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MHH kämpft mit neuem Zentrum gegen Krebs

Onkologisches Zentrum MHH kämpft mit neuem Zentrum gegen Krebs

Die Medizinische Hochschule Hannover, kurz MHH, eröffnet ein neues Onkologisches Zentrum. Dabei sollen Ärzte aus verschiedenen Bereichen vernetzter arbeiten können und der Kampf gegen Krebs noch erfolgreicher werden. Wie schwierig ein Eingriff gegen Krebs sein kann, zeigt der folgende Bericht über eine junge Krebspatientin.

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Mit Fingerspitzengefühl und Entschiedenheit: Professor Hillermanns mit Team bei der Operation.

Quelle: Von Ditfurth

Hannover. Da war irgendetwas, das nicht da sein sollte. Sie war beim Arzt, der sagte ihr, dass man die Sache mit einem kleinen Lasereingriff beheben könnte. Dann hat sie nicht weiter darauf geachtet. Zu lange vielleicht. Aus den kleinen, nicht vollständig entfernten Genitalwarzen wurde Gebärmutterhalskrebs.
Als sie in die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) kam, hatten sich die ehemaligen Warzen in eine Art Blumenkohl verwandelt. Krebsgewebe. Die Patientin ist jung, sie hofft, dass der Krebs besiegt wird, und sie hofft, dass er so besiegt werden kann, dass sie noch Kinder bekommen kann.

Das Ziel von Professor Peter Hillemanns, dem Ärztlichen Direktor der Frauenklinik der MHH, ist es, den Krebs zu entfernen, ohne dabei die Gebärmutter entfernen zu müssen. Das sei keine ganz alltägliche Operation, sagt er. So etwas komme nicht oft vor. Junge Frauen, die sich rechtzeitig impfen lassen, sind vor den humanen Papillomviren geschützt, die Gebärmutterhalskrebs auslösen können; bei älteren Frauen, die von Gebärmutterhalskrebs betroffen sind, entscheidet sich der Operateur meist für die Entfernung der Gebärmutter. Hier aber geht es darum, das Krebsgewebe am Gebärmutterhals zu entfernen und die Gebärmutter zu erhalten. „Das ist schon eine Herausforderung“, sagt Hillemanns – und lächelt. So strahlend, als hätte er sie bereits gemeistert.

Metall gegen Körper

Als Peter Hillemanns den OP-Saal im ersten Stock der Frauenklinik betritt, ist bereits alles vorbereitet. Die Anästhesistin hat die Patientin intubiert und an die Beatmungsmaschine angeschlossen. Alles, was für die OP gebraucht wird, liegt auf Tischen bereit: Löffel aller Art, Scheren, Sonden, Zangen, Küretten, Klemmen, Spekula. Was das OP-Besteck angeht, scheint sich in den letzten Jahrzehnten wenig geändert zu haben. Metall gegen Körpergewebe, darum geht’s bei einer Operation – immer noch. Schneiden, Schaben, Nähen, die Tätigkeiten des Chirurgen. Zwei OP-Lampen, beide so groß wie Regenschirme, erhellen das Operationsfeld.

Die Patientin ist fast ganz unter einem Tuch verschwunden. An der Seite sind zwei Finger zu sehen, auf einem steckt eine Klemme, mit der der Sauerstoffgehalt des Blutes gemessen wird.

Die Medizin hat heute viele Waffen gegen den Krebs. Eine davon ist immer noch das Skalpell. Eine andere ist die Strahlentherapie. Die wurde bei der Patientin bereits angewendet. Mit Erfolg: Der Tumor hat sich zurückgebildet. Jetzt geht es darum, den letzten Rest von Krebsgewebe zu entfernen.

Jedes Jahr erkranken in Deutschland etwa 500 000 Menschen neu an Krebs, etwa 224 000 Menschen pro Jahr sterben daran. Bei Frauen ist der Brustkrebs die häufigste Krebsart, bei Männern ist es der Prostatakrebs.
Der Kampf gegen den Krebs – das ist in vielen Fällen individuelles Schicksal, es ist aber auch der Alltag von Ärzten und Wissenschaftlern in Kliniken und Universitäten. Und wie bei jedem Kampf ist es wichtig, nicht planlos vorzugehen. Es gibt Leitlinien. Es gibt immer neue, immer bessere Verfahren. Und seit 2008 gibt es den Nationalen Krebsplan, der eine Art übergeordneter Schlachtplan im Kampf gegen den Krebs ist.

Ein neuer Schwerpunkt

Der Krebsplan sieht ein dreistufiges Modell der Krebsversorgung für Kliniken vor. Auf der ersten Stufe befinden sich die zertifizierten Organkrebszentren, auf der zweiten die Onkologischen Zentren, auf der dritten Stufe die zertifizierten Onkologischen Spitzenzentren, auch CCC genannt: Comprehensive Cancer Center. In solch einem Spitzenzentrum ist nicht nur die bestmögliche Versorgung der Patienten sichergestellt, hier wird auch an neuen Therapien gegen den Krebs geforscht.

Solche Ordnungen sind wichtig, sie sorgen für Qualität, für Vergleichbarkeit, und sie setzen Ziele, die es zu erreichen gilt. Die MHH in Hannover ist auf dem Weg zum Spitzenzentrum. Ein wichtiger Schritt dabei ist die Einrichtung des Claudia von Schilling Zentrums für Universitäre Krebsmedizin an der MHH. Bisher waren die Transplantationsmedizin, die Infektiologie und Immunologie sowie die Biomedizin Schwerpunkte der MHH, mit dem Onkologischen Zentrum kommt nun ein neuer Schwerpunkt hinzu.

Ein Onkologisches Zentrum ist auch ein Netzwerk, in dem Ärzte und Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen zusammenwirken: Radiologen, Nuklearmediziner, Pathologen, Psychologen, Internisten und Chirurgen.

Gefühl und Entschiedenheit

Der chirurgische Eingriff ist dabei nur ein Teil eines umfassenden Kampfs gegen den Krebs. Aber ein wichtiger. Fingerspitzengefühl ist hier wichtig und Entschiedenheit. Die Entscheidung, wie weit der Gebärmutterhals gekürzt werden muss, liegt bei Hillemanns. Zuvor hat er das Operationsgebiet so präpariert, dass er jetzt das Krebsgewebe entfernen kann. Sein Ziel: so wenig gesundes Gewebe herausschneiden wie möglich. Ein Endoskop liefert ihm Bilder des Gebärmutterhalses. Damit er und seine Kollegen das Monitorbild besser erkennen können, werden die Lampen gelöscht. Dämmerstimmung im OP, alle schauen auf den Monitor. Dann schneidet Hillemanns das verdächtige Gewebe heraus. Es kommt in eine blaue Schale. In der Pathologie wird es untersucht werden. Hillemanns vernäht den Gebärmutterhals. Der Faden, den er benutzt, ist blau und erstaunlich dick.

Eine Stunde hat die Operation gedauert. Der Chirurg ist zufrieden. „Wir haben den Tumor komplett im Gesunden entfernt“, sagt er. Er demonstriert mit den Händen an seinem eigenen Hals, wie viel vom Gebärmutterhals er entfernt hat. Auf seinem Kopf hat die Stirnlampe zwei rote Druckstellen zurückgelassen. Hat die Patientin jetzt den Kampf gegen den Krebs gewonnen? „Ja, mehr oder weniger“, sagt er. Und: Sie wird Kinder bekommen können. Sie wird sich auf eine Kaiserschnittgeburt einstellen müssen. Aber sie wird Kinder bekommen können.     

Stiftung für die Forschung

Kunst war ihre Leidenschaft. Claudia von Schilling, deren Mutter Luise in zweiter Ehe mit dem Zeitungsverleger Dr. Erich Madsack verheiratet war, war für die renommierten Auktionshäuser Wolfgang Ketterer und Villa Grisebach tätig. Die Kunst beschäftigte sie nicht nur beruflich, sondern auch privat. Sie sammelte Werke der klassischen Moderne. Diese Sammlung war Teil ihres Erbes – das sie der Krebsforschung widmete.

Claudia von Schilling war an Brustkrebs erkrankt. Als sie wusste, dass sie den Krebs nicht besiegen würde, entschied sie sich, eine Stiftung zu gründen: die Claudia von Schilling Foundation. Stiftungspräsident ist der Rechtsanwalt und Notar Dr. Wolfgang Dieckmann aus Hannover; er hat die Stiftung aufgebaut und von Anfang an geleitet.

Das wichtigste Ziel der Stiftung, die ihren Sitz in Zürich und Hannover hat, ist die Unterstützung der Krebsforschung – gerade auch an der MHH. Am 24. Oktober 2003 ist Claudia von Schilling in Hannover gestorben – betreut von Ärzten und dem Pflegeteam der Medizinischen Hochschule. Die nennt ihr neues Onkologisches Zentrum jetzt – in Anerkennung des Engagements der Stifterin – Claudia von Schilling Zentrum für Universitäre Krebsmedizin.

Die Stiftung fördert die Krebsforschung in vielfältiger Weise. Alljährlich vergibt sie den mit 20 000 Euro dotierten Claudia von Schilling Förderpreis an Wissenschaftler, die auf den Gebieten der Brustkrebsheilkunde und der Krebsgrundlagenforschung tätig sind. Zusätzlich vergibt sie einen mit 10 000 Euro dotierten Junior Award an junge Wissenschaftler. Sie veranstaltet Symposien, auf denen sich niedergelassene Ärzte mit neuen Erkenntnissen der Krebsforschung auseinandersetzen. Sie fördert verschiedene wissenschaftliche Projekte in der Brustkrebsforschung und unterstützt Kliniken in der Anschaffung neuer Geräte. Und sie hat die Reihe „Gut zu wissen ...“ ins Leben gerufen, bei der Ärztinnen und Ärzte der MHH Vorträge in Unternehmen und Behörden halten, in denen sie junge Frauen über Vorbeugung, Früherkennung und Heilungsmöglichkeiten von Brustkrebs informieren.

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