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Aus der Stadt Lettow-Vorbeck-Allee hat einen neuen Namen
Hannover Aus der Stadt Lettow-Vorbeck-Allee hat einen neuen Namen
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20:36 31.10.2013
Von Andreas Schinkel
Umbenannt: am Freitag hat die Stadt die neuen Straßenschilder montiert.Küstner Quelle: Moritz Küstner
Hannover

Am Donnerstag hat die Stadt Hannover die neuen Straßenschilder montiert. Derzeit prüft ein Expertengremium, welche weiteren Straßen und Einrichtungen in Hannover nach einer Person benannt sind, die Schuld auf sich geladen hat. 400 Namen sollen durchleuchtet werden.

2007 wurde zum ersten Mal die Forderung erhoben, die Lettow-Vorbeck-Allee umzubenennen. Denn Generalmajor Paul von Lettow-Vorbeck soll sich in seinen Feldzügen in Afrika und China als skrupelloser Militär erwiesen haben. Kriegsverbrechen und Hochverrat soll er gemäß einer Untersuchung von Universitätsprofessor Helmut Bley begangen haben. Noch 1957 verteidigte Lettow-Vorbeck in seiner Autobiografie den Kolonialismus.

Dennoch wollte die Mehrheit der Anwohner und Hauseigentümer am gewohnten Straßennamen festhalten, wie eine Befragung der Stadt Hannover ergab. Die rot-grüne Ratsmehrheit setzte sich über das Votum hinweg und stimmte schließlich für eine Umbenennung. Ein paar Jahre später reichte ein Anwohner Klage beim Verwaltungsgericht ein. Seine Begründung lautete, dass Aufwand und Nutzen in keinem angemessenen Verhältnis stünden. Straßenkarten, Schilder und Verzeichnisse müssten geändert werden, die Anwohner neue Visitenkarten und Briefköpfe drucken lassen. Das Gericht gab jedoch der Stadt recht und urteilte, dass der Kolonialist ein „aktiver Unterstützer eines Unrechtsregimes“ gewesen sei. Nach den Richtlinien der Stadt Hannover reicht das aus, um einen Namen aus dem Straßenverzeichnis zu tilgen. In einem zweiten Versuch legte man Berufung vor dem Oberverwaltungsgericht ein, doch auch die Lüneburger Richter schlossen sich der Argumentation ihrer Kollegen an. Damit waren die Tage der Lettow-Vorbeck-Allee endgültig gezählt.

Es dürfte nicht die letzte Straße in Hannover gewesen sein, die einen anderen Namen bekommt. Derzeit lässt die Stadt insgesamt rund 400 Personen, nach denen Straßen und Einrichtungen benannt sind, von Historikern überprüfen. Heinrich Tramm, Namensgeber für den Platz vor dem Rathaus, steht ebenso auf der Liste wie Hinrich Wilhelm Kopf, nach dem der Platz vor dem Landtag bezeichnet ist. Kopf ist in die Schlagzeilen geraten, weil kürzlich eine Wissenschaftlerin in ihrer Dissertation nachwies, dass Kopf zu NS-Zeiten mitgeholfen hat, Juden zu enteignen. Aus der hannoverschen Ratspolitik ist zu hören, dass Kopf kaum mehr mit einem Straßennamen geehrt werden kann.

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