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Professor soll 60.000 Euro Schmerzensgeld zahlen

Behandlungsfehler Professor soll 60.000 Euro Schmerzensgeld zahlen

Eine Patientin, die an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) vier Implantate eingesetzt bekam, hat einen wahren Albtraum erlebt. Monatelang wurde sie von starken Schmerzen geplagt und musste mehrfach nachoperiert werden - mit bis heute völlig unbefriedigendem Ergebnis.

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Quelle: Symbolfoto

Hannover. Nun hat die 41-jährige Krankenschwester den verantwortlichen Arzt, einen am Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde tätigen Professor, auf 60.000 Euro Schmerzensgeld verklagt. Ihr Anwalt Marc Chérestal sagt, die Arbeit des renommierten Mediziners sei in Teilen rechtswidrig und unbrauchbar gewesen; der Professor sei eigenmächtig von abgesprochenen Therapiekonzepten abgewichen und habe grobe Behandlungsfehler begangen.

Nach sechs Operationen im Jahre 2011 kann die Langenhagenerin auf der linken Seite nicht mehr kauen, weil im Unterkiefer nur ein kosmetisches Provisorium sitzt. Sie leidet unter Kribbeln und Taubheitsgefühlen in den Lippen, hat gelegentlich immer noch Schmerzen, scheut aber aus Angst eine erneute OP.

Bei einer Verhandlung vor dem Landgericht Hannover wurde deutlich, dass die 14. Zivilkammer die Ansprüche der Krankenschwester prinzipiell für gerechtfertigt hält und die massive Kritik eines Sachverständigen an einigen Entscheidungen des Professors teilt. Allerdings signalisierte die Kammer, dass der Schmerzensgeldanspruch der Patientin nur bei 20 000 bis 25 000 Euro liegen dürfte - eine für fehlerhafte Zahnbehandlungen immer noch hohe Entschädigung. Auf der anderen Seite hat der Mediziner seinerseits gut 5000 Euro ausstehendes Honorar eingeklagt.

Als sich die Langenhagenerin Anfang 2011 bei der MHH anmeldete, war sie bereits ein gebranntes Kind: Vier Jahre zuvor hatte sie bei einem anderen Zahnarzt im rechten Unterkiefer bereits eine misslungene Implantation einschließlich Nervschädigung miterlebt. Deshalb wünschte sie, von einem Vollprofi mit viel Berufserfahrung behandelt zu werden. Beratend zur Seite stand der Krankenschwester ihr Mann, der als Leistungsprüfer einer Krankenkasse seit Jahren mit medizinischen Gutachten zu tun hat und eine gewisse Fachkunde besitzt.

Das Einsetzen eines Implantats im rechten Unterkiefer klappte gut - das Einpflanzen von drei künstlichen Zahnwurzeln im linken Unterkiefer aber wurde für Zahnklinik und Patientin zum Desaster. Bei der ersten Operation im Mai baute der Professor zusätzliches Knochenmaterial in der sogenannten Sandwich-Technik auf. Diese Technik, so führte der Sachverständige vor Gericht aus, sei bei komplikationslosem Verlauf die beste Methode des Knochenaufbaus - berge allerdings das Risiko eines „Totalverlusts“. Tatsächlich traten bei der Frau schon im Juni die ersten Probleme auf: Entzündungen, fistelartige Wucherungen und die Absonderung von Knochenstückchen.

Hinzu kam, dass der Patientin bei mehreren Behandlungsterminen entweder Mikroschrauben ohne Betäubung eingesetzt wurden oder die Narkose im entzündeten Kiefer nicht mehr half. „Schreien wie am Spieß“, „unvorstellbare Schmerzen“, „apathischer Schockzustand“ - solche Erinnerungen hat ihr Ehemann an fünf MHH-Operationen. Im September entfernte der Professor den misslungenen Knochenaufbau und setzte in den dünnen, infizierten Kieferknochen drei Implantate ein. Die Folge: Die Patientin litt unter einem Dauerdruck, die Unterlippe wurde taub - und zwei Wochen später brach der Unterkiefer, verbunden mit erneut heftigen Schmerzen. Nach Konsultation mehrerer anderer Ärzte wurden der Krankenschwester im Dezember 2011 von Ärzten der Uniklinik Göttingen alle drei Implantate entfernt.

Wie der Gutachter sagte, hätte die MHH das Knochentransplantat bereits im Juni komplett herausoperieren müssen; der freiliegende Knochen und die Entzündungen seien deutliche Zeichen gewesen, dass die Sandwich-Behandlung gescheitert war. Die weiteren Maßnahmen seien „hochrisikobehaftet“ und teilweise „völlig unverständlich“ gewesen. Der Sachverständige monierte insbesondere das Entfernen der Knochenreste, die Verlagerung eines Nervs und das gleichzeitige Setzen von drei Implantaten in der September-OP; zu allem Überfluss sei zuvor auch kein Röntgenbild erstellt worden. MHH-Professor und Gutachter lieferten sich im Gerichtssaal einen fachlichen Schlagabtausch, letztendlich aber urteilte der Vorsitzende Richter Markus Wessel: „Für uns sind die Ausführungen des Sachverständigen überzeugend.“

Das Gericht wird nun Anfang August offiziell verkünden, wie es die derzeitige Verhandlungslage einschätzt und wie hoch das Schmerzensgeld für die 41-Jährige ausfallen könnte. Dann haben die Parteien die Chance, sich aufgrund dieser Hinweise außergerichtlich zu einigen. Sollte dies scheitern, geht der Prozess weiter - voraussichtlich im Herbst.

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