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Aus der Stadt MHH-Experte hat weder Studium noch Abitur
Hannover Aus der Stadt MHH-Experte hat weder Studium noch Abitur
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19:16 18.09.2016
Von Tobias Morchner
R. leitet derzeit die bislang größte Studie zur Kabinenluft. Quelle: Droese
Hannover

Wolfgang R. verfasste Gutachten für diverse Fluggesellschaften über mögliche Gefahren der Kabinenluft in Flugzeugen. Die MHH selbst führt ihn in ihren Forschungsberichten der vergangenen sieben Jahre als „Projektleiter“ auf und verwies immer wieder auf seine Berufungen in Fachgremien, unter anderem beim Verein Deutsche Ingenieure. Jetzt haben die Zeitung „Welt am Sonntag“ und das Magazin „Cicero“ herausgefunden, dass R. weder einen Universitätsabschluss, noch das Abitur vorweisen kann. Sein höchster Berufsabschluss sei eine Lehre als chemisch-technischer Assistent, teilte die MHH der Zeitung auf Anfrage mit.

Die Luft in Flugzeugkabinen und die von ihr möglicherweise verursachten Gesundheitsschäden beschäftigen die Forscher bereits seit geraumer Zeit. R. tritt dabei immer wieder als strenger Verfechter der These auf, es gebe keinerlei Anhaltspunkte für eine Gesundheitsgefährdung durch die Luft an Bord eines Flugzeugs - und wird deshalb regelmäßig von internationalen Airlines als Experte zitiert. Für die Lufthansa soll der MHH-Mitarbeiter sogar einen Messkoffer entwickelt haben, um die Qualität der Luft in den Kabinen zu messen. Dabei fanden sich keinerlei Schadstoffbelastungen.

Im Juni 2010 verkündete die MHH, R. sei von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) als Sachverständiger in die Arbeitsgruppe „Luftanalysen“ berufen worden. Nach Recherchen der „Welt am Sonntag“ ist auch diese Angabe nicht zutreffend. R. sei in dem Gremium lediglich Gast, teilte die DFG der Zeitung mit. Die Hochschule hat die Fehler inzwischen eingeräumt. Es sei in dem Fall „zu Fehlern in der Übermittlung von Daten gekommen“, zitiert die Zeitung MHH-Sprecher Stefan Zorn. R. sei weder akademischer Projektleiter, noch Wissenschaftler - sondern lediglich technischer Mitarbeiter der Verwaltung.

R. leitet derzeit die bislang größte Studie zur Kabinenluft. Der renommierte Auftrag wurde von der Europäischen Agentur für Flugsicherheit an die MHH vergeben. Erste Ergebnisse sind für den November angekündigt. Es bleibt abzuwarten, ob der Projektleiter der Untersuchung dann noch diese Zahlen präsentieren wird.

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