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Aus der Stadt MHH kann Infarkt von Patientin nicht verhindern
Hannover Aus der Stadt MHH kann Infarkt von Patientin nicht verhindern
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20:36 02.06.2016
Von Michael Zgoll
Die ehemalige Zahnärztin ist nach dem Schlaganfall auf den Rollator angewiesen. Quelle: Micihael Zgoll
Hannover

Sichtlich geknickt verließ Ulla Harms (Name von der Redaktion geändert) am Donnerstag das Landgericht. Halbseitig gelähmt ist die 62-Jährige seit fünf Jahren, kann sich nur schlurfenden Schritts und auf ihren Rollator gestützt bewegen. Die frühere Zahnärztin hatte gehofft, von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) wegen grober Behandlungsfehler Schmerzensgeld und Schadensersatz in sechsstelliger Höhe erstreiten zu können. Im Mai 2011 hatte sie die Klinik mit rasenden Kopfschmerzen und akut auf einem Auge erblindet aufgesucht, war - ihrer Ansicht nach - unzureichend versorgt worden und hatte wenige Stunden nach ihrer Entlassung einen Schlaganfall erlitten. Doch nach der Expertise von zwei Sachverständigen spricht alles dafür, dass die 19. Zivilkammer ihre Klage abweisen wird - auch wenn die Behandlung in der MHH nicht optimal war.

Die Augenklinik der MHH hatte bei Ulla Harms am Vormittag des 28. Mai 2011 den Verschluss einer Netzhautarterie behandelt. Aufgrund von Vorerkrankungen und genereller Thromboseneigung wurde die Patientin an internistische und neurologische Notfallambulanz weiterverwiesen - hier gibt es auch eine Schlaganfall-Spezialstation, eine Stroke Unit. Doch weil die Ärzte weder Lähmungserscheinungen noch Hirninfarkt feststellten, wurde sie wieder entlassen. „Ich habe die Ärzte angefleht, mich stationär aufzunehmen“, betont Harms immer wieder. Die Darstellung der MHH, sie habe eine Computertomografie-Aufnahme (CT) ihres Kopfes abgelehnt, weist die 62-Jährige empört zurück: „Ich war wegen der Erblindung in Panik, wollte, dass alles Menschenmögliche getan wird, um mir zu helfen.“

Nach fünfstündigem Klinikaufenthalt wurde die Zahnärztin am Nachmittag wieder nach Hause geschickt. Gegen 18.30 Uhr bemerkte sie eine Lähmung ihrer linken Körperhälfte, konnte nicht mehr sprechen. Zunächst wurde sie in einem Celler Krankenhaus, dann am Nordstadtklinikum behandelt. Die Diagnose: Hirninfarkt infolge der starken Verengung einer Halsschlagader.

Harms’ Anwalt Karsten Heidemann stellte der 19. Zivilkammer unter Vorsitz von Richter Martin Schulz sowie den zwei Gutachtern immer wieder zwei entscheidende Fragen: Hätte die MHH seine Mandantin bei all den schwerwiegenden Symptomen und Vorerkrankungen nicht gründlicher untersuchen müssen? Und: Hätte der Infarkt bei schneller Behandlung verhindert werden können?

Ein Kardiologe sagte vor Gericht, er persönlich hätte die Patientin abgehorcht und gegebenenfalls eine Ultraschalluntersuchung veranlasst. Ein Professor der Neurologie meinte, er hätte die Diagnostik mit Ultraschall oder CT fortgeführt. Doch einig waren sich die Sachverständigen in einem Punkt: Die 2011 gültigen neurologischen Leitlinien hätten solch weitergehende Prüfungen nicht vorgeschrieben. Insofern hätten sich die MHH-Ärzte nichts zuschulden kommen lassen. Selbst wenn sie eine hochgradige Schlagaderverengung festgestellt hätten, sei eine Operation frühestmöglich am Folgetag, im Normalfall sogar erst mehrere Tage später erfolgt. Erst im Herbst 2015, so der Neurologe, habe die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft festgelegt, dass Stroke-Units bei ersten Infarktsymptomen binnen 24 Stunden zu intensiver Gefäßdiagnostik verpflichtet sind.

Doch all dies hätte den abendlichen Infarkt bei Ulla Harms wohl nicht verhindert; eventuell wären die Folgen bei sofortiger stationärer Aufnahme aber abgemildert worden. Nun wohnt sie im Saarland in der Nähe ihrer Kinder. Sie musste ihren Beruf aufgeben, ist im Alltag stark gehandicapt und bezieht Invaliditätsrente. „Immerhin kann ich wieder sehen und sprechen“, gibt sich die 62-Jährige tapfer. Unabhängig vom Mitte Juli erwarteten Urteil, das zu ihren Ungunsten ausfallen dürfte, macht sie aus ihrer Verbitterung keinen Hehl: „Von der MHH bin ich fürchterlich enttäuscht.“

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