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Lutherkirche lädt Gäste zum Vespern ein

Nordstädter Gemeinde Lutherkirche lädt Gäste zum Vespern ein

Es gibt Kinderaktionen, Musik und gutes Essen – mitten im Gotteshaus. Die Lutherkirche lädt derzeit allabendlich zur Vesper ein. Dabei sitzen Punks neben Schlipsträgern. Jetzt hat Landesbischof Ralf Meister das ungewöhnliche Projekt besucht.

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Vesperkirche in der Lutherkirche.

Quelle: Benne

Hannover. Weiße Tischtücher und gefaltete Servietten. Die Tafeln sind mit Efeu dekoriert, aus den Boxen perlt leise Musik. So eine Szenerie würde man hier ebenso wenig erwarten wie einen Barockaltar in der Dorfkneipe. "Ich bin hier, weil ich nicht gerne alleine esse", sagt die 77-jährige Ute Lemcke. Sie sitzt am Tisch in der Lutherkirche, ihr gegenüber hat Michael mit dem Irokesenschnitt Platz genommen: "Nachher gibt's Musik", sagt der 41-Jährige, ehe er sich einen Teller Suppe nachholt.  "Ich bleibe bis zum Schluss."

Das Projekt Vesperkirche ist in dieser Art in Norddeutschland bislang einzigartig: Noch bis zum Sonntag teilen Helfer in der Lutherkirche allabendlich Mahlzeiten aus. Man diniert hier zwischen Empore und Altar im durchaus stilvollen Rahmen. Rund 150 Ehrenamtliche helfen dabei mit. "Unser Ziel ist es, die Kirche für ganz unterschiedliche Menschen offen zu halten", sagt Pastor Joachim Wiedenroth. Tatsächlich sind allein in der vergangenen Woche rund 1500 Besucher gekommen, von Tag zu Tag mehr.

Im Kirchenschiff geben sie ein ziemlich buntes Bild ab. Politiker treffen hier auf Wohnungslose. Punks auf Schlipsträger. Alleinstehende sitzen zwischen Familien. Unter den Gästen sind auch Bedürftige, aber danach fragt hier niemand. „Viele sitzen hier zum ersten Mal seit langem wieder an einem für sie gedeckten Tisch“, sagt Verena Pape. Die frühere Kirchenvorsteherin hat bei diesem Abendmahl ganz eigener Art das Catering übernommen. Sie kann Geschichten erzählen wie die von der alten Dame, die sonst immer über "die Alkis" schimpft, und inzwischen abends einen Platz für einen von diesen freihält.

Weil der Mensch nicht vom Brot allein lebt, gibt es an jedem Abend auch eine geballte Ladung Unterhaltung: Um 16.30 Uhr beginnt ein Kinderprogramm mit Kletteraktionen oder Chorgesang, außerdem stehen unterhaltsame Vorträge über Gravitationswellen oder Altersvorsorge auf dem Programm. Und gewissermaßen zum Nachtisch gibt es abends Kabarett oder Musik. „Die Vesperkirche zeigt, wie ein gesellschaftliches Miteinander aussehen kann“, sagt Oberbürgermeister Stefan Schostok, ein Schirmherr des Projekts.

Auch Landesbischof Ralf Meister ist auf einen Teller Milchreis vorbeigekommen. In einer kurzen Ansprache erinnert er an ein Gebet, das er aus seiner Kindheit kennt: "Lieber Gott, wir danken dir, dass wir heute wieder satt werden." Er dankt den Helfern, die bei der Vesperkirche genau daran mitarbeiten: "Hier zeigt die Kirche, dass sie für die Menschen im Kiez da ist."

Im Programm steht ein Spruch von Dietrich Bonnhoeffer: „Die Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist“. So gesehen ist in der Lutherkirche heute ziemlich viel Kirche.

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