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Präventionsprojekt

MHH therapiert künftig Pädophile

Von Veronika Thomas

An der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) werden künftig Pädophile therapiert. Die Uni-Klinik wird Standort eines Präventionsprojekts, das sexuellen Missbrauch von Kindern verhindern soll. In Zusammenarbeit mit dem erfolgreichen Projekt „Dunkelfeld“ an der Berliner Charité richtet die Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie der MHH eine ambulante Therapiestelle für Pädophile ein.
Foto: Ein Ausschnitt aus dem Therapie-Aktionsplakat der charité.

Ein Ausschnitt aus dem Therapie-Aktionsplakat der charité.

Hannover. Die Therapie soll wöchentlich in Gruppen und bei Bedarf auch in Einzelgesprächen stattfinden. Das Angebot ist kostenlos und unterliegt der Schweigepflicht. Mit jährlich 120 000 Euro wird das hannoversche Programm zunächst drei Jahre lang vom niedersächsischen Sozialministerium gefördert.

„Das ist ein aktiver Beitrag zum Opferschutz“, sagte Prof. Uwe Hartmann vom Arbeitsbereich Klinische Psychologie, der das „Dunkelfeld“-Projekt gemeinsam mit Prof. Tillmann Krüger leiten wird. Es soll im ersten Quartal 2012 seine Arbeit aufnehmen; die ersten Mitarbeiter wurden bereits eingestellt. Ziel der Einrichtung ist es, betroffenen Männern wohnortnah eine therapeutische und gegebenenfalls auch medikamentöse Hilfestellung zu geben, damit sie keine Übergriffe auf Kinder begehen oder Kinderpornos konsumieren. „Kein Mensch sucht sich diese Neigung aus“, betonte Hartmann. 

Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge haben bis zu ein Prozent aller Männer eine krankhaft sexuelle Ausrichtung auf Kinder. Davon sind deutschlandweit etwa 250 000 Männer zwischen 18 und 75 Jahren betroffen, rund 10 000 davon leben in Niedersachsen – auch Väter kleiner Kinder. Dem stehen bedrückende Opferzahlen gegenüber, wie sie das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen 1997 in der „Berliner Männerstudie zur sexuellen Gesundheit“ ermittelt hat: Mehr als jedes zehnte Mädchen und mehr als jeder dreißigste Junge wird Opfer sexuellen Missbrauchs.

Laut Kriminalstatistik werden jährlich 15.000 Fälle von sexuellem Missbrauch angezeigt; die Dunkelziffer dürfte jedoch um ein Vielfaches höher liegen. Nach dem Stand der Forschung begehen etwa 50 Prozent der einschlägigen Täter den Missbrauch aufgrund ihrer krankhaften sexuellen Ausrichtung auf Kinder. Die Ursachen für Pädophilie sind bisher unbekannt, eine Heilung ist nach derzeitigem Wissensstand nicht möglich.

Diese Erkenntnisse führten 2004 zur Einrichtung des weltweit ersten Forschungsprojekts „Prävention von sexuellem Kindesmissbrauch im Dunkelfeld (Kein Täter werden)“, das am Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin der Berliner Charité eingerichtet wurde. Allein bis 2007 meldeten sich 555 Männer und zwei Frauen.

Die erfolgreiche und inzwischen etablierte Arbeit wurde inzwischen regional ausgeweitet – auf Schleswig-Holstein (Universitätsklinikum in Kiel), Bayern (Uni-Klinik Regensburg) und Sachsen (Uni-Klinik Leipzig). Seit 2009 werden auch Konsumenten sogenannter Missbrauchsabbildungen therapiert, die der Begriff Kinderpornographie eher verharmlost. Außer in Hannover soll Anfang 2012 auch in Hamburg ein „Dunkelfeld“-Projekt eingerichtet werden.

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