Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Besuch auf vier Pfoten

Besuchshundedienst in Hannover Besuch auf vier Pfoten

Im Herbst gründeten die Malteser ihren ersten Besuchshundedienst in Hannover. Die Tiere sollen alten und kranken Menschen ein Stück Lebensfreude geben. Das Konzept scheint zu funktionieren - die Vierbeiner sind gefragt. Ein Besuch.

Voriger Artikel
"Ich will nicht noch mit 20 Bibi sein"
Nächster Artikel
Fairkauf kann sich ausbreiten

Bulldogge Ida sorgt gemeinsam mit Lars Setzepfandt und Mischlinghündin Manou für angenehme Abwechselung im Altenzentrum. 

Quelle: Samantha Franson

Hannover. Die Geste war klein. Nur ein Zeigefinger bewegte sich, doch für Hündin Manou und ihre Halterin Claudia Schrader war es einer der schönsten Erfolge in ihrer Zeit als Besuchshundeteam. Während der Ausbildung hatten beide mit einer älteren Frau im Rollstuhl trainiert. „Anfangs war sie komplett abwesend“, erinnert sich Schrader, hätte sich verkrampft mit den Händen an den Armlehnen festgehalten. Auch als die 51-Jährige die Hand auf das Fell der Mischlingshündin legte und gemeinsam mit der Frau Manou streichelte, sei sie noch vorsichtig gewesen. Dann aber bewegte sich der Zeigefinger - für einen Menschen, der sonst keine Regungen zeigt, ein großer Erfolg.

„Das zeigt ganz klar, was die Hunde erreichen können“, sagt Lars Setze-pfandt, der wie Schrader seit vergangenem Herbst mit seiner Hündin Mitglied der ersten Malteser Besuchshundestaffel in Hannover ist. „Die Hunde“, sagt er, „schaffen Dinge, die kein Therapeut vorher geschafft hat.“ Immer mittwochs besuchen die beiden Ehrenamtlichen das Karl-Flor Altenzentrum in Wettbergen. Dort wird der vierbeinige Besuch gern angenommen, selbst wenn nur eine kleine Gruppe sich mit den Hunden beschäftigen kann - auch für die Tiere muss der Besuch angenehm verlaufen.

"Gib mir mal ein Pfötchen"

Einige der Bewohner kommen regelmäßig zur Hundestunde. „Das kann ich mir nicht entgehen lassen“, sagt eine der Bewohnerinnen, die gemeinsam mit sechs weiteren und zwei Pflegerinnen an diesem Mittwoch im Innenhof des Altenzentrums Platz genommen hat. Im Kreis stehen die Holzstühle, in der Mitte bleibt Platz für Ida und Manou. Begrüßt werden die Zuschauer mit einem Trick - die Mischlingshündin hebt eine Pfote und winkt zum Einstieg. Dann gesellen sich Setzepfand und Schrader abwechselnd reihum zu den Bewohnern und lassen sie ihre Tiere streicheln oder Leckerchen geben.

Nicht alle nehmen sofort in Kontakt mit den Tieren auf. Einige der älteren Leute sehen den beiden Hündinnen nur zu, wie sie einige Tricks vorführen. Eine andere Frau reagiert zunächst zögerlich, als Setzepfandt fragt: „Möchten Sie der Ida auch ein Leckerchen geben?“ In solchen Momenten leiten die Hundehalter die Besucher an. Ida und Manou sind nicht zu groß. Sie lassen sich leicht auf den Arm oder den Schoß nehmen. So können die beiden Hündinnen zunächst vorsichtig gestreichelt werden. Das hilft meistens. „Gib mir mal dein Pfötchen“ fordert die Seniorin die Hündin nur kurze Zeit später auf - und gibt ihr anschließend das Leckerchen freizügig aus der Hand.

Auch an anderer Stelle kommen die tierischen Besucher an. Derzeit sind die Malteser-Teams auch im Klaus Bahlsen Haus und im Seniorenzentrum am Wasserturm im Einsatz. „Es gibt aber viele weitere, die Interesse haben“, sagt Tierärztin und Koordinatorin des Besuchshundedienstes Lara Steinhoff. Ein Bedarf, der nur mit weiteren Ehrenamtlichen gedeckt werden kann. Zwar gibt es schon einige Besuchshunde in Hannover, etwa die der „Besucher auf vier Pfoten“ des Freiwilligenzentrums. Das Besondere am Team der Malteser: „Die Hunde gehen ausgebildet in die Einrichtungen und sind auf Stresssituationen getestet“, sagt Claudia Schrader.

Dass nicht alle Hunde für die sensible Arbeit geeignet sind, hatte sich bereits bei den ersten Informationsveranstaltungen im vergangenen Jahr gezeigt, als die Staffel gerade aufgebaut wurde. 49 Interessenten hatten sich zunächst gemeldet. 20 Hunde gingen zum Eignungstest, für den Einsatz geeignet waren am Ende neun Teams. Auf die Rasse kommt es dabei nach Angaben von Steinhoff, die die Hund- und Halterteams gemeinsam mit Tiertrainerin Sandra Bruns auf den Einsatz vorbereitet hat, nicht an. „Der Charakter ist die Hauptsache“, sagt sie. Die Tiere müssen sich nicht nur gern von Fremden berühren lassen, sondern auch in Stresssituationen ruhig bleiben. Auf diesen Situationen liegt auch der Schwerpunkt in der Ausbildung der Besuchsteams. „Die Hunde müssen sich auch mal fest ins Fell packen lassen“, sagt Steinhoff, bei den Besuchen könnten solche Situationen immer mal vorkommen. Ängstlich oder aggressiv reagieren darf dann keiner der Hunde.

Bei Ida ist das kein Problem. Selbst als eine der Bewohnerinnen der stämmigen Hündin mit der Hand die Hundenase kräftig tätschelt, hält die kleine Bulldogge still. Als Setzepfandt sie einige Zeit später auf den Schoß nimmt, lässt sie sich gemütlich mit dem Rücken gegen seine Brust fallen und den Bauch tätscheln. Die Senioren lachen. Für alle Seiten, sagt Setzepfandt, ist der Besuch ein Gewinn - auch für die Hundeführer. „Menschen glücklich machen, ist eine schöne Sache.“

Sabine Gurol 

Besuchshunde im Einsatz

Nicht nur im Altenheim werden Hunde zu Helfern im Alltag. Neben Besuchshunden gibt es etwa Therapiehunde, die bei psychiatrischen, neurologischen oder geistigen Behinderungen eingesetzt werden, um das Krankheitsbild durch die positive Wirkung des Hundes zu verbessern. Den Alltag erleichtern sollen auch Assistenzhunde. Der Verein „Apporte Assistenzhunde für Menschen im Rollstuhl“ aus Wunstorf etwa finanziert die Ausbildung solcher Tiere, die gehbehinderten Menschen in verschiedensten Situationen helfen: Lichtschalter betätigen, Fernbedienung reichen, beim Anziehen helfen, im Notfall Alarm schlagen: Etwa zwei Jahre dauert es, bis ein Hund voll ausgebildet ist. Nur halb so lange dauert die Ausbildung von Blindenführhunden. Sie helfen sehbehinderten Menschen im Alltag mobiler zu werden. „Ein guter Blindenhund beherrscht 
70 Hörzeichen“, sagt Helga Schmitzius vom Deutschen Blindeführhundverein aus Hannover. Die Ausbildung der Tiere ist dementsprechend teuer: sie liegt bei etwa 25 000 Euro, die Kosten können aber von den Krankenkassen in Deutschland übernommen werden.
Ehrenamtlich arbeiten dagegen Rettungshunde, wie die Tiere der DRK Staffel in Empelde. Seit 1992 werden die Hunde hier zu Flächen-, Trümmer- oder Wassersuchhunden ausgebildet. Sie 
kommen etwa bei der Suche nach vermissten Personen zum Einsatz. Ihre gute Nase setzen Hunde auch in anderen Bereichen ein: Etwa bei der Arbeit als Drogenspürhund. Gespür für Gefahren beweisen die Tiere unter anderem bei Diabetikern. Diabetiswarnhunde schlagen an, wenn der Blutzuckerspiegel fällt oder steigt.

Sabine Gurol 

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr Aus der Stadt
Es war einmal in Hannover. Aber wo?

Auf in eine neue Runde: Sie kennen sich in Hannover aus? Zeigen Sie es! Schauen Sie sich die historischen Stadtansichten an, und erraten Sie, wo die Aufnahmen gemacht wurden. Direkt hinter dem historischen Foto sehen Sie die Auflösung – in Form eines aktuellen Vergleichsbildes.

Mann bei Messerstecherei in Vahrenwald schwer verletzt

Am Dienstagabend ist ein Mann in Vahrenwald im Zuge eines Streits niedergestochen und schwer verletzt worden.