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Aus der Stadt Lenas Heimspiel
Hannover Aus der Stadt Lenas Heimspiel
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15:56 28.07.2015
Von Volker Wiedersheim
Lena ganz nah - 300 Gewinner konnten das am Sonnabend im Wasserturm erleben. Quelle: Treblin
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Hannover

Showtime. Lena sagt Hallo. „Ich bin so dankbar, dass ich hier stehen darf. Boah, ich fang gleich an zu heulen.“Draußen am Turm pfeifen Böen knapp unter Orkanstärke. Drinnen tost Jubelsturm. Beides pustet die Sängerin nicht weg, obwohl man das befürchten darf. Sie wirkt halt schon extrem leichtgewichtig, wenn sie so auf die Bühne schlappt; schwarze Haare, schwarzes Top, schwarze Hose, schwarze Schnürstiefel. Das Fernsehen lässt die Menschen größer erscheinen. Im echten Leben, so scheint es, muss sie beweisen, dass die Erdanziehungskraft überhaupt auf sie wirkt.

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Stimmung wie bei einem Fanclubtreffen - Lena hat im Wasserturm ein Privatkonzert für 300 Fans gegeben, die die Karten vorher gewonnen hatten.

Aber: Sie wirkt, leidlich. Los geht es mit dem Song „Keep on Living“. Moderner, Elektro-lastiger Pop, Gitarren nur für die Kategorie „beste Nebenrolle“, hervorragende Band, keine Poser, eher Musiker vom Typ begnadete Schlabber-T-Shirt-Träger (für Synthesizer-Nerds ist die Instrumentensammlung auf der Bühne in etwa das, was der Genfer Automobilsalon für die Brumm-Brumm-Branche ist). Die Songs schweben wie auf Wolke sieben, und Lena flufft darauf mit ihrer Stimme herum. Dass das ganze nicht völlig zur Luftnummer wird, liegt wohl an ihrem zugleich sandigen und samtigen Timbre. Eigentlich ein Widerspruch? Nein, irgendwie nicht.

„Beat to my Melodie“, „Four Sleeps“, „Neon“, „Take me to Church“, „Stardust“ – es geht munter durch die immerhin schon vier Alben von Frau Meyer-Landrut. Eigentlich reicht das, um langsam mal zum Sie überzugehen. Aber sie nennt sich ja selbst als Künstlerin beim Vornahmen: Lena. Unter Deutschlands jungen Sängerinnen ist sie zurzeit die erfolgreichste. Noch erfolgreicher ist Helene Fischer. Klar, Stadion. Ganz andere Hausnummer.

Trotzdem sollte dieser Gig im Wasserturm beim Jahresrückblick auf die Konzertsaison nicht vergessen werden. Warum: Was so ein Arena-Spektakel an Perfektion bietet, macht Lenas Heimspiel mit seltenen Einblicken in die Anatomie des Pop wett. Die Band verlässt für das besondere Konzertformat – es knüpft an die legendäre MTV-Serie „Unplugged“ an – Repertoire und Arrangements teils ordentlich umgestellt. Wenn was schief geht, so war das Publikum gewarnt worden, wird wiederholt. Muss sein fürs TV. Tatsächlich werden am Schluss statt der üblichen Zugaben wegen vorheriger Verspieler „Catapult“ und „Junimond“ (von Rio Reiser, und ja: Lena singt Deutsch im Duett mit Gastsängerin Lary) wiederholt. „Junimond“ sogar zweimal. Lena unterbricht in der ersten Strophe: „Sorry, ich habe den Text ver ...!“ Peinlich? Keine Spur. Gar nicht. So geht Musik. Da sind die 300 Edelfans – Mehrheitsverhältnis Frauen: Männer ungefähr 10:1 – quasi bei Lena im Probenkeller zu Gast.

Irgendwann zwischen der Wattebauschversion des ESC-Siegersongs „Satellite“ und dem mit dem Spanier Alvaro Soler gesungenen „La Tortura“ (von Shakira) grüßt Lena: „Irgendwo isse hier und hört mich: Danke, Mutti!“ Jetzt sitzen die Fans gefühlt bei den Meyer-Landruts zu Hause auf der Couch.

Wer noch näher ran will, müsste wohl ein Instrument können und bei der Band anheuern.

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