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Aus der Stadt Mann schlägt couragiertes Kind
Hannover Aus der Stadt Mann schlägt couragiertes Kind
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00:31 12.07.2014
Von Michael Zgoll
Diese 13-Jährige forderte den Angeklagten auf, seinen Müll aufzuheben. Quelle: Zgoll
Hannover

Von Einsicht keine Spur – so lässt sich das Verhalten des Mannes, der im Januar eine couragierte 13-Jährige auf offener Straße ohrfeigte, am besten charakterisieren. In der Verhandlung vor dem Amtsgericht am Mittwoch, wo sich der 34-jährige Simon A. wegen Körperverletzung zu verantworten hatte, stritt er die Tat mit unterschiedlichen Begründungen ab.

Als einzigen Zeugen für seine Behauptung, die junge Misburgerin nicht geschlagen zu haben, benannte er voller Theatralik „Gott im Himmel“ – allerdings standen dem drei irdische Zeuginnen gegenüber, die den Übergriff beobachtet hatten. Jugendrichter Jens Buck verurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen à zehn Euro und ging damit um 100 Euro über die von der Staatsanwältin geforderte Strafe hinaus.

Für ihr aufmerksames Verhalten und ihr Engagement für eine saubere Stadt erntete die Schülerin der IGS Büssingweg von Richter Buck ein dickes Lob: „Du hast dich auf jeden Fall richtig verhalten.“ Die Siebtklässlerin hatte beobachtet, wie der 34-Jährige an Meyers Garten achtlos eine Zigarettenschachtel auf den Bürgersteig warf, kurz bevor er in einen Üstra-Bus einsteigen wollte.

Daraufhin forderte ihn das Mädchen auf, die Schachtel aufzuheben, schließlich gebe es in nächster Nähe einen Mülleimer. Doch der aus Ghana stammende Mann ignorierte den Hinweis der 13-Jährigen, wobei unklar ist, ob der in der Gerichtsverhandlung ausschließlich Englisch sprechende Angeklagte jedes Wort verstand.

Dass A. sich angesprochen fühlte, bewies er auf andere Art: Er drehte sich um und verpasste der Schülerin eine schallende Ohrfeige. Deren Nase tat anschließend weh, die Wange brannte, der Schlag verursachte ihr sogar einen blutigen Kratzer im Gesicht. Das Mädchen brach in Tränen aus, musste von Passantinnen getröstet werden.

Der Täter, der in einem Asylbewerberheim in Misburg-Nord lebt, fuhr dann Richtung Süden; am Bahnhof Anderten stellte ihn die Polizei mithilfe der 13-Jährigen, die ihn in einem Fenster des Busses wiedererkannte.

Vor Gericht kam der groß gewachsene Angeklagte mit seiner lauten Stimme gestern durchaus einschüchternd daher; seine aufbrausende Art vermittelte einen Eindruck davon, wie er am Busstopp auf die 13-Jährige losgegangen sein muss. Seine Erklärung, warum er zu einem ersten Verhandlungstermin vor drei Wochen nicht erschienen war, wirkte genauso wenig überzeugend wie seine Entschuldigung gegenüber der Siebtklässlerin.

A. hat im Laufe des vergangenen Jahres bereits drei Geldstrafen wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz und wegen Bedrohung kassiert. Das unterfütterte die Aufforderung des Richters, dass er als Gast in Deutschland künftig keine Straftaten mehr begehen sollte: „Sonst sind Sie schneller draußen, als Sie glauben.“

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