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Tanz mit jungen Migranten

Lindener Narren Tanz mit jungen Migranten

Da treffen Welten aufeinander: Ein gutes Dutzend junger Migranten besucht das Training der Lindener Narren, um den karnevalistischen Tanzsport kennen zu lernen - und um Brücken zwischen den Kulturen zu bauen.

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Lindener Narren führen Migranten karnevalistische Tänze vor

Quelle: Benne

Hannover. Die Hände sind in den Hüften, die Musik ist schmissig, das Lächeln sitzt. Der Gardetanz, der jetzt beginnt, ist eine akrobatische Choreografie, inklusive Radschlag, Beinwurf und Stehspagat. Die Tänzerinnen der Lindener Narren geben alles. Am Rand sitzt ein gutes Dutzend Jugendliche und schaut zu. Migranten mit türkischen Wurzeln, junge Flüchtlinge aus Afrika. "Wer hat schon mal was von Karneval gehört?", fragt Narren-Präsident Martin Argendorf die Besucher. Zweieinhalb Finger gehen nach oben. "Wir sind immer wieder bei Deutschen Meisterschaften dabei", sagt Argendorf. Er erzählt von modernen Schautänzen und vom klassischen Karnevalstanz. Die jungen Migranten applaudieren höflich, auch wenn einigen das deutsche Karnevalsbrauchtum so fremd sein muss wie dem Holsteiner Milchbauern die schwäbische Kehrwoche.

Es ist ein Experiment, das hier in der Ricklinger Narrhalla, dem Trainingszentrum der Narren, über die Bühne geht. Die jungen Migranten sind mit dem Verein "Gesellschaftliches Engagement von Migranten und Deutschen" (gEMiDe) hierher gekommen, der sich Integration auf die Fahnen geschrieben hat. "Sie können hier ein Stück deutsche Kultur kennenlernen", sagt gEMiDe-Leiterin Hülya Feise: "Es ist doch wichtig, sich auf Neues einzulassen." Tatsächlich sind Migranten in den Reihen der Narren nicht überrepräsentiert: "Viele von ihnen haben vom klassischen Karneval noch gar nichts mitbekommen", sagt Dinah Wicke vom Vorstand der Narren.

Den Kontakt zwischen den Jugendlichen und den Karnevalisten hat Yasmin Fahimi vermittelt. Die Staatssekretärin im Bundessozialministerin erlebte die Lindener Narren bei einer Sitzung im Februar - und war begeistert: "Die Jugendlichen können hier erleben, wieviel Spaß Karneval macht und dass es sich lohnt, in Vereinen mitzumachen", sagt sie.

Neugierig sind die Besucher. Sie wollen von den Tänzerinnen wissen, wie lange es dauert, so eine Choreografie einzustudieren und ob man hart für den Sport trainieren muss. Die Tänzerinnen erzählen von Turnieren und vom Teamgeist, den es dafür braucht. Dann laden sie die Gäste zu ein paar gemeinsamen Tanzschritten aufs Parkett. Einige Mädchen sind sind sofort dabei. Die Jungen sind tendenziell zurückhaltender.

"Bei uns gibt es keinen Karneval, ich sehe so etwas zum ersten Mal", sagt Mustafa, während die Tänzerinnen die Hände zum Himmel strecken. Der 19-Jährige ist vor 14 Monaten als Flüchtling aus dem Sudan nach Deutschland gekommen, er sieht lieber nur zu. Wie ihm der karnevalistische Tanzsport gefalle? "Sehr interessant, sehr gut, sehr schön", sagt Mustafa und blickt diplomatisch drein. Man braucht nicht viel Fantasie, um zu ahnen, wie verschieden die Welten sind, die hier aufeinander treffen.

Die 13-jährige Sumru hingegen mischt auf der Tanzfläche sofort begeistert mit: "Karneval kenne ich aus der Schule", sagt das Mädchen mit den türkischen Wurzeln in einer Tanzpause. "Ich könnte mir schon vorstellen, hier mitzumachen." Integration ist auch eine Frage der Bewegung. Manchmal im ganz physischen Sinne.

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