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Aus der Stadt Lügenbaron auf der Marienburg
Hannover Aus der Stadt Lügenbaron auf der Marienburg
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20:33 13.05.2012
Von Heike Schmidt
Ein wunderbarer Geschichtenerzähler, der seine Zuschauer fesselt: Ben Becker spielt den Baron Münchhausen. Quelle: Wilde
Hannover

Die Besucher bekamen dennoch etwas davon mit - etwa wenn Becker für ein paar Minuten vor dem Schlosstür eine Zigarette rauchte.

Becker liebt diese Rolle. Überlegt hat er nicht lange, als sie ihm angeboten wurde: „Ich habe sofort Ja gesagt. Münchhausen! Der Ritt auf der Kanonenkugel. Großartig!“, schwärmt Becker. Zumal das Doku-Drama den Baron Münchhausen auch vielschichtiger zeigen will als bislang bekannt ist. „Münchhausen - Die Geschichte einer Lüge“ haben Produzentin Ira Beetz, Regisseur Kai Christiansen und Ulrike Dotzer vom NDR die Produktion genannt. „Wir zeigen auch, wie sich der Freiherr gegen diese Lüge, ein Lügenbaron zu sein, zur Wehr gesetzt hat“, erklärt Dotzer. Sicher, der Adelige habe wohl gerne vor Publikum geredet. Sicher habe er auch hin und wieder seine Geschichten ausgeschmückt.

Ben Becker spielt den Freiherrn von Münchhausen, den berühmten Lügenbaron aus dem Weserbergland. Am Sonnabend drehte ein Team des NDR auf der Marienburg hinter verschlossenen Türen.

Dass es aber überhaupt zu der Legende um den Lügenbaron kommen konnte, lag maßgeblich an einer Person: Rudolf Erich Raspe, der in der Dokumentation von Alexander Beyer gespielt wird. Raspe schrieb die Geschichten auf, schmückte sie aus und publizierte sie als die Geschichten des „Lügenbarons“. Fertig war einer der frühesten Streits um das Urheberrecht. Auf der Marienburg treffen die beiden Herren nun zusammen: Der Landadelige, der gerne erzählt, und der 1736 in Hannover geborene Sohn eines Bergbaubeamten mit schriftstellerischen Ambitionen, der mit seinen satirischen und damals durchaus politischen Münchhausen-Geschichten Öl ins Feuer zwischen Adel und erstarkendem Bürgertum goss.

Hinter den verschlossenen Türen der Burg geht es also hoch her. Ben Becker ist ein Erzähler, der begeistert. Er ist ein Haudegen, wenn er seine Geschichten erzählt. Er fasziniert. Er spielt, und er provoziert. Aber nur ein bisschen. „Ich habe schon viele Schlösser gesehen“, meint er. „Aber ist dies nicht das Schloss vom Pinkel-Prinz?“ Naja, die meisten Schlösser seien kalt und zugig. Da sei die Marienburg keine Ausnahme.

Aber viel wichtiger ist ihm die Geschichte. Die Story des Mannes, den seine Lügen einholen, die andere für sich nutzen und literarisch übersteigern. Und die ihn, fast am Ende seines Lebens, zu Fall zu bringen: 70-jährig heiratet Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen eine 20-Jährige. Als sich Bernhardine Brunsig von Brun nach ehelichen Zerwürfnissen von ihm scheiden lassen will, soll sie als Grund angegeben haben: Ihr Mann sei ein Lügenbaron.

Arte zeigt den Film im Weihnachtsprogramm 2012.

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