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Lettow-Vorbeck-Allee in Hannover darf umbenannt werden

Streit um Straßennamen Lettow-Vorbeck-Allee in Hannover darf umbenannt werden

Urteil im Streit um Straßennamen: Die Lettow-Vorbeck-Allee in Hannover-Badenstedt darf in Namibia-Allee umbenannt werden. Das hat das Verwaltungsgericht in Hannover am Donnerstag entschieden. Rund 200 Anwohner hatten sich mit Unterschriften gegen eine Umbenennung ausgesprochen.

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Die Stadt muss den umstrittenen Generalsnamen nicht mehr auf dem Badenstedter Straßenschild dulden.

Quelle: Michael Thomas

Das hannoversche Verwaltungsgericht hat am Donnerstag im Streit um die Lettow-Vorbeck-Allee ein Urteil gefällt, das bei Hunderten Badenstedtern gar nicht gut ankommen wird – und wohl auch nicht bei Anhängern des als erfolgreich geltenden Afrika-Feldherrn und Namengebers. Es erlaubt der Stadt, den seit 1937 gültigen Straßennamen gegen Namibia-Allee auszutauschen, wie es Rat und Bezirksrat mit Mehrheit entschieden haben, allerdings gegen den ganz überwiegenden Willen der Anwohner. Vor Gericht gab es am Donnerstag lautstarke Unmutsbekundungen. Von „Willkür“ und „Ignoranz“ der Verwaltungen sprach der Kläger, Malermeister Andreas Langlott, nach der Verhandlung.

„Die Stadt hat kein Geld für Schlaglochreparaturen, in Badenstedter Schulen müssen die Eltern die Klassenzimmer selbst streichen – aber für das Umbenennen von Straßen ist Geld vorhanden“, ärgerte sich Kläger Langlott. Der umstrittene General Paul von Lettow-Vorbeck (1870–1964) interessiere ihn eigentlich gar nicht, sagt er: „Mich hat die Arroganz der Macht aufgeregt – dass in dieser Stadt so etwas einfach durchgezogen wird, ohne die Bürger zu fragen.“ Ähnlich hatte sich in der Verhandlung Anwohnerin Katrin Koch geäußert, die rund 200 Unterschriften gegen die Namensänderung gesammelt hatte und noch einmal forderte, dass an die Straßenschilder einfach Legenden mit Hinweisen auf die umstrittene Lebensleistung des Generals montiert werden sollen. Das hatte auch die CDU-Fraktion im Bezirksrat gefordert, aber keine Mehrheit gefunden.

Und genau darum ging es, wie der Vorsitzende Richter Werner Reccius klarstellte. Das Festlegen und Ändern von Straßennamen obliegt ausschließlich dem demokratisch gewählten Rat, der mit Mehrheit entscheiden darf. „Hätte er sich nicht selbst eine Richtlinie gegeben, an die er gebunden ist, dann wäre dieses Verfahren schnell zuende“, sagte Reccius. So aber hatte das Gericht zu prüfen, ob die Gräueltaten, die dem General posthum vorgeworfen werden, gegen den Wortlaut der kommunalen Richtlinie verstoßen oder nicht.

Klägeranwalt Siegfried Reszat argumentierte vergeblich, dass Lettow-Vorbeck auch nach 1945 ein international geachteter General gewesen sei und während der Afrika-Feldzüge „nichts anderes getan hatte als andere Soldaten auch“. Stadtverwaltung und Rat allerdings berufen sich auf ein Gutachten des emeritierten Uni-Historikers Prof. Helmut Bley, das ihm menschenverachtendes Verhalten etwa gegenüber zwangsrekrutierten afrikanischen Helfern nachwies. Auf die Vorhaltung von Anwalt Reszat, das Gutachten sei „tendenziös, unvollständig und falsch“, konnte Richter Reccius Textstellen auch anderer Autoren zitieren, die die Position Bleys stützten.

Zwar deutete der Richter an, dass das Verfahren durchaus Anlass zu Kritik geben könne. Da die inhaltliche Position Prof. Bleys offenkundig gewesen sei, sei auch der Ausgang des Gutachtens vorhersehbar gewesen. Inhaltlich aber ändere das nichts an der Tatsache, dass General Lettow-Vorbeck nach den Richtlinien der Stadt auf einem Straßenschild nichts verloren habe. Gegen das Urteil ist keine Berufung zugelassen, es ist aber noch nicht rechtskräftig.

Conrad von Meding

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