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Aus der Stadt Lisas Lektionen
Hannover Aus der Stadt Lisas Lektionen
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00:15 10.07.2013
Von Hans-Peter Wiechers
Vor dem Test ist HAZ-Autor Hans-Peter Wiechers ein bisschen nervös. Quelle: Rainer Surrey
Hannover

Die Tierärztin Dunia Thiesen-Moussa hat uns nach Linden bestellt. Auf einer Wiese hinter der Steigerthalstraße sollen wir die praktische Prüfung zum Sachkundenachweis ablegen. Zunächst nehmen wir die Prüfungsordnung zu Kenntnis. Das ist Vorschrift. Der eingesetzte Hund soll einen gesunden Eindruck erwecken, heißt es. Der Prüfling Lisa – eine siebenjährige Ridgeback-Hündin – ist schlank, gesund und etwas gelangweilt. Der menschliche Prüfling ist zwar nicht schlank, aber auch weitgehend gesund und etwas aufgeregter.

Die praktische Prüfung des Sachkundenachweises müssen alle Hundebesitzer ablegen, die sich nach dem 1. Juli ein Tier kaufen und nicht schon seit mindestens zwei Jahren ohne Zwischenfall einen Hund gehalten haben. Wir haben also einen gewaltigen Startvorteil: Wir kennen uns schon sieben Jahre. Trotzdem bringt die erste Aufgabe so ihre Probleme. Ich muss meinem Hund im Ohr prokeln, zwischen die Zähne fassen und die Krallen spreizen. Vermutlich soll damit eine ärztliche Behandlung simuliert werden.

Hunderegister Niedersachsen

Laut dem Niedersächsischen Gesetz über das Halten von Hunden müssen alle Hunde in einem zentralen Register angemeldet werden. Die Anmeldung ist gebührenpflichtig. Hier können Sie ein Halterkonto anlegen, um ihren Hund registrieren zu lassen.

Lisa hält das für ausgemachten Blödsinn. Ich knurre ein bisschen. Sie lässt die Prozedur über sich ergehen. Das Ohrprokeln gefällt ihr aber gar nicht. Sie macht ein entsprechendes Gesicht. „Der Hund ist unterwürfig. Es gefällt ihm nicht, aber er lässt es trotzdem über sich ergehen“, sagt die promovierte Tierärztin Thiesen-Moussa milde lächelnd. Ich sage: „Sie weiß eben, wer der Rudelführer ist.“

Es folgen vier Gehorsamsprüfungen, vor denen aber kein Hundebesitzer Angst haben muss. Sitz! Platz! Bleib! Und einmal „Hierher!“ Das ist Hundeschule, erste und zweite Klasse. Wir erledigen das ziemlich lässig.

Thiesen-Moussa ist zufrieden und vermerkt ein „Bestanden“ auf ihrem Prüfungsbogen. Sie ergänzt: „Die weitere Prüfung wird den Charakter eines Spazierganges im Grünen und eines Stadtbummels haben.“ Getestet wird, ob der Hund ordentlich an der Leine geht und auf allerlei Begegnungen besonnen reagiert.

Wir spazieren los. Ein Jogger kommt uns entgegen. Lisa würdigt ihn keines Blickes. Lobenswert. Dann treffen wir eine Rentnerin mit einem Mischling. „Ihr Hund darf jetzt keinen Schnüffelkontakt aufnehmen“, warnt die Prüferin. Ich bin skeptisch. Der Mischling sieht aus wie Herr Nolte, der Hund unserer Nachbarin, den Lisa immer mit großem Getue und einigen tapsigen Freudensprüngen begrüßt. Aber wir sind hier in Linden, wo die Hunde anders riechen. Die Rentnerin zerrt an der Leine. Der Mischling bleibt ruhig, Lisa auch. Wir bummeln lässig vorbei.

Ich könnte jetzt sagen, dass durch die Gegend bummeln und auf Bänken abhängen unsere Lieblingsbeschäftigung ist. Die Hündin und ich sind Weltmeister im Chillen, wie man heute sagt. Uns bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Die Prüferin scheint das zu ahnen. Sie drückt ein bisschen auf die Tube: „Wir gehen jetzt zur Limmerstraße.“ Hier, im Trubel des Lindener Geschäftslebens, muss jeder Hund beweisen, dass er sich von keiner Überraschung aus der Ruhe bringen lässt.

Wir schlängeln uns über die Straße, warten gelassen vor Ampeln und an Straßenrändern, aber dann kommt unverhofft der Härtefall, die geballte Versuchung: Eine Mutter schiebt ihren Kinderwagen in unsere Richtung. Ihr Kind wedelt mit einer Rosinenschnecke. Meine Hündin liebt Kinder, sie dürfen sie am Schwanz oder Ohr ziehen. Aber meine Hündin liebt auch Rosinenschnecken. Lisa schnüffelt, die Ohren richten sich auf zu einem Dreick, die große Nase kräuselt sich, das Kind hält die Schnecke wie eine Fahne hoch, ich knurre Richtung Hund: „Wage es nicht.“ Die Versuchung im Kinderwagen fährt vorbei. Nichts passiert.

„Wir kommen zur letzten Aufgabe“, sagt die Prüferin. Ich muss eine fremde Person per Handschlag begrüßen. Mein Hund darf keinerlei Begrüßungsregung zeigen. Anspringen hieße „Durchgefallen“. Aber mit Karacho. Die Prüferin hat eine Freundin mitgebracht. Sie soll die fremde Person spielen und ist im neunten Monat schwanger. Anspringen wäre wirklich der GAU. Ich gebe der Fremden die Hand. Mein Hund schaut der Rosinenschnecke hinterher, die langsam Richtung Ihme-Zentrum entschwindet.

Irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass Lisa gar nicht so richtig realisiert hat, dass wir gerade eine Prüfung absolviert haben. „Von ihrem Hund“, sagt Dr. Thiesen-Moussa von der Hundeschule Kleintierverhalten, „geht keine Gefahr, Belästigung, Behinderung oder Gefährdung aus.“ Was so viel heißt wie: „Praktische Prüfung zum Sachkundenachweis bestanden“.

Im Ernstfall müssten wir jetzt noch eine theoretische Prüfung hinter uns bringen. Sie umfasst 35 Fragen aus fünf Themengebieten, die innerhalb von 45 Minuten beantwortet werden müssen. Beispielfragen hat das niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbrauchschutz auf seiner Homepage (www.ml.niedersachsen.de) veröffentlicht.

Ich verrate hier jetzt schon mal ein Geheimnis: Wer bei der Frage „Was ist im Sommer bei hohen Temperaturen zu beachten?“ die Antwort „Hunde mit kurzem Fell müssen grundsätzlich mit Sonnenmilch eingerieben werden, um Verbrennungen zu vermeiden“ ankreuzt, hat einen Fehler gemacht.

Fragen und Antworten zum neuen Hundegesetz

Niedersachsen nimmt die Hundebesitzer im Land an die kurze Leine: Sie müssen ihre Vierbeiner in einem zentralen Register anmelden und ihre Tauglichkeit als Herrchen oder Frauchen prüfen lassen. Die ab Juli geltenden neuen Regelungen bewerten manche Experten als wegweisend, andere sehen noch verschiedene Schwächen.

Klar ist: Das Leben als Hundehalter ist seit dem 1. Juli komplizierter geworden. Wer sich ein Tier anschaffen will, muss eine Prüfung ablegen, außerdem sollen alle rund 400  000 Hunde in einem zentralen Register erfasst werden. Das im Jahr 2011 vom Landtag beschlossene Regelwerk soll für mehr Sicherheit sorgen und verhindern, dass die Tiere im Besitz von unzuverlässigen Besitzern zu gefährlichen Waffen werden.
Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zu den neuen Regeln:

Wie melde ich meinen Hund beim zentralen Register an?
Die Anmeldung ist online, telefonisch oder schriftlich möglich und muss spätestens erfolgen, wenn der Vierbeiner sechs Monate alt ist. Dabei werden die Chipnummer des Tieres sowie Name und Adresse des Besitzers registriert. Es fallen Gebühren zwischen 14,50 und 23,50 Euro plus Mehrwertsteuer an. Eine Befreiung von den Gebühren ist nicht möglich. Die Nichtanmeldung sei eine Ordnungswidrigkeit und könne mit einer Geldbuße bis zu 10 000 Euro geahndet werden, heißt es auf der Internetseite des Hunderegisters Niedersachsen. Viele Halter kritisieren indes, dass weder Kommune noch Landkreis oder Land sie bisher über die Anmeldepflicht informiert haben.

Müssen alle Hundebesitzer den Sachkundenachweis vorweisen?
Wer in den vergangenen zehn Jahren mindestens zwei Jahre lang ununterbrochen einen Hund gehalten hat, muss keine Prüfung ablegen. Auch bisherige Hundeführerscheine – etwa vom Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) – werden anerkannt. Neuhalter sind verpflichtet, vor der Anschaffung des Tieres die Theorie zu absolvieren: einen Multiple-Choice-Test mit 35 Fragen. Der Praxisteil folgt im ersten Jahr als Hundebesitzer. Die Prüfer sind bei privaten Hundeschulen, Hundesportvereinen oder Tierarztpraxen angesiedelt. Die Kosten liegen laut VDH zwischen 75 und 160 Euro für beide Prüfungen.

Welche Verpflichtungen sind außerdem mit dem vor zwei Jahren verabschiedeten Gesetz verbunden?
Bereits seit 2011 müssen Hunde mit einem Chip gekennzeichnet und Haftpflichtversicherungen für die Tiere abgeschlossen werden. Damit wird sichergestellt, dass ein Tier identifiziert werden kann und zum Beispiel Opfer einer Beißattacke nicht auf den Kosten sitzenbleiben. Die Anmeldung bei der Gemeinde für die Hundesteuer ist weiterhin notwendig. Das zentrale Hunderegister ersetzt auch nicht Suchregister wie Tasso, mit deren Hilfe nach vermissten Tieren gesucht werden kann.

Mehr Bürokratie, mehr Kosten – gibt es auch Kritik am neuen Hundegesetz?
Die Vorgaben stoßen bei einigen Hundehaltern auf Ablehnung. So sammelte Sabine Grahneis im Internet mehr als 5000 Unterschriften gegen das Gesetz. Lob gibt es dagegen von Verbänden und aus der Wissenschaft. „Vom Grundgedanken her ist es sehr vernünftig, denn es fasst das Problem da an, wo es sitzt: am oberen Ende der Leine“, sagt VDH-Landeschef Jochen Rissmann. Hansjoachim Hackbarth, Professor an der Tierärztlichen Hochschule, betont: „Niedersachsen ist Vorreiter mit diesem Gesetz.“ Die Gefährlichkeit eines Hundes hänge primär vom Halter ab – dies sei der richtige Ansatzpunkt. Hundetrainer aber verweisen darauf, dass Hundehalter theoretisch nicht mit ihrem eigenen Hund zur Prüfung erscheinen können, sondern mit einem wohlerzogenen, geliehenen. So könnten problematische Tiere nicht erkannt werden.

dpa/lok

Das muss man 
für den 
Theorieteil wissen

Hier einige Auszüge aus der theoretischen Prüfung (Auflösung unten):
 

1. Was ist im Sommer, besonders bei hohen Temperaturen, zu beachten?

a) Schönes, warmes Wetter sollte zu Tageswanderungen genutzt werden.
b) Für kurzhaarige Hunde ist nichts zu beachten, langhaarige Hunde sollten im Hochsommer maximal drei Stunden täglich spazieren geführt werden.
c) Hunde mit kurzem Fell müssen grundsätzlich mit Sonnenmilch eingerieben werden, um Verbrennungen zu vermeiden.
d) Hunde sollten im Hochsommer nicht in parkenden Autos zurückgelassen werden.

2. Was ist bei der Fütterung meines Hundes zu beachten?

a) Empfehlenswert ist der Einsatz von altersgerechten Fertigfuttermitteln.
b) Der Hund sollte immer aus seinem eigenen Napf gefüttert werden.
c) Besonders junge Hunde größerer Rassen sollten sich jederzeit satt fressen können.
d) Hunde sollten überwiegend mit Frischfleisch ernährt werden.

3. Welche Bedürfnisse des Hundes müssen bei tiergerechter Haltung täglich ausreichend erfüllt werden?

a) Der Hund muss ausreichend, das heißt mehrere Stunden täglich, geistig und körperlich gefordert werden.
b) Der Hund muss jeden Tag mindestens zweimal zwei bis drei Stunden spazieren gehen.
c) Der Hund muss täglich mindestens zwei Mahlzeiten erhalten.
d) Der Hund sollte vorwiegend in einer Zwingeranlage mit gut isoliertem Boden gehalten werden.

4. Sie wollen eine Fahrradtour mit Ihrem Hund machen. Welche Maßnahmen empfehlen sich?

a) Die Leine sollte möglichst lang gelassen werden, damit der Hund einen großen Radius ablaufen kann.
b) Der Hund sollte spezielle Laufschuhe tragen, damit er sich nicht wund läuft.
c) Die Hundeleine sollte am Lenker befestigt werden, damit ein schneller Zugriff im Notfall möglich ist.
d) Der Hund sollte dazu entsprechend trainiert sein und die nötige Kondition haben.

Auflösung

1.: d; 2.: a; 3.: a; 4.: d

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