Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Ließen MHH-Ärzte Beweise für Fehler verschwinden?
Hannover Aus der Stadt Ließen MHH-Ärzte Beweise für Fehler verschwinden?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:23 11.12.2015
Klage gegen MHH: Bundesgerichtshof gibt Eltern recht. Quelle: Rainer Dröse
Anzeige
Hannover

Fast zehn Jahre nach dem Tod eines ungeborenen Kindes muss die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) den Eltern 65 000 Euro Schmerzensgeld bezahlen. Ärzte der Frauenklinik hatten bei einer Ultraschalluntersuchung im März 2006 nicht erkannt, dass sich die Nabelschnur, die das Baby mit Sauerstoff versorgt, zu einem Knäuel verknotet hatte. Zwei Wochen später kam der kleine Junge tot zur Welt, der damals 42 Jahre alten Mutter konnten die Ärzte nur mit einer Notoperation das Leben retten. Das Paar, beide Mediziner, klagte daraufhin gegen die MHH und musste bis vor den Bundesgerichtshof ziehen. Der Grund: Die beiden Ultraschallbilder, die das Nabelschnurknäuel zeigen, waren verschwunden.

„Sowohl bei unserer Klage vor dem Landgericht Hannover als auch vor dem Oberlandesgericht Celle behaupteten die beiden verantwortlichen Ärzte, es gebe diese Aufnahmen nicht“, sagt Rechtsanwalt Manfred Koch, der die Eltern vertritt. Da die Frau aber auch nach dem zweiten verlorenen Prozess weiter versicherte, die Bilder gesehen zu haben, stellte Koch im Januar 2014 einen Strafantrag wegen Urkundenunterdrückung und Prozessbetrug.

Bei einer Durchsuchung der MHH im Oktober 2014 fanden die IT-Experten der Polizei die beiden gelöschten Bilddateien auf einem Computer der Klinik. Da waren Manfred Koch und seine Mandanten bereits vor den Bundesgerichtshof gezogen. „Nach diesen neuen Ermittlungsergebnissen hat die MHH sofort die Forderung anerkannt und sich bei den Eltern schriftlich entschuldigt“, sagt MHH-Sprecher Stefan Zorn. Die Klinik habe keine Chance gehabt, die gelöschten Daten selbst zu finden. Das konnten nur Experten einer externen Softwarefirma, die von der Kripo kontaktiert wurden.

„Vor dem BGH hat die MHH dann auch die von meinen Mandanten geltenden Ansprüche sofort anerkannt“, sagt Koch. „Wir sind auf das Tiefste bestürzt, dass so etwas in unserem Haus passieren konnte“, sagt MHH-Vorstand Andreas Tecklenburg. Direkt nach Bekanntwerden der Ermittlungsergebnisse im Oktober 2014 erstattete die MHH wegen der mutmaßlichen Vertuschung Anzeige gegen unbekannt. Die Ermittlungen konnten aber nicht aufklären, wer die Bilder gelöscht hatte. Die Assistenz- und die Oberärztin, die die Bilder damals als nicht bedenklich einstuften und vor Gericht aussagten, es habe die Ultraschallaufnahmen nie gegeben, arbeiten nach HAZ-Informationen nicht mehr an der MHH .

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Hannover 96 hat am Dienstag Richtfest am neuen Nachwuchsleistungszentrum an der Clausewitzstraße gefeiert. Der Gebäudekomplex wird für rund 18 Millionen Euro auf und am Gelände des alten Eilenriedestadions hochgezogen.

Uwe Janssen 11.12.2015

Seit Dienstag muss sich der 41-jährige Kfz-Meister Bassam A. vor dem Schwurgericht Hannover wegen Totschlags verantworten. Er erschoss am 9. Juni einen 18-Jährigen, der gemeinsam mit drei Freunden in sein Haus und eine Autowerkstatt in Anderten einbrechen wollte.

Michael Zgoll 11.12.2015

Ein neues Buch zeigt Hannover von einer unbekannten Seite: Abgedruckt wurden bisher unveröffentlichte Bilder des HAZ-Fotografen Wilhelm Hauschild.

Conrad von Meding 08.12.2015
Anzeige