Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / -6 ° Sprühregen

Navigation:
Luftfahrtmuseum erinnert an Elly Beinhorn

Flugpionierin aus Hannover Luftfahrtmuseum erinnert an Elly Beinhorn

„Fliegerass und Powerfrau aus Hannover“: Das Luftfahrtmuseum in Laatzen erinnert mit einer Ausstellung an die Flugpionierin Elly Beinhorn, die noch heute als Ikone einer Zeit verstanden wird, die von Technikbegeisterung, Abenteuerlust und Weltbemächtigung geprägt war.  

Ulmer Str. 2, Laatzen 52.32225 9.79086
Google Map of 52.32225,9.79086
Ulmer Str. 2, Laatzen Mehr Infos
Nächster Artikel
Hehlerbande unterschlägt Tchibo-Retouren

Ein Star der Dreißigerjahre: Elly Beinhorn wurde schnell zum Fliegeridol.

Quelle: Rainer Dröse

Hannover. Loopings waren ihre Spezialität. Aber nicht jene, bei denen der Pilot die Maschine nach oben zieht, sodass er selbst in den Sitz gedrückt wird. „Elly Beinhorn stürzte ihr Flugzeug nach unten“, sagt Raoul Hille. Der Flughafen-Chef, selbst Gelegenheitskunstflieger, schaudert kurz: „Ich mache das ja nicht so gerne“, sagt er. „Vor Elly Beinhorn kann man nur den Hut ziehen.“

Die 1907 geborene Flugpionierin, aufgewachsen in der Georgstraße 6, wurde zur Ikone einer Zeit, die von Technikbegeisterung, Abenteuerlust und Weltbemächtigung geprägt war. Jetzt steht sie im Mittelpunkt der Ausstellung „Elly Beinhorn – Fliegerass und Powerfrau aus Hannover“, mit der das Luftfahrtmuseum in Laatzen ihr Leben nacherzählt.

Im Luftfahrtmuseum Laatzen wird mit einer Ausstellung der hannoverschen Pilotin Elly Beinhorn gedacht.

Zur Bildergalerie

Die junge Elly konnte ihre Eltern, die einen Hutmacherladen hatten, mit ihren spleenigen Ideen zur Weißglut bringen: Mit 16 wollte sie zum Zirkus, später Tierfängerin in Afrika werden. Ihre Schulausbildung auf dem Schiller-Lyceum brach sie kurz vorm Abitur ab. Als 21-Jährige hörte sie dann in der Stadthalle einen Vortrag des Atlantikfliegers Hermann Köhl. Prompt beschloss sie, selbst Fliegerin zu werden.

Beim Aero-Club in Hannover holte sie sich allerdings tags darauf eine Absage: „,Frauen sind im Cockpit nicht vorgesehen‘, beschied man ihr“, sagt der Luftfahrtenthusiast Gunter Hartung, der die Ausstellung mit organisiert hat. Elly Beinhorn ging also nach Berlin, um fliegen zu lernen – und ein Jahr später hatte sie ihren ersten Flugschein.

Ihr Vater Henry klagte unterdessen in Hannover einem Bekannten, dem Flugpionier Karl Jatho, sein Leid über das missratene Mädchen. „Wenn Ihre Tochter irgendwann im Wintermatsch stecken bleibt, wird sie schon aufgeben und ins normale Leben zurückfinden“, tröstete Jatho den Stammtischkameraden. Doch Elly Beinhorn hatte Erfolg.
„Nach wenigen Jahren gehörte sie zur fliegerischen Weltelite“, sagt Wilfried Crome vom Vorstand des Luftfahrtmuseums. In einem heute winzig anmutenden Flugzeug flog sie 1931 nach Afrika. Zu ihren Kunstflügen über Vahrenheide kamen Hunderte Hannoveraner. Sie umrundete die Welt und stellte einen Flugrekord nach dem anderen auf: Im Jahr 1936 flog sie von Damaskus über Kairo nach Berlin – und besuchte so drei Kontinente an einem Tag.

In Afrikas Sümpfen musste sie notlanden, und oft plagten sie Geldsorgen. Als fliegende Filmreporterin und mit Vorträgen finanzierte sie ihre jeweils nächsten waghalsigen Projekte. Mit ihrem Mann Bernd Rosemeyer bildete sie das Traumpaar der Dreißiger, bis der berühmte Rennfahrer 1938 tödlich verunglückte. Beinhorn setzte sich gegen alle Widrigkeiten in einer Männerdomäne durch: „Eine Persönlichkeit, die Mut und Stärke bewiesen hat“, sagte Hannovers Wirtschaftsdezernentin Sabine Tegtmeyer-Dette bei der Ausstellungseröffnung.

Das Luftfahrtmuseum zeigt in der Schau Dokumente und Fotos, die teils aus dem Besitz der Familie Rosemeyer stammen – unter anderem ist die junge Elly Beinhorn im Bikini zu sehen. Prunkstück der Schau ist eine Messerschmitt ME 108 Taifun, eine Leihgabe der Lufthansa-Berlin-Stiftung. „Elly Beinhorn flog selbst eine Maschine dieses Typs“, sagt Crome. Der einmotorige Kabineneindecker war nicht aus Holz und Tuch hergestellt, sondern aus Aluminium: „Eine geniale, wegweisende Konstruktion.“ Den Namen Taifun hatte Elly Beinhorn selbst erfunden.

In der NS-Zeit spannten die Nazis Beinhorn zur Reichsimagepflege ein. Nach einem Flug in die frühere Kolonie Deutsch-Südwestafrika berichtete die Fliegerin in einem Film begeistert, „dass deutscher Geist dort unten in Afrika weiterlebt“. In die Partei trat sie jedoch nie ein, obwohl die Nazis heftig um sie warben: „Sie hat sich nicht vereinnahmen lassen“, sagt Horst-Dieter Görg vom Arbeitskreis Technik- und Industriegeschichte, Ko-Autor eines demnächst erscheinenden Buches, in dem es unter anderem um die Pilotin gehen wird. Im Krieg hörte sie auf zu fliegen, erst Anfang der Fünfziger begann sie in der Schweiz wieder damit. Mit 72 Jahren ließ sie ihren Pilotenschein verfallen.

Auf ihrem Alleinflug um die Welt bekam Beinhorn 1932 ein Telegramm von Oberbürgermeister Arthur Menge. „Ich habe mich so gefreut, dass Hannover an mich denkt“, schrieb sie zurück. An dieser Ausstellung hätte Elly Beinhorn, die 2007 im Alter von 100 Jahren starb, also sicherlich ihre Freude gehabt.

Ausstellungstipp

Bis zum 30. März im Luftfahrtmuseum Laatzen, Ulmer Str. 2. Infos: (05 11) 8 79 17 91.     

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr Aus der Stadt
Es war einmal in Hannover. Aber wo?

Auf in eine neue Runde: Sie kennen sich in Hannover aus? Zeigen Sie es! Schauen Sie sich die historischen Stadtansichten an, und erraten Sie, wo die Aufnahmen gemacht wurden. Direkt hinter dem historischen Foto sehen Sie die Auflösung – in Form eines aktuellen Vergleichsbildes.

Bombenräumung in Marienwerder

Bei Bauarbeiten auf dem Gelände von Johnson Controls in Marienwerder ist am frühen Mittwochabend eine 250 Kilogramm schwere Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden worden.