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Aus der Stadt Filialleiter gesteht Überfall auf eigene Bank
Hannover Aus der Stadt Filialleiter gesteht Überfall auf eigene Bank
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22:32 02.05.2017
Der 32-jährige Filialleiter der Santander-Bank in Vahrenwald hat am Dienstag vor dem Landgericht Hannover den Überfall auf sein eigenes Geldinstitut gestanden.  Quelle: Kutter
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Vahrenwald

Seit gestern ist es klar: Der frühere Chef der inzwischen geschlossenen Santander-Bankfiliale in Vahrenwald ist ein Bankräuber. Nicolas F. hat vor dem Landgericht Hannover gestanden, den Überfall mit seinem Freund Ehsan J. geplant und im Juni 2016 eine Schau als vermeintliches Opfer abgezogen zu haben. Bei dem 32-jährigen J. – nach eigenem Bekunden kokainabhängig und bei seinen Dealern mit 20.000 Euro in der Kreide stehend – könnte man das Motiv noch nachvollziehen. Doch was treibt einen Banker mit 78 .000 Euro Jahresgehalt zu solch einer Tat? Einen beruflich erfolgreichen 32-Jährigen, der schon in jungen Jahren Besitzer von zwei Eigentumswohnungen, Luxusautos und hochwertigen Uhren ist?

Bei einem Banküberfall auf die Santander-Filiale in Vahrenwald sind zwei Räuber mit ihrer Beute geflüchtet.

„Diese Tat war Irrsinn“

Viel auszustehen hatte Nicolas F. in seinem Leben nicht, folgt man der Einlassung von Verteidiger Matthias Waldraff. Schon in der Schule habe F. kaufmännisches Talent entwickelt, mit Süßigkeiten und Handys gehandelt. Nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann, 2007, entdeckte er seine Liebe für Uhren und Autos. Ständig kaufte und verkaufte er Fahrzeuge, von VW Polo, VW Golf und Smart bis zu BMW und Audi, aber nach nur wenigen Monaten Nutzung immer mit Gewinn. Die wirtschaftliche Situation seines Mandanten im Sommer 2016, so Waldraff, war gut. F. spiele nicht, konsumiere keine Drogen, habe sein Geld nie verprasst, sondern stets wertsteigernd investiert. Und die Oma überweist ihm auch noch 500 Euro pro Monat. Und dann das: der Überfall. Der Verteidiger nennt F. „verwöhnungsverwahrlost“. Doch reicht das als Erklärung für eine Tat, die Waldraff im gleichen Atemzug als „Irrsinn“ bezeichnet?

Eher mag der Schlüssel in der Beziehung der beiden ungleichen Männer liegen, die schon seit zehn Jahren befreundet sind. Auch Ehsan J. legt über seinen Verteidiger Christoph Rautenstengel ein Geständnis ab. Nach dem Besuch der Fachoberschule Bautechnik hatte sich der gebürtige Iraner mit schlecht bezahlten Jobs durchgeschlagen: als Türsteher, Fliesenleger, Kellner. Doch Drogen- und Alkoholkonsum nahmen in gleichem Maße zu wie seine Schuldenlast. Als er seinen Freund „Nick“ um einen Kredit bat, entgegnete der: „Dann kannst du ja gleich meine Bank ausrauben.“ Noch darf gelacht werden. Doch aus dem Spruch wird eine fixe Idee. Und aus der Idee ein Plan.

Die beiden Männer, sagt Waldraff, hätte eine ganz besondere Freundschaft gepflegt. Hatten allerlei Kosenamen füreinander. Doch einen sexuellen Hintergrund, so der Verteidiger, habe die Beziehung nie gehabt. Allerdings sei der Banker ob der Drohungen der „Drogenmafia“, denen sein Kumpel in wachsendem Maße ausgesetzt war, beunruhigt gewesen. Heißt: Die Schulden mussten weg.

Am 22. Juni 2016 überfällt ein Mann die Santander-Bankfiliale an der Vahrenwalder Straße 106-108. Ehsan J. weiß, dass seit vier Wochen ungewöhnlich viel Geld im Tresor aufbewahrt wird. Dass es in den Geschäftsräumen keinen Wachmann gibt. Keine Videoüberwachung. J. weiß auch, dass der Filialleiter keinen stillen Alarm auslösen wird. Beste Voraussetzungen also für einen Bankraub, für den sich der Täter 44 Minuten Zeit lassen kann, um nacheinander seinen Freund und zwei Bankangestellte zu fesseln, ihnen Stofftüten über die Köpfe zu ziehen und unter Androhung von Gewalt mit einer Schusswaffe sowie einer Handgranate mehrere Zahlencodes und die Öffnung des Tresors zu erpressen.

Deal ist geplatzt

Anwalt Rautenstengel gibt zu Protokoll, es habe sich nur um eine ungeladene Gaspistole und eine Handgranaten-Attrappe gehandelt, die sein Mandant später in Mülltonnen entsorgt habe. Doch an dieser Frage ist ein vorzeitiger Deal mit der 18. Großen Strafkammer und Oberstaatsanwalt Frank Weissenborn bereits gescheitert. Sollte J. seine Opfer mit scharfen Waffen bedroht haben, beträgt die Mindeststrafe fünf Jahre. Waren es Attrappen, liegt die untere Grenze bei drei Jahren.

Beide Täter bedauern vor Gericht, die anderen Bankmitarbeiter in Angst und Schrecken versetzt zu haben. Doch warum haben die Opfer ihren schon früh gehegten Verdacht, die Stimme des Bankräubers könnte diejenige des ihnen durchaus bekannten J. sein, nicht der Polizei mitgeteilt, sondern nur Nicolas F.? Der Vorsitzende Richter Volker Löhr nennt dieses Versäumnis eine „Ungeheuerlichkeit“.

F. wolle seine „Gier nach materiellen Gütern“ nunmehr beenden, sagt Anwalt Waldraff. Und Pascal Ackermann, der zweite Verteidiger von F., lässt Zahlen sprechen. Der Banker, dessen Anteil an der Beute 50 000 Euro betrug, wolle all sein Vermögen in die Schadenswiedergutmachung investieren. Werde seine Wohnungen in Südstadt und List ebenso verkaufen wie Porsche Cayenne, Mercedes SL 55 AMG, diverse teure Uhren, Computer und Mobiltelefone. Auch wenn die Wohnungen noch nicht abbezahlt sind: F. dürfte die geraubte Summe von 367 500 Euro wohl aufbringen können. Nutznießer wäre die Versicherung, die der Bank ihren Schaden bereits ausgeglichen hat. Dass die später wahrscheinlich eh versucht hätte, sich bei F. auf zivilrechtlichem Wege schadlos zu halten, steht auf einem anderen Blatt.     

 

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