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Cinemaxx in der Nikolaistraße schließt Die letzte Vorstellung

Am Mittwochabend läuft noch ein letztes Mal der Film „Die Unfassbaren“, dann schließen sich die Tore des Cinemaxx in der Nikolaistraße. Für immer.

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Das war’s: In der Nikolaistraße wurde 1991 Deutschlands erstes Cinemaxx eröffnet. Was künftig mit dem Gebäude passiert, ist noch offen.

Quelle: Wilde

Hannover. Am Mittwochabend um 20.15 Uhr läuft der letzte Film im Cinemaxx in der Nikolaistraße. Die Mitarbeiter reißen zum letzten Mal die Kinokarten ab, die Zuschauer kaufen sich zum letzten Mal Popcorn, Eis und Cola. Wenn sich nach dem Film „Die Unfassbaren“ der Vorhang schließt, dann für immer. Es hat eine gewisse Ironie, dass der letzte Film ausgerechnet diesen Titel trägt. Denn für viele Mitarbeiter und Besucher ist die Schließung des Kinos ebenfalls „unfassbar“.

„Einige Angestellte waren seit mehr als 20 Jahren dabei. Manche sogar von Anfang an“, sagt Betriebsrätin Sonja Ruiz Alonso. Für die Mitarbeiter des Kinos sei die Nachricht ein Schock gewesen. Auch viele Besucher hätten es sehr bedauert, dass das Kino schließt. „Die Masse ist supertraurig“, sagt Alonso. Viele kamen seit ihrer Kindheit regelmäßig ins Cinemaxx in der Nikolaistraße – und erlebten dort popkulturelle Meilensteine wie das Dinoabenteuer „Jurassic Park“ (1993), das Liebesdrama „Titanic“ (1997), den Piratenspaß „Fluch der Karibik“ (2003), die Comicverfilmung „The Dark Knight“ (2008) oder zuletzt den Italowestern „Django Unchained“ (2013). In den vergangenen Wochen sind viele Kinobesucher mit nostalgischen Gefühlen nach Hause gegangen. Denn der Filmpalast in der Nikolaistraße war nicht nur Hannovers erstes Multiplexkino, sondern auch das erste Cinemaxx in Deutschland.

Amerikanische Verhältnisse in Hannover

Die Eröffnung im März 1991 war eine kleine Sensation. Hans-Joachim Flebbe, damals noch mit dem Aufbau seines Kino­imperiums beschäftigt, führte amerikanische Verhältnisse ein: Sein Cinemaxx in Hannover stattete er mit zehn riesigen Sälen aus. Große Leinwände und moderne Bild- und Tontechnik sollten den Kinogenuss zu einem unvergesslichen Erlebnis machen. Die Zuschauer konnten sich vor Filmbeginn im Foyer mit XXL-Popcorntüten, Bier und Cola versorgen. Das war damals neu und ungewohnt. Denn in Hannover dominierten zu dieser Zeit die Schachtelkinos.

Mit dem Filmspaß ist ab Donnerstag Schluss in der Nikolaistraße. „In dem Gebäude wird es kein Kino mehr geben“, sagte Flebbe am Dienstag. Wie die Immobilie künftig genutzt werde, sei ungewiss. „Wir befinden uns in der Phase der Projektentwicklung. Ergebnisse erwarten wir frühestens in ein paar Monaten“, sagt Flebbe.

Der Kinokönig, der sich 2008 von Cinemaxx getrennt hatte und seitdem mit innovativen Konzepten wie Edelkinos experimentiert, hatte 2012 das Gebäude an der Nikolaistraße gekauft. Den Mietvertrag mit Cinemaxx, der Ende August ausläuft, wollte Flebbe nur zu neuen Konditionen verlängern. Cinemaxx sollte künftig nicht mehr nach Umsatz zahlen, sondern einen Festpreis. Das jedoch lehnte Cinemaxx ab. Angeblich lagen die Vorstellungen über die Höhe der Miete weit auseinander.

Die rund 60 Mitarbeiter des Kinos stehen nun vor einer ungewissen Zukunft. Der Konzern hat den 39 unbefristet Beschäftigten zwar Stellen in anderen Städten wie Bielefeld und Göttingen in Aussicht gestellt. „Ein Umzug in eine andere Stadt kommt für die meisten aus familiären Gründen aber nicht infrage“, sagt Alonso. Ins Cinemaxx Raschplatz könnten die Beschäftigten nicht wechseln, da das Haus zu einer anderen Firmierung innerhalb der Konzerngruppe gehöre. „Dabei gab es immer einen regen Austausch zwischen beiden Häusern. Kollegen sind kurzfristig eingesprungen oder ganz dorthin gewechselt“, sagt sie. „Bei uns allen ist sehr viel Wut da. Die Menschlichkeit bleibt völlig auf der Strecke“, meint Mitarbeiterin Susanne Novorita-Plötz. Zwar bekommen die Angestellten Abfindungspakete. „Aber das ist weit unter dem, was wir uns vorgestellt haben“, sagt Volker Berner.

Am Donnerstag beginnen in dem Gebäude in der Nikolaistraße die Ausbauarbeiten. „Wir werden das gesamte Inventar ausbauen und nach Möglichkeit in anderen Kinos verwenden. Beispielsweise geht ein Großteil der Bestuhlung in unser Kino in Krefeld“, sagt Cinemaxx-Sprecherin Ingrid Breul. Filmfans und Nostalgiker können sich vom Inventar nichts nach Hause holen – sie müssen sich mit der Erinnerung an ihre Kinobesuche in der Nikolaistraße zufriedengeben.

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