei ein Mengenproblem. In Thönse gäbe es das Problem nicht, dort sei viel Platz für Hunde.

+++ Willi Landhorst aus Seelze sagt, der normale Besitzer mit seinem normalen Hund könne nicht verstehen, warum sein Hund ein Viertel seines Lebens an der Leine laufen muss während in anderen Bundesländern Hunde nicht derartig behandelt würden. Er schlägt vor "Ran ans Palament - das Gesetz muss entscheiden".

+++ Vor ziemlich genau einem Jahr haben Nolte und die Initiative gegen Leinenzwang 13.000 Unterschriften beim Land Niedersachsen eingereicht. Über eine eventuelle Veränderung wird derzeit diskutiert. Auch vonseiten des Landesjagdverbandes her sei Verständnis für die Hundehalter da, sagt Nolte. Als Lösungsvorschlag für den Konflikt um den Leinenzwang sieht Nolte mehr Auslaufflächen für die Tiere. Nolte kritisiert, dass es zwar Auslaufflächen gibt, diese aber teilweise klein und unschön seien.

"Tiere in der Natur brauchen die Lebensräume um zu überleben"

+++ "Dass es Hundehalter gibt, die sich nicht so verhalten, wie man sich das wünscht, ist außer Frage", sagt Nolte. Es gehe aber darum, dass der Hund das gesamte Jahr nicht hinter einem Reh herjage  und nicht nur während der dreieinhalb Monate zwischen April und Mitte Juli. Die Brut- und Setzzeit habe keinen vernünftige Grundlage - und sei deshalb abzuschaffen. Es gäbe keine Zahlen für Hannover, wie viele Rehe beispielsweise durch Hunde gewildert werden.

+++ "Man kann natürlich nicht auf den Leinenzwang verzichten", sagt Pyka und findet im Gegensatz zu Nolte, dass der Leinenzwang nicht aufgehoben werden sollte. "Die Tiere, die in der Natur leben, brauchen diese Lebensräume um zu überleben.", sagt Pyka. Menschen und Hunde bräuchten diese nicht. Er stimmt zu, dass Hunde genügend Auslauf brauchen. Er bietet an, über mehr Auslaufflächen zu reden - aber nicht auf den Leinenzwang zu verzichten.

+++ Stadtjäger Pyka ist zwar für den Leinenzwang sagt aber: "Natürlich mag ich Hunde". Professor Ingo Nolte von der Tierärztlichen Hochschule sagt dagegen "Wer Hunde hält, hat auch Tierliebe und dazu gehört auch die Achtung des wildlebenden Tieres."

+++ HAZ-Redakteur Conrad von Meding begrüßt die Gäste zum ersten HAZ-Forum unter freiem Himmel. Auf dem Podium zur Diskussion sind Stadtjäger Heinz Pyka und Ingo Nolte für die Initiative gegen Leinenzwang.

+++ Die Plätze füllen sich auf Hannovers beliebtester inoffizieller Auslauffläche der Alten Bult. Zahlreiche der Gäste haben ihre Hunde mitgebracht.

Es ist alles vorbereitet für eine spannende Diskussionsrunde:

sag/jan/kon

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