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Aus der Stadt Leine-Hochwasser: Viele Straßen sind wieder frei
Hannover Aus der Stadt Leine-Hochwasser: Viele Straßen sind wieder frei
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Überflutete Straße bei Bordenau. Quelle: Rainer Droese
Hannover

Straßen sind gesperrt, Felder stehen unter Wasser, Flussufer sind nicht mehr passierbar: Das jüngste Hochwasser hat Hannover erwischt. Seit Tagen klettert der Leinepegel in Herrenhausen, Freitag erreichte er am Spätnachmittag die Höhe von 5,34 Metern (plus 48,61 Metern zum Meeresspiegel). Zum Vergleich: Der mittlere Wasserstand der Leine beträgt 1,75 Meter. Der zuständige Wasserwirtschaftsbetrieb NLWKN gab aber Entwarnung: Die Pegel werden an diesem Wochenende voraussichtlich nicht mehr steigen, Überflutungen wie im Sommer 2017 seien nicht zu erwarten. Am Sonntagmorgen betrug der Pegel in Herrenhausen 5,23 Meter.

Auch am Tag nach dem Sturmtief „Burglind“ ist der Pegel der Leine in Hannover weit über dem normalen Wert.

Drei überflutete Straßen mussten in der Region Hannover gesperrt werden, im Süden die Wilkenburger Straße zwischen Hannover und Hemmingen, die Kreisstraße 222 zwischen Harkenbleck und Wilkenburg sowie im Nordwesten die Kreisstraße 335 zwischen Poggenhagen und Bordenau. Mittlerweile sind die Straßen allerdings wieder passierbar. Entlang der Ihme in Linden und in der gesamten Leinemasch sind die Wiesen überspült. In Laatzen hat die Verwaltung alle Zugänge zur Masch für gesperrt erklärt: Das Passieren ist zwar möglich, erfolgt aber auf eigene Gefahr.  

„Wir beobachten die Lage“, sagt ein Feuerwehrsprecher in Hannover. Er warnt alle Verkehrsteilnehmer davor, durch die überfluteten Bereiche zu fahren. Am Spätnachmittag hatte sich eine Familie mit ihrem Mercedes-SUV bei Neustadt im Wasser festgefahren. Ehrenamtliche der örtlichen Feuerwehr mussten sie aus dem Wasser ziehen.

Auch wenn die Situation derzeit nicht gefährlich ist: Jeder Regen kann zu weiterem Anstieg der Flusspegel führen. „Die Böden sind mit Wasser gesättigt und wirken wie ein nasser Schwamm“, sagt NLWKN-Sprecherin Herma Heyken. Weil alles direkt in die Flüsse fließe, statt im Boden zu versickern, trete kaum eine Entspannung der Hochwasserlage ein. „Der Herbst war sehr feucht, und auch im Dezember hat es häufig geregnet“, sagt Heyken. 

Die Landwirte im Umland Hannovers registrieren die Wetterlage genau. Im vergangenen Jahr seien 950 Liter Wasser gefallen, davon allein 700 Liter zwischen Juli und September, sagt etwa der Burgwedeler Landwirt Christian Büchtmann. Normal seien im langjährigen Mittel 650 Liter – im Jahr. Die Äcker seien so nass, dass sie nicht bearbeitet werden könnten, auch die Wintersaat leide. 

Entspannung soll ein Wetterumschwung bringen. „Hoch ,Adam’ wird sich bei uns bemerkbar machen“, sagt Robert Scholz vom Deutschen Wetterdienst. Bisher stand Deutschland unter dem Einfluss feuchter Luftmassen, die über den Atlantik kamen, jetzt ziehe trockene Luft aus dem Osten heran. „Das Wochenende bleibt in Hannover weitestgehend trocken, und es wird deutlich kühler“, sagt Scholz. In der Nacht zu Montag könne die Temperatur auf minus vier Grad sinken. Auch für den Wochenbeginn rechnet der Meteorologe mit kühlen zwei Grad. „Die Wetterlage stellt sich um“, sagt Scholz.

Gefühlt seit Wochen gibt es Dauerregen. Deshalb sind rund um die Leine die Felder, Wege und sogar Straßen überschwemmt. Die Fotos, die Harald Schneider aus Devese mit der Drohne gemacht hat, zeigen eine Seenlandschaft. Seit Sonnabendmittag sinkt aber der Pegel und das Wasser zieht sich zurück – langsam.

Erst Ende Juli waren weite Landstriche in Niedersachsen nach tagelangen Regenfällen überschwemmt worden, auch Hannover war davon betroffen.

asl/bis/saf