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Was ist dran an der "Maschsee-Connection"?

Lutz Hachmeister im Literarischen Salon Was ist dran an der "Maschsee-Connection"?

Buchautor Lutz Hachmeister räsoniert im Literarischen Salon am späten Freitagabend über Hannover als Machtzentrum und die Festivalisierung der Politik. Gesprächspartner Stefan Schostok, Oberbürgermeister von Hannover, hält das Gerede von der Maschsee-Connection für bloßen Medien-Hype.

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Ist Hannover das heimliche "Machtzentrum" der Republik? Buchautor Lutz Hachmeister (Mitte) diskutiert im Literarischen Salon mit Stefan Schostok (links).

Quelle: privat

Hannover. Der Augenblick ist gut gewählt, die Gegensätzen könnten nicht größer sein. Gerade als OB Schostok zu einem längeren Monolog anhebt und von der "Substanz" erzählt, die Hannover besitzt, von Volkswagen Nutzfahrzeuge und Gottfried Wilhelm Leibniz, da explodiert ein buntes Feuerwerk vor den Fenstern des Conti-Hochhauses. Die Aufmerksamkeit im Publikum wandert für einen Moment zum Fenster, die Zuhörer genießen den vergänglichen Glanz über der Stadt. Das Feuerwerk, abgeschossen vom Oktoberfest, passt eher zum schönen Schein des etwas unseriösen Hannover, das an diesem Abend im Literarischen Salon ebenfalls Thema ist.

Eingeladen in den 14. Stock des Conti-Hochauses ist der Dokumentarfilmer und Buchautor Lutz Hachmeister. Der 57-Jährige lehrt Mediengeschichte an der Universität Dortmund. Bekannt wurde der Journalist und Filmregisseur vor allem durch seinen Dokumentarfilm "Schleyer - eine deutsche Geschichte", die 2004 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde. Viele Jahre zuvor, von 1989 bis 1995, war Hachmeister selbst Direktor des Adolf-Grimme-Instituts. Im Salon stellt er sein neues Buch "Hannover. Ein deutsches Machtzentrum" vor, zu dem es auch einen 90-minütigen, etwa langatmigen Film gibt. Der beginnt bei der niedersächsischen Nachkriegsgeschichte und endet bei Carsten Maschmeyer.

Ähnlich verläuft der Abend im Hochhaus der Leibniz Universität. Das Gespräch zwischen Hachmeister und Schostok folgt zunächst der politischen Chronologie. Moderator Jens Meyer-Kovac will wissen, ob der Kampf gegen den ewig lächelnden Ministerpräsidenten Ernst Albrecht (CDU) für Schostoks Weg in die Politik prägend gewesen sei. "Mich hat Anfang der siebziger Jahre vielmehr Willy Brandt beeindruckt", sagt Schostok. Gut könne er sich noch an Treffen mit Brandt und Günther Grass in einem der ersten griechischen Restaurants in Hannover erinnern.

Es dauert etwa eine Stunde, bis die Diskussion zum Kern des Buches vordringt. Wie kommt es, dass ausgerechnet eine mittelmäßige Stadt wie Hannover mehrere bedeutsame Politiker hervorbringt? Und: Was ist dran an der Maschsee-Connection, dem Freundeskreis rund um den Finanzinvestor Carsten Maschmeyer?

Die Antwort auf die erste Frage ist schnell gefunden. Im niedersächsischen Landtag habe es viele Jahre harte Kämpfe um politische Mehrheiten gegeben - das stähle für die weitere Karriere, sagt Hachmeister. Schostok, vor seiner Zeit als OB Fraktionschef der SPD im Landtag, stimmt zu. "Die Debatten im niedersächsischen Landtag sind schonungslos", sagt er. Die Antwort auf die zweite Frage, Maschmeyers Kreise, ist schwieriger.

Hachmeister gibt sich seltsam zurückhaltend. Das mag daran liegen, dass einer aus dem Kreis, Anwalt Götz von Fromberg, direkt vor ihm in der ersten Reihe sitzt. In seinem Dokumentarfilm berichtet Hachmeister von Treffen im legendären Frombergschen Partykeller, von einer Freundschaft, die Maschmeyer zunächst mit Gerhard Schröder (SPD) verbindet, später mit Christian Wulff (CDU). "Der Begriff der Erbfreundschaft stammt aber nicht von mir", sagt Hachmeister.

Schostok hat zur Maschsee-Mafia, wie der Kreis auch genannt wird, eine klare Haltung. "Das ist ein Medien-Hype gewesen", sagt er. Letztlich hätten einige Medien, etwa die Frankfurter Allgemeine Zeitung, ein lächerliches und überladenes Bild von Hannover gezeichnet. "Hannover aber wird geprägt von Substanz, von der Messe, von der Autoindustrie, und ist Sitz der evangelischen Kirche", sagt der Oberbürgermeister. Und dann platzen die Feuerwerksraketen vor den Fenstern.

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