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Aus der Stadt Asylbewerber tritt in Hungerstreik
Hannover Aus der Stadt Asylbewerber tritt in Hungerstreik
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00:15 20.12.2013
Seit Dienstagmittag um 12 Uhr ist Hussein Charara im Hungerstreik. Quelle: Droese
Hannover

„Ich werde hier so lange bleiben, nichts essen und keine Medikamente nehmen, bis ich die Möglichkeit bekomme, mein Leben nach meinen Vorstellungen zu gestalten“, sagt Charara, der an einer schweren Magen-Darm-Krankheit leidet. Seit mehr als drei Jahren lebt er in Hannover.

Sein erster Asylantrag vor einem Jahr wurde abgelehnt, der Folgeantrag wird derzeit von der Ausländerbehörde bearbeitet. Bis mindestens März 2014 wird der 34-Jährige in Deutschland geduldet, auch wegen seiner Krankheit. Er wurde von der Stadt in einer Gemeinschaftsunterkunft in der Hildesheimer Straße untergebracht.

Doch das reicht ihm nicht. Der Koch versucht, eine eigene Bleibe und einen Job zu finden – und bekommt dabei seiner Meinung nach immer wieder Steine in den Weg gelegt. „Wenn ich eine Arbeit annehmen will, muss ich mir das genehmigen lassen und bekomme immer eine Absage“, sagt er.

„Wie zahlreiche Flüchtlinge unterliegt Herr Charara mehreren Sondergesetzen, die Asylsuchende gesellschaftlich isolieren“, sagt Sigmar Walbrecht vom Flüchtlingsbeirat Niedersachsen. „Somit auch der sogenannten Vorrangsprüfung, durch die er einen Job nur bekommt, wenn kein bevorzugter Arbeitnehmer zur Verfügung steht.“ Auch die Stadt kann dem Flüchtling nicht helfen. „Wir sind an Bundesgesetze gebunden, die wir befolgen müssen“, sagt Sprecher Udo Möller.

„Wir brauchen eine dringende Änderung auf Bundesebene“, sagt Walbrecht. „Die Abschaffung des Asylbewerberleistungsgesetzes wäre ein notwendiger Schritt in die richtige Richtung.“ Vorerst aber will Hussein Charara in der Georgstraße sitzen bleiben.

Jörn Kießler

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