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Aus der Stadt Lohnt sich der Wohnungskauf trotz hoher Preise?
Hannover Aus der Stadt Lohnt sich der Wohnungskauf trotz hoher Preise?
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19:50 19.11.2017
Von Conrad von Meding
Gute Lage, gute Kapitalanlage: In Gründerzeitstadtteilen wie hier in der Südstadt lassen sich Wohnungen auch langfristig gut vermieten. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Das eigene Haus, die eigene Wohnung, vielleicht noch ein bis zwei Eigentumswohnungen oder ein Mehrfamilienhaus als langfristigen Zinsbringer - das galt jahrzehntelang als sichere Anlageform. Lohtn sich der Kauf noch immer? 

Ja, sagen alle Fachleute - wenn die Bedingungen stimmen. Man muss eben etwas genauer kalkulieren als vor einigen Jahren, als die Preise und damit das Risiko geringer waren. Im Grundsatz aber gilt: „Hannover bleibt ein nachgefragter Standort für Mieter und Käufer. Wir gehen auch in den kommenden Jahren von einer steigenden Nachfrage aus, da Hannover auch zukünftig von einem qualitativen Zuzug profitieren wird“, sagt Sabrina Oehlrich, Leiterin des Immobilien-Beratungscenters der Sparkasse Hannover. Und Sascha Brandes, Chef des hannoverschen Maklerhauses Engel & Völkers, sagt: „Es wird auch in den kommenden Jahren Mietsteigerungen geben.“ Damit sei die Immobilie weiterhin eine sichere Anlage.

Zwei Gründe für den Preisanstieg

Um 44 Prozent haben die Immobilienpreise regionsweit von 2012 bis 2016 angezogen, das hat eine aktuelle Studie der Postbank ergeben. In einigen Segmenten des Wohnungsmarkts war der Anstieg sogar noch größer. Der Preisanstieg hat vor allem zwei Gründe:

Wohnungen werden knapp: In den vergangenen Jahren ist die Bevölkerungszahl regionsweit um durchschnittlich 7000 Menschen gewachsen. Der Wohnungsbau aber war bis 2013 quasi zum Erliegen gekommen. Entsprechend fehlen Tausende Wohnungen, die Leerstandsquote ist auf ein Allzeittief gesunken, bei Besichtigungen bilden sich lange Schlangen. Zudem wächst der Quadratmeterbedarf pro Person - auch, weil es immer mehr Singlehaushalte gibt.

Anleger fragen stärker nach: Weil es auf Erspartes kaum noch Zinsen gibt, entdecken immer mehr Anleger den Immobilienmarkt für sich, die sonst in Geldanlagen investiert haben. Das Schlagwort vom „Betongold“ ist in der Immobilienbranche mittlerweile fast zum Schimpfwort geworden, weil die Nachfrage die Preise in die Höhe treibt. Das wiederum lässt die Mieten steigen, was noch mehr renditeinteressierte Anleger auf den Plan ruft.

Wer sich vor 15 Jahren eine gebrauchte Eigentumswohnung als Kapitalanlage zum Vermieten kaufen wollte, konnte in ordentlichen Lagen für unter 1000 Euro pro Quadratmeter fündig werden, bei Neubauwohnungen waren es eher 1800 Euro. Diese Preise haben sich inzwischen etwa verdoppelt - bei Neubauten sind auch 4000 Euro oder mehr keine Seltenheit mehr, und oft sprengen auch gefragte Altbauwohnungen die Grenze von 3000 Euro pro Quadratmeter.

Dass die Immobilie trotzdem noch als gute Kapitalanlage gilt, liegt daran, dass auch die Mieten gestiegen sind, wenn auch nicht ganz so stark.

Deshalb muss der Immobilienanleger jetzt noch genauer rechnen. „Privatkunden müssen abwägen, ob ihre Finanzierung durch die Mieten gesichert ist. Wenn ja, dann ist eine langfristige Finanzierung wegen der Niedrigzinsphase besonders zu empfehlen“, sagt Engel-&-Völkers-Mann Brandes. Sparkassen-Immobilienexpertin Oehlrich sagt: „Der Vergleich mit anderen Regionen zeigt: Wir haben hier keine Immobilienblase. Deshalb lohnen sich Anlagen in Immobilien nach wie vor.“

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Die gestiegenen Preise haben derweil auch Vorteile - für die Verkäuferseite. „Wer jetzt ein Mehrfamilienhaus oder eine Wohnung in gefragter Lage zu verkaufen hat, der kann Höchstpreise erzielen“, sagt Brandes. Wie lange der Boom anhält, weiß niemand. In der Postbank-Studie heißt es, man gehe davon aus, dass sich die Preise in der Region langfristig stabilisieren würden. Weil die Bevölkerungszahl bis 2030 um etwa 0,1 Prozent sinken soll, könnte es sogar einen minimalen Preisrückgang geben: inflationsbereinigt um 0,19 Prozent.

Die Preise am Immobilienmarkt hängen aber auch davon ab, wie sehr der Neubau vorankommt. Die Region hat von Gutachtern errechnen lassen, dass bis zum Jahr 2025 noch 183 000 neue Wohnungen gebaut werden müssen, um trotz Bevölkerungswachstums überhaupt nur den Status quo am Wohnungsmarkt zu halten. Wolle man den derzeitigen Wohnungsmangel auch noch beheben und den Markt entspannen, dann müssten weitere 10 000 Wohnungen gebaut werden.

Das aber ist schwer vorstellbar. Für Immobilienanleger heißt das: Die Nachfrage wird hoch bleiben. Wer investiert und zuvor solide rechnet, braucht sich kaum vor sinkenden Mieten und damit riskanten Finanzierungen zu fürchten.

Das ist der Immobilien-Atlas auf HAZ.de

Auf HAZ.de ist seit dem Herbst ein neuer Service interaktiv nutzbar: Der Immobilien-Atlas ist ein kostenloses Tool zur Einschätzung der Wohnlagenqualität. Dort können Nutzer die hochauflösende Karte bis auf den eigenen Straßenzug heranzoomen und die Einschätzung des Instituts für innovatives Bauen (iib) zum eigenen Wohnquartier aufrufen. Die Angaben sind aus Datenschutzgründen nicht häusergenau, sondern jeweils für die Wohnquartiere zwischen Straßen gemittelt. So aber erhält man eine ziemlich präzise Einschätzung darüber, ob sich die eigene Immobilie oder die gesuchte Mietwohnung eher in einer gehobenen Wohnlage oder in einer nicht so gefragten Lage befindet. Es gilt das umgekehrte-Schulnoten-Prinzip: Note 1 ist eine eher mäßige Lage, Note 5 eine Spitzenlage.

Hier geht's zum Immobilien-Atlas

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