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Gedenkdemo endet friedlich

20. Todestag von Halim Dener Gedenkdemo endet friedlich

Etwa 750 Demonstranten haben am Sonnabend unter dem Namen „Kampagne Halim Dener“ in der Innenstadt an den 1994 getöteten Kurden Halim Dener erinnert. Bis auf Provokationen aus dem Schwarzen Block und einem zeitweiligen Verkehrschaos am Steintor verlief die Demonstration friedlich.

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Kurz nachdem die Demonstranten am Steintor eingetroffen waren, holten Mitglieder des Schwarzen Blocks etwa zwei Dutzend verbotene Flaggen der Kurdischen Arbeiterpartei PKK hervor.

Quelle: Michael Thomas

Hannover. Etwa 750 Menschen haben am Sonnabend mit einem größtenteils friedlichen Marsch durch die Innenstadt an die Tötung von Halim Dener vor 20 Jahren erinnert. Nur bei einer Zwischenkundgebung am Steintor nutzten etwa 200 Autonome die Gedenkveranstaltung für den kurdischen Flüchtling, um die Polizei mit verbotenen Flaggen der Untergrundorganisation PKK zu provozieren. Die Behörde leitete daraufhin fünf Strafverfahren wegen des Verstoßes gegen das Vereinsgesetz ein und ahndete zehn Ordnungswidrigkeiten. „Nach der Auswertung des Videomaterials, das bei der Demo aufgezeichnet wurde, wird es sicher noch weitere Anzeigen geben“, sagte eine Polizeisprecherin.

Schon im Vorfeld der Veranstaltung hatte sich die Einsatzleitung auf Provokationen dieser Art eingestellt. Bei den Demonstrationen, bei denen vor 20 Jahren mehr als 16 000 Menschen auf die Straßen gingen, war es in der Landeshauptstadt zu Ausschreitungen gekommen. Ein Polizist hatte am 30. Juni 1994 den 16 Jahre alten Halim Dener beim Plakatieren am Steintor erschossen. Ein Gericht sprach den Beamten jedoch frei. Man war der Überzeugung, dass sich der tödliche Schuss versehentlich gelöst hatte, als der Polizist den kurdischen Flüchtling festnehmen wollte.

Dem vor 20 Jahren in Hannover von der Polizei erschossenen 16 Jahre alten Kurden Halim Dener wird heute mit einer Demonstration gedacht.

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„Da wir in diesem Jahr mit deutlich mehr als den 1000 angemeldeten Teilnehmern rechneten, haben wir entsprechende Kapazitäten für die Kundgebung bereitgestellt“, sagte Polizeivizepräsident Thomas Rochell am Rande der Veranstaltung. Mit mehreren Hundertschaften, Einheiten der berittenen Polizei sowie einer am Steintor wartenden Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit der Bundespolizei zeigte die Behörde Präsenz. Die große Menge der Demonstranten erschien jedoch nicht. Ganz im Gegenteil: Die Veranstalter, die am Abend ihrerseits von 1500 Teilnehmer sprachen, verschoben sogar ihren Zeitplan, nachdem sich um 14 Uhr lediglich knapp 550 Personen auf dem Klagesmarkt eingefunden hatten. „Viele Teilnehmer, die nicht aus Hannover kommen, wurden von der Polizei bei Kontrollen aufgehalten“, sagte einer der Veranstalter.

Ein Polizist hatte am 30. Juni 1994 den 16 Jahre alten Halim Dener beim Plakatieren am Steintor erschossen. Ein Rückblick auf den Fall, der ganz Deutschland bewegete.

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Tatsächlich stellte die Polizei bereits vor der Veranstaltung die Identität von 43 Personen fest, beschlagnahmte zwei gefährliche Gegenstände sowie Schals und Hauben, mit denen sich die Demonstranten offenbar während der Kundgebung vermummen wollten. Als die etwa 200 Autonomen dies dennoch gegen 16.45 Uhr am Steintor taten und die Flaggen der kurdischen Untergrundorganisation PKK zeigten, verzichtete die Einsatzleitung darauf einzugreifen. Der sogenannte Schwarze Block ließ die verbotenen Symbole kurz darauf weder verschwinden. Der Zug setzte seinen Weg zum Klagesmarkt fort, wo sich die Demonstration gegen 17.45 Uhr auflöste.

Ein aufrührender Todesfall: Halim Dener

In der Nacht zum 30. Juni 1994, einem Freitag, entdecken zwei Zivilbeamte der Polizei mehrere Jugendliche, die auf dem Steintorplatz Plakate der Nationalen Befreiungsfront Kurdistans kleben, des politischen Arms der kurdischen Arbeiterpartei PKK. Beide sind seit einem halben Jahr als terroristische Organisationen eingestuft und verboten. Als die Beamten die Jugendlichen überprüfen wollen, flüchten diese. Ein 28-jähriger Polizist wirft den 16-jährigen Kurden Halim Dener, der aus seiner anatolischen Heimat geflohen ist und unter falschem Namen in Neustadt lebt, zu Boden.

Darüber, was dann passiert, gibt es unterschiedliche Auffassungen. Der Polizist sagt, im Handgemenge habe sich versehentlich ein Schuss gelöst, der Dener in den Rücken traf und ihn tödlich verletzte. Unter Kurden und Sympathisanten etwa aus der linken Szene hält sich eine andere Version. Der 16-Jährige sei mit Absicht erschossen worden. „Zumindest hat das politisch geschürte Klima von Hass gegen und Angst vor Kurden mittelbar den Tod des Jugendlichen verursacht“, sagt Holger Benz von der „Kampagne Halim Dener“.

jki/se

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