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MHH startet Sportabzeichen für schwerkranke Kinder

Institut für Sportmedizin MHH startet Sportabzeichen für schwerkranke Kinder

An der MHH können schwerkranke Kinder und Jugendliche ihr Sportabzeichen machen – das Training soll sie motivieren sportlich aktiv zu sein und so ein Stück weit in den Alltag zurück zu finden. Der 14-jährige Phil hat die Prüfung schon mit Bravour bestanden.

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Phil hat sein Sportabzeichen an der MHH abgelegt. Prof. Uwe Tegtbur (von links), Reinhard Rawe, Frauke Heiligenstadt, Bärbel Dütemeyer und Torge Wittke freuen sich mit ihm.

Quelle: Michael Wallmüller

Hannover. Phil hat es geschafft. Einen Kilometer hat er auf dem Laufband zurückgelegt, beim Rollstuhl-Basketball seine Geschicklichkeit bewiesen und schon im Krankenhausbett gezeigt, wie kräftig seine Arme und Beine sind. Das vom Institut für Sportmedizin der Medizinischen Hochschule (MHH) entwickelte Training hat sich gelohnt. Für seine Leistungen hat der 14-Jährige, der schwer an Krebs erkrankt war, jetzt eine besondere Auszeichnung bekommen: Als Erster hat Phil ein spezielles Sportabzeichen des Landessportbundes (LSB) abgelegt. Dieses soll fortan auch andere Kinder und Jugendliche motivieren, trotz ihrer Erkrankung sportlich aktiv zu sein - und damit ein Stück weit in den Alltag zurück zu finden.

Lob von der Kultusministerin

Lob für Phil kommt von höchster Stelle: Kultusministerin Frauke Heiligenstadt war in die MHH gekommen, um das Pilotprojekt vorzustellen, das von ihrem Ministerium unterstützt wird. „Das neue Sportabzeichen ist vor allem ein Symbol des Respekts und der Unterstützung von Kindern, für die es eine große Leistung ist, nach oder während einer schweren Krankheit dem eigenen Körper wieder zu trauen“, sagt die Ministerin. Das sei besonders wichtig, weil die jungen Patienten am Schulsport häufig nicht teilnehmen könnten. Sie könnten sich natürlich nicht mit gesunden Altersgenossen messen, erklärt Prof. Uwe Tegtbur, Direktor der MHH-Sportmedizin. Daher müssten die Voraussetzungen für das etablierte Sportabzeichen, das Schülern vom LSB verliehen wird, verändert werden.

Ziel sei es, den erkrankten Kindern und Jugendlichen einen individuellen Trainingsplan zu ermöglichen, der in Abstimmung mit dem LSB honoriert werden soll - mit dem „Goldenen Äskulapstab“.

Training an der MHH

Allein an der MHH werden rund 200 schwerkranke Kinder und Jugendliche betreut, die zum Beispiel an Krebs, Herzschwäche oder Mukoviszidose leiden oder ein neues Organ bekommen haben. Etwa 80 von ihnen trainieren regelmäßig an der Hochschulklinik.

Dort setzt sich Sportwissenschaftler Torge Wittke dafür ein, dass sie ihre ganz persönlichen Erfolgserlebnisse haben. Um sie zu motivieren, wendet er manchmal auch kleine Tricks an: „Phil hat auf dem Laufband einfach eine Folge der Simpsons geguckt - und ist dann eine halbe Stunde am Stück gelaufen“, berichtet Wittke, der früher Rugby-Nationalspieler war. Inzwischen geht Phil wieder in die Schule, schaut aber immer wieder gern im MHH-Trainingsraum vorbei. „Das macht so einen Spaß mit Torge“, sagt er strahlend. Wittke gibt das Lob zurück: „Ohne Phil und seine Superleistungen wären wir wohl gar nicht auf die Idee mit dem Sportabzeichen gekommen.“

Das Pilotprojekt, das der Verein für krebskranke Kinder finanziell fördert, soll so weiterentwickelt werden, dass nicht nur MHH-Patienten, sondern alle schwerkranken Kinder und Jugendlichen aus Niedersachsen das neue Abzeichen erwerben können. „Dafür werden wir auch unsere Räumlichkeiten zur Verfügung stellen“, betont Reinhard Rawe, Vorsitzender des LSB. Möglich seien zudem entsprechende Fortbildungen für Lehrer.

Ziel sei es, ein landesweites Netzwerk aufzubauen, um Kinderärzte und Schulen zu informieren und zur Mitarbeit anzuregen. Ihr Ministerium habe jüngst einen Leitfaden zur Inklusion im Sport herausgebracht, der zu den Anforderungen des Projekts passe, erklärt Frauke Heiligenstadt.

Abzeichen ins Zeugnis?

„Es wäre cool, wenn das Sportabzeichen in jedem Zeugnis stehen könnte“, sagt Phil. Die Ministerin versprach, sich dafür einzusetzen. Auch das Logo für das Abzeichen hat eine persönliche Note: Es wurde von einer jungen Patientin entworfen.

Die 17-jährige Sükürya, die unter Lymphdrüsenkrebs litt, hat zwei Figuren gezeichnet, die einen Äskulapstab in ihre Mitte genommen haben. Mit Schwert und Werkzeuggürtel nehmen „Leukoboy“ und „Thrombogirl“ den Kampf gegen alle Krankheiten auf.

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