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Aus der Stadt "Soziale Medien machen unsozial"
Hannover Aus der Stadt "Soziale Medien machen unsozial"
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00:15 22.11.2016
Von Saskia Döhner
Prof. Manfred Spitzer polarisiert stark mit seinen medienkritischen Thesen. Quelle: Handout
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Hannover

Dies beeinträchtige die Entwicklung des Gehirns und mache süchtig. Spitzer polarisiert stark: den Einen gilt Spitzer als Vordenker einer Pädagogik, die Kinder eher in den Wald als vor den Computer schicken will, den anderen als großer Vereinfacher, der Kindern eine Teilhabe am Medienwandel vorenthalten will.

Zu seinen Thesen gehört etwa diese: Schon jetzt sei fast ein Drittel der Zehn- bis 19-Jährigen in Südkorea internetsüchtig. Kindergartenkinder stünden voll in ihrer körperlichen und geistigen Entwicklung. „Es gibt nichts Dümmeres, was eine Hand tun kann, als auf einer Glasoberfläche herumzuwischen“, sagte Spitzer gegenüber der HAZ. Tablets und Smartphones bildeten nicht die Wirklichkeit ab: „Da ist niemand.“

Die Medienoffensive von Microsoft, 8000 Kitas in Deutschland mit digitalen Geräten auszustatten, ist für Spitzer nichts anderes als „Anfixen, um unsere Kinder aktiv zu verblöden“. Jugendliche, die sich stundenlang mit sozialen Medien wie Facebook beschäftigten, würden dadurch extrem unsozial, warnt der Ärztliche Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik in Ulm. Sie verlören ihre Empathie gegenüber Eltern und Freunden. Wer meine, sein Kind sei ausgegrenzt, wenn es kein Smartphone bekomme, irre sich: „Mit den digitalen Medien fängt die Ausgrenzung erst an.“ Wer sich als 13-Jährige stundenlang mit Facebook beschäftige, sei mit 18 Jahren sicherlich depressiv.

Spitzer, der vor vier Jahren den medienkritischen Bestseller „Digitale Demenz“ veröffentlichte, hat in den Waldorfpädagogen Mitstreiter gefunden. Sie fordern individuelle Freiräume im geschützten Raum der Kita. Wer Kinder früh intellektualisiere, sie in einem engen Tagesplan takte und für die Schule drille, verhindere ein gesundes Aufwachsen, sagt Michael Wetenkamp vom Vorstand der Vereinigung der deutschlandweit rund 600 Waldorf-Kindergärten. Dann zitiert er ein altes afrikanisches Sprichwort: „Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.“

Wolfgang Saßmannshausen, Leiter des Rudolf-Steiner-Berufskollegs in Dortmund, plädierte beim Kongress in Hannover für ein Recht auf Kindheit. Kinder seien keine kleinen Erwachsenen. Die Kinderärztin Michaela Glöckler, Tochter des Waldorf-Kita-Mitbegründers Helmut von Kügelgen, betont, der Mensch könne seine Freiheit nur aus sich selbst heraus entwickeln. Mit ihrer Kritik am allzu frühen Einsatz digitaler Medien seien die Waldorfpädagogen nicht mehr allein: „Wir sind der neue Mainstream“, meint sie, „was ist für Kinder gewonnen, wenn sie sich in der digitalen Welt bewegen können und ihre Eltern sie mit immer neuen Spielsachen überraschen, statt Zeit zu investieren?“

Während Jörg Dräger von der Bertelsmann-Stiftung betont, digitale Medien brächten Bildungschancen, widerspricht Spitzer vehement. Wer digital lerne, sei leichter abgelenkt. Der Gebrauch von Computern an Schulen oder Universitäten vermindere den Lernerfolg. Multitasking sei keine lernbare Fähigkeit, sondern eine ineffektive Arbeitsorganisation, die zu längerfristig gestörter Aufmerksamkeit führe.

Während Kinderärztin Glöckler sagt, dass man am besten Kindern erst ab zwölf Jahren ein Smartphone geben sollte, ist Spitzer da noch radikaler: „Autofahren darf man doch auch erst ab 18. Warum sollte man den Zugang zum Internet, dem größten Rotlichtbezirk der Welt, wo sich die Halbwelt tummelt, schon Kindern gewähren?“     

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