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Aus der Stadt Mann erschleicht sich mehrere Tausend Euro
Hannover Aus der Stadt Mann erschleicht sich mehrere Tausend Euro
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00:15 09.10.2017
„Manipulatorische Wirkung“: In dieser Bank in Kirchrode hob der Mann mit einer Seniorin Geld ab. Foto: Schaarschmidt Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Monatelang haben Polizei und Staatsanwaltschaft versucht, ihn des Betruges zu überführen - ohne Erfolg. Ein 31-jähriger Mann vom Balkan soll in Kirchrode mindestens zwei ältere Damen dazu gebracht haben, ihm mehrere Tausend Euro zu geben - ohne das Geld jemals zurückzuzahlen. Doch offenbar ist das nicht strafbar. „Wir konnten dem Mann nichts Strafbares nachweisen“, sagt Kathrin Söfker, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hannover. Die Ermittlungen wurden nun eingestellt.

„Er ist sehr hilfsbereit“

Eines der Opfer ist eine 85-jährige Frau. Nach Angaben ihrer Tochter habe sich der Mann das Vertrauen der Rentnerin erschlichen. „Er ist sehr eloquent und hilfsbereit“, sagt die Tochter. Erst erledigte der 31-Jährige kleinere Hilfsarbeiten, bei passender Gelegenheit fragte er nach finanzieller Unterstützung. „Angeblich brauchte er es für einen Führerschein oder für seine Kinder“, sagt die Tochter. Ihre Mutter sei so seit 2014 um insgesamt 22.000 Euro gebracht worden. „Weil sie eine beginnende Demenz hat, ist es anfangs gar nicht aufgefallen.“ Die 85-Jährige habe es schlicht immer wieder vergessen.

Die Seniorin sei demnach mehrfach mit dem Mann zur Bank gefahren, um Geld abzuheben. Innerhalb von nur drei Wochen sei die 85-Jährige so allein um 3000 Euro erleichtert worden. Als später noch einmal 1000 Euro dazukamen und die Tochter einen Kontoauszug sah, wurde sie stutzig. Im Mai 2017 erstattete sie Anzeige. Nach ihren Angaben seien in Kirchrode vor allem ältere Damen zwischen Mitte 70 und Mitte 80 betroffen. In einem Fall soll der Mann bis zu 45.000 Euro erschlichen haben. Staatsanwältin Söfker bestätigt eine zweite Anzeige gegen den Mann, die aber auch jüngst eingestellt wurde.

"Juristisch ist das eine Grauzone"

Die Ermittlungen gegen den mutmaßlichen Betrüger zogen sich bereits seit Mai hin. Seither versuchen die Beamten, dem Mann die vorgeworfenen Betrügereien nachzuweisen. „Solch ein Fall lässt die Ermittler natürlich nicht kalt“, sagt Söfker. Daher habe die Polizei bis zuletzt alles versucht, um dem 31-Jährigen doch noch eine strafbare Handlung nachzuweisen.

Der Mann habe nie verschwiegen, dass er kein Geld besitze. Die geschädigten Damen hätten ihm daher teils aus Mitleid immer wieder Geld gegeben. „Eventuell war ihnen sogar klar, dass er das Geld nicht wieder zurückzahlt“, sagt Söfker. Dennoch will auch sie nicht ausschließen, dass der Mann womöglich mit voller Absicht nach dem Vermögen der Rentnerinnen fragte. „Juristisch ist es eine Grauzone“, sagt Söfker. „Es bleibt ein Zweifel, ob ein Betrug vorliegt.“

Die Tochter der Seniorin schließt aus, dass die 85-Jährige dem Mann bewusst Geld geschenkt haben könnte. Vielmehr habe der 31-Jährige eine „große manipulatorisch suggestive Wirkung“ auf die Seniorin gehabt und ihre fortschreitende Demenz ausgenutzt. „Meine Mutter war ein leichtes Opfer“, sagt sie. Die alte Dame sei schlicht gutgläubig gewesen und habe helfen wollen. „Ich habe eine solche Wut.“

Betrug ist schwer nachzuweisen

Die Strafermittlungen werden erst fortgesetzt, wenn sich neue Hinweise ergeben. Zivilrechtlich wurde der Mann inzwischen aber dazu verurteilt, 5890 Euro plus Zinsen an die 85-Jährige zurückzuzahlen - diese Summe ließ sich über Belege als Darlehen beweisen. Fraglich ist aber, ob die Rentnerin das Geld jemals bekommen wird. „Er hat ja kein Geld“, sagt ihre Tochter.

Von Peer Hellerling

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