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H1 feiert 20-jähriges Bestehen

Lokalsender H1 feiert 20-jähriges Bestehen

Der Lokalsender h1 blickt auf stolze 20 Jahre kreativ-chaotisches Bürgerfernsehen zurück. Die beliebteste Sendung neben dem Lokalnachrichtenmagazin "0511", die hannoversche Sportschau "Steilpass-TV", ist seit Sendebeginn dabei.

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Quelle: Samantha Franson

Hannover. Einer der ersten Slogans war „Fernsehen zum Selbermachen“. Und so sah das dann auch aus. Sendungen aus schlecht beleuchteten Kneipen, strauchelnde Moderatoren, zusammengebastelte Kulissen, Kameraschwenks zum Schwindeligwerden, unübersetzte Beiträge in nicht geläufigen Sprachen. Alles das also, was im „normalen“ Fernsehen undenkbar war.

Doch das hier war das andere Fernsehen, das Bürgerfernsehen, das Fernsehen zum Selbermachen für alle, ermöglicht 1984 durch die Einführung des Dualen Rundfunksystems in Deutschland. Bis der Offene Kanal Hannover - wie auch der Bürgersender Radio Flora - tatsächlich in einem Studio am Georgs­platz an den Start ging, sollte es noch mehr als ein Jahrzehnt dauern. Im Herbst 1996 war es soweit, als Modellprojekt für fünf Jahre, initiiert durch einen Verein um den Pastor Jan Dieckmann, grundfinanziert mit 200 000 Euro von der Landesmedienanstalt.

Lange, bevor es Youtube gab

Heute heißt der Offene Kanal h1, ist vor Kurzem ein paar Hundert Meter weiter in die Landschaftsstraße gezogen und feiert Freitagabend mit einem Empfang gleichzeitig den Umzug und - etwas verspätet - 20 Jahre Bürgerfernsehen in Hannover. Geschäftsführer Peter Maurer-Ebeling, der die Gäste begrüßen wird, kennt sich auch in den Anfängen gut aus: Der Pädagoge war von der ersten Stunde an dabei - seinerzeit erst einmal allein. „Da gab es eine ABM-Kraft, dann waren wir irgendwann zwei, drei, vier - und dann lief das erstmal mit Praktikanten und engagierten Bürgern.“

Der Zulauf war groß, Fernsehenmachen faszinierend, YouTube weit entfernt, selbst das allgegenwärtige Internet noch Zukunftsmusik. Elektronische Medien waren Radio und Fernsehen, an beidem konnte man nun seine eigene Medienkompetenz mal von der anderen Seite erweitern. Eine Demokratisierung des Fernsehens - so war diese „dritte Säule“ neben Öffentlich-rechtlichen und dem Privatfernsehen gedacht. „Im Prinzip war hier von morgens bis abends Halligalli“, sagt Maurer-Ebeling, „irgendwas war immer kaputt, das Geld reichte eigentlich nie.“ Jan Dieckmann erinnert sich, dass im Studio auch schon mal „mit Styroporsteinen geworfen“ wurde. Aber es sei auch ein hochkreatives Sprungbrett gewesen, zum Beispiel für NDR-Moderatorin Julia Westlake - oder auch für ihn selbst. Dieckmann, der die Talkshow „Nahaufnahme“ moderierte, wurde NDR-„Fernsehpastor“.

Info

Anstoßen: Am Freitag, 24. März, um 18 Uhr lädt h1 Interessierte und Wegbegleiter zur kleinen Feier an die Landschaftsstraße 7.

Das entscheidende Kriterium ist bis heute die sogenannte Zugangsoffenheit. Jeder darf mitmachen - wenn er nicht gegen geltendes Recht verstößt. Letzteres war manchmal gar nicht so einfach zu bewerten. Es gab von Anfang muttersprachliche Sendungen in verschiedenen Sprachen, deren Inhalte schwer zu überprüfen waren. „Das Problem war, dass wir keinen Kontakt zu den Leuten hatten, die bei uns sendeten“, sagt der Geschäftsführer. Deshalb strahlte h1 irgendwann nur noch Beiträge aus, die in Hannover oder direkt im Sender produziert worden waren. „Ernsthafte Probleme hatten wir seitdem nur noch wenige - und wenn, war es eher versteckte Werbung.“

"Jeden Tag eine Wundertüte zu senden, das funktioniert nicht mehr"

Die „Speakers Corner“ von einst, bei der jeder mal was ausprobieren oder seinen Urlaubsfilm zeigen wollte, ist der Offene Kanal schon lange nicht mehr. Nach Ablauf der ersten fünf Jahre durfte der Verein weitermachen, bekam aber einen Sendeauftrag und musste nun ein Programm gestalten - das „Einschaltfernsehen“ als kunterbunte, strukturlose Spielwiese gehörte der Vergangenheit an. „Jeden Tag eine Wundertüte senden, das funktionierte irgendwann nicht mehr“, sagt Jan Dieckmann heute. Die Folge: Eine Redaktion musste her - aber es gab kein Geld um die zu bezahlen. Doch es gab einen Weg: h1 wurde zum Ausbildungsbetrieb. Zehn Azubis, Mediengestalter und Kaufleute für audivisuelle Medien, stehen derzeit in Lohn und Brot, finanziert von der Stadt. Dazu kommen fünf Teilzeitkräfte und zwei Praktikanten.

Auch deshalb sieht Geschäftsführer Maurer-Ebeling trotz der erdrückenden Internetkonkurrenz gar nicht so pessimistisch in die Zukunft. „Die Ausbildung ist ein zweites Standbein geworden“, sagt der 58-Jährige. Das andere Bein gibt es über Kabel und mittlerweile auch übers Internet zu sehen. Rund 6000 Leute etwa schalten den Sender täglich ein, der Durchschnitts-Gucker ist Mitte 50. Beliebteste Sendung ist neben dem Lokalnachrichtenmagazin „0511“ die hannoversche Sportschau „Steilpass-TV“. Das hat sich deren Macher Holger Wehling auch redlich verdient: Seine Sendung ist die einzige, die von Anfang dabei ist.

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