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Aus der Stadt Ahlemer verschickte Pakete für Betrüger
Hannover Aus der Stadt Ahlemer verschickte Pakete für Betrüger
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00:15 26.12.2016
Von Michael Zgoll
Quelle: Symbolbild
Hannover

Dummheit schützt vor Strafe nicht: Diese Lektion musste Donnerstag ein 47-jähriger Ahlemer im Amtsgericht lernen. Der Arbeitslose hatte auf einer Jobbörse im Internet eine vermeintlich gut dotierte Stelle als Praktikant beim Paketkonzern DHL angenommen, sollte ihm zugesandte Pakete auf Beschädigungen überprüfen und nach Russland weiterleiten. Erst als der zugesagte Lohn von 20,50 Euro pro Stunde ausblieb, wandte er sich an die Polizei. Die Anklage, der sich der gutgläubige Ahlemer wenig später ausgesetzt sah, lautete auf Geldwäsche in 13 Fällen.

Amtsrichter Reinhard Meffert und Staatsanwalt waren sich nach einer ausgiebigen Befragung des ohne Verteidiger erschienenen Angeklagten einig, das Verfahren einzustellen. Allerdings muss der Pseudopostler 150 Stunden gemeinnütziger Arbeit ableisten - eine Sühne, die ihm schon im Gerichtssaal den Schweiß auf die Stirn trieb.

150 Stunden Arbeit als Strafe

Die Masche der Betrüger, denen der Ahlemer zur Seite stand, ist nicht neu. Mit illegal erworbenen Kreditkartendaten kauften die bis heute unbekannten Hintermänner bei Onlineshops ein, vorwiegend Verstärker, Handys, Sportuhren und Lautsprecher. Dann suchten die Betrüger auf Jobbörsen nach Dummen, die die Ware in Empfang nahmen und an sie weiterleiteten: meist an Adressen in die Russische Föderation, vereinzelt auch nach Tschechien oder England. Dass die Strohmänner als Erste ins Fadenkreuz der Justiz geraten würden, liegt auf der Hand.

Kopfschüttelnd verlas Richter Meffert die Paragrafen des „Praktikumsvertrags“, den der Ahlemer für den Zeitraum vom 15. Februar bis 28. März 2016 unterschrieben und per E-Mail an die „Deutsche Post AG DHL worldwide express“ zurückgeschickt hatte. Der Arbeitsbereich des 47-Jährigen war mit E-Commerce und Verzollung umschrieben, seine sechswöchige Probezeit genauso lang wie die Dauer des Arbeitsverhältnisses. Dem gelernten Lagerarbeiter wurde eine wöchentliche Arbeitszeit von 30 Stunden mit 615 Euro Arbeitsentgelt zugesichert, auszuzahlen per Barscheck. Eine „Verschwiegenheitspflicht“ war in dem mit Rechtschreibfehlern garnierten Papier ebenso enthalten wie der in diesem Zusammenhang besonders eigenwillige Hinweis, der Praktikant dürfe eine Nebentätigkeit nur mit Zustimmung des Arbeitgebers ausüben.

„Gier frisst Hirn“

„Haben Sie wirklich geglaubt, dass hier alles mit rechten Dingen zugeht?“, wollte der Richter vom Angeklagten wissen - und schob gleich eine Erklärung hinterher: „Gier frisst Hirn.“ Der bislang nicht vorbestrafte Ahlemer druckste herum, er habe von Anfang an Bauchschmerzen gehabt. Darum habe er sich ja irgendwann auch an die Polizei gewandt.

Letztendlich mochte das Gericht dem Mann keinen Vorsatz, sondern nur Leichtfertigkeit unterstellen. Der Wert der von ihm ins Ausland transferierten Waren liegt bei 7826 Euro; diesen Schaden tragen letztendlich die Banken der Kunden, denen die Kreditkartendaten gestohlen wurden. Auf der Habenseite verbuchen können die Ermittlungsbehörden lediglich drei Retouren aus Russland: Drei Päckchen mit Vibratoren wurden an den Mittelsmann in Ahlem zurückgeschickt.

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