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Mann überfällt Seniorin und wird kurz darauf fast totgetreten

Opfer mit Rollator trifft auf Täter im Rollstuhl Mann überfällt Seniorin und wird kurz darauf fast totgetreten

Dimitrios T. will eine gehbehinderte Frau bestehlen – vier Tage später wird er fast totgetreten. Nun musste sich der Mann am Donnerstag wegen versuchten Diebstahls vor Gericht verteidigen. Doch seit der Attacke ist der 40-Jährige schwer geistig und körperlich behindert.  

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Verteidiger Marco Burkhardt schirmt seinen im Rollstuhl sitzenden Mandanten ab.Foto: Schaarschmidt

Quelle: Schaarschmidt

Hannover. Ein Fall von besonderer Tragik ist am Donnerstag am Amtsgericht Hannover verhandelt worden. Opfer eines Diebstahls wurde im Vorjahr eine 50-jährige Nordstädterin - der Täter hatte ihren vor einem Geschäft abgestellten Rollator stibitzt und nach Wertsachen durchsucht. Doch dieser Mann, der 40-jährige Dimitrios T., wurde vier Tage später selbst zum Opfer und bei einer brutalen Attacke fast totgetreten. Nun ist T. hirngeschädigt, saß beim Prozess als Angeklagter in einem Rollstuhl.

Gericht gewährt Bewährung

Ein Schöffengericht unter Vorsitz von Michael Stüber verurteilte T. wegen versuchten Diebstahls zu einer Bewährungsstrafe von vier Monaten. Die ursprünglichen Anklagepunkte versuchter Raub und Nötigung wurden fallengelassen. Dass der bereits mehrfach wegen Schwarzfahrens, Diebstählen und Körperverletzung verurteilte Angeklagte nicht ins Gefängnis wandert, hat er seiner 100-Grad-Behinderung zu verdanken. Denn eigentlich stand der 40-Jährige wegen früherer Taten unter zweifacher Bewährung, wäre normalerweise nicht um die Verbüßung seiner Haftstrafen herumgekommen.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der am 26. Juli 2016 offenbar angetrunkene T. seinem Opfer vor einem Laden an der Ecke von Engelbosteler Damm und Haltenhoffstraße den abgestellten Rollator entwendete. Als die gehbehinderte Besitzerin den Diebstahl bemerkte, stellte sie sich laut schimpfend auf den Bürgersteig. Doch dann erblickte sie T., der ihr leicht schlingernd entgegenkam; schnell konnte die Frau den Rollator wieder in ihren Besitz nehmen. Anschließend aber entwickelten sich ein Wortwechsel und ein Gerangel, bei dem der Mann sein Opfer mehrfach umfasste und versuchte, in die Handtasche der 50-Jährigen zu greifen; diese aber erwies sich als wehrhaft und schubste den Möchtegern-Dieb mit ihrem Rollator vor sich her. Ein Polizist bereitete der Auseinandersetzung kurz darauf ein Ende.

Unmotiviertes Lachen

Verteidiger Marco Burkhardt wies darauf hin, dass sein Mandant aufgrund seiner Kopfverletzung körperlich und geistig schwer eingeschränkt ist. Dies zeigte sich am Donnerstag auch daran, dass der Angeklagte Fragen des Gerichts völlig falsch beantwortete, verwaschen bis unverständlich sprach und oft unmotiviert lachte. Die meiste Zeit der zweieinhalbstündigen Verhandlung stützte T. den Kopf in die Hände und hielt die Augen geschlossen. Sollte es - wider Erwarten - im Zuge einer Berufungsverhandlung doch noch zu einer rechtskräftigen Verurteilung seines Mandanten zu einer Gefängnisstrafe ohne Bewährung kommen, sagte Burkhardt, werde er sicher einen Gnadenantrag stellen. Derzeit ist T. in einem Pflegeheim für Behinderte in Alfeld untergebracht.

Vier Tage nach dem Rollator-Diebstahl, also am 30. Juli 2016, war Dimitrios T. am Raschplatz selbst Opfer einer schweren Straftat geworden. Im Zuge einer Auseinandersetzung im Trinkermilieu trat ihn der 45-jährige Romeo W. derart heftig auf den Kopf, dass der gelernte Koch beinahe gestorben wäre. W. wurde im Februar 2017 vom Schwurgericht wegen versuchten Totschlags zu einer Haftstrafe von zehn Jahren und drei Monaten verurteilt.

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