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Julian Klippert ist die Alternative für alles

Die PARTEI Julian Klippert ist die Alternative für alles

Sie treten in Anzug und Krawatte auf, schwenken Fahnen, prosten sich zu, singen Lieder - die Satirepartei „Die Partei“ nimmt Politik-Klischees aufs Korn und hat den Sprung in die Kommunalpolitik geschafft. Julian Klippert, 28 Jahre alt, wird künftig in drei Gremien sitzen: Rat, Regionsversammlung und Bezirksrat.

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„Wir tun alles, was unsere Macht vergrößert“: Julian Klippert sitzt künftig in drei Gremien.

Hannover.  „Ich hoffe nicht, dass mein Job als Comic-Händler darunter leidet“, sagt der Angestellte des Geschäfts „Comix“ an der Goseriede. Klippert verspricht, dem fröhlichen Anarchismus seiner Partei treu zu bleiben. Im Wahlkampf hat „Die Partei“ unter anderem damit geworben, zwei Sonnabende pro Woche einzuführen und eine Burkapflicht für Rechtsextreme zu verhängen. „Aber die eigentliche Spaßpartei ist natürlich die FDP“, sagt Klippert.

„Die Partei“ wurde 2004 von dem Satiriker und ehemaligen „Titanic“-Chefredakteur Martin Sonneborn gegründet. Die Gruppe machte sich über Rituale des Politikbetriebs lustig, bekam aber bei Wahlen durchaus Stimmen. Größter Erfolg war 2014 der Einzug Sonneborns in das Europaparlament. Dort machte er immer wieder mit satirischen Reden auf sich aufmerksam, zuletzt zum Brexit: Die Briten hätten politisch nur das vollzogen, was tektonisch bereits der Fall sei.

Der „Partei“-Kreisverband Hannover zählt inzwischen 400 Mitglieder, Tendenz steigend. „Das liegt daran, dass wir die günstigsten Politikanbieter auf dem Markt sind“, sagt Klippert. Nur 10 Euro pro Jahr betrage der Mitgliedsbeitrag, das sei konkurrenzlos günstig. „Wir tun alles, was unsere Macht vergrößert“, sagt der neue Ratsherr.

Mit den Mitteln der Satire auf Missstände hinweisen

Das ist natürlich nicht ernst gemeint, wie so vieles, was der 28-Jährige von sich gibt. Immer wieder fällt Klippert in die Rolle des Spaßvogels, der die Kommunalpolitik amüsiert von außen betrachtet. Dennoch ist ihm klar, dass er als Mandatsträger Teil des Betriebs ist, den er als Satiriker putzig findet. „Ich werde mit den Mitteln der Satire auf Missstände hinweisen“, sagt Klippert, und das sei durchaus ernst gemeint. Viele Menschen seien unzufrieden mit der Politik, daher liefen der Alternative für Deutschland (AfD) etliche Wähler zu. „Protestwähler sprechen auch wir an“, sagt Klippert. Letztlich sei „Die Partei“ eine Partei der „extremen Mitte“. „Rechts und links von uns lassen wir keine anderen Parteien zu“, sagt Klippert und wechselt wieder die Rolle.

In „Die Partei“ ist der Comic-Händler eingetreten, als Sonneborn überraschend Europaparlamentarier wurde. „Da hat meine Stimme richtig was bewirkt“, sagt Klippert. Nicht ganz zufällig ist der 28-Jährige dann Spitzenkandidat für die Kommunalwahlen geworden. Eine Runde von „Partei“-Gängern traf sich im Oktober 2015 zum Bier, und man überlegte, wer nominiert werden sollte. „Da bin ich gleich aufgesprungen“, erzählt Klippert.

Insgesamt 20 Sitze in Kommunalparlamenten hat „Die Partei“ bei den Wahlen in Niedersachsen errungen. Der Sinn fürs Provokante dürfte bei den frisch gebackenen Mandatsträgern überwiegen, aber einer wie Klippert findet auch Gefallen an Machtoptionen. „Wir sind zu Koalitionen bereit, etwa um gegen rechte Parteien Akzente zu setzen“, sagt er und verspricht, dass Kommunalpolitik mit der „Partei“ spannend bleibe und die Journalisten viel zu schreiben hätten. Das nimmt man ihm ohne Weiteres ab.

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