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Aus der Stadt Denkmalschutz um jeden Preis?
Hannover Aus der Stadt Denkmalschutz um jeden Preis?
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20:22 22.01.2015
Von Andreas Schinkel
Die Bauverwaltung der Stadt Hannover ist eingerüstet, da sie baufällig ist. Quelle: Rainer Surrey
Hannover

Die Nachricht vom millionenschweren Sanierungsstau in Hannovers Bauamt hat am Donnerstag die Ratspolitik erschüttert. Soll die Stadt tatsächlich bis zu 45 Millionen Euro ausgeben, um ein altes, marodes Bürogebäude in einen modernen Amtssitz zu verwandeln? SPD und Grüne plädieren zähneknirschend für den Erhalt des denkmalgeschützten Gebäudes, hoffen aber, dass die Sanierung günstiger zu haben ist. CDU und FDP dringen darauf, mit der Denkmalschutzbehörde über einen Abriss oder eine Entkernung zu verhandeln. Die Linke favorisiert eine günstige Lösung für den Erhalt des Hauses. Insgesamt wirft die Ratsopposition dem Gebäudemanagement der Stadt vor, nicht genau hingeschaut und notwendige Reparaturen verschleppt zu haben. „Es ist doch aberwitzig, dass die Fachleute der Bauverwaltung einen Missstand in ihrem eigenen Haus nicht erkannt haben“, sagt CDU-Wirtschaftsexperte Jens-Michael Emmelmann.

Was meinen Sie? Sollte das denkmalgeschützte Bauamt saniert werden? Schreiben Sie uns eine E-Mail oder einen Brief an die HAZ-Lokalredaktion, Stichwort „Bauamt“, August-Madsack-Straße 1, 30559 Hannover.

Bereits im vergangenen Jahr musste die Fassade der Bauverwaltung eingerüstet werden, weil Teile der Außenplatten abzufallen drohten. Eine Untersuchung im Auftrag der Stadt hat jetzt ergeben, dass die Natursteinfassade schwer beschädigt und nicht mehr verkehrssicher ist. Zudem ist Feuchtigkeit in den Beton eingedrungen, sodass Stahlteile innerhalb der Konstruktion korrodieren. Drei Varianten für eine Sanierung schlägt das Gutachten vor: Eine komplette Erneuerung innen und außen, die 35 bis 45 Millionen Euro verschlingt, eine Sanierung von Fassade und Dachflächen für 15 bis 20 Millionen Euro und eine dritte, nicht bezifferte Lösung, die notwendige Reparaturen mit technischer Modernisierung kombiniert.

„Das ist ein ganz saurer Apfel, in den wir da beißen müssen“, sagt SPD-Wirtschaftsfachmann Martin Hanske. Er bedauert, dass es einer Kommune verwehrt ist, ein denkmalgeschütztes Haus aus wirtschaftlichen Gründen abzureißen. Tatsächlich verpflichtet das Niedersächsische Denkmalschutzgesetz Kommunen zu „Erhaltungsmaßnahmen“ bei Baudenkmälern. „Wir würden das Geld lieber in Kitas, Straßen und Bäder stecken“, sagt Hanske. Dennoch müsse die Stadt ihrer „historischen Verantwortung“ gerecht werden. Kritischer äußert sich SPD-Baupolitiker Ewald Nagel. „Es darf keinen Denkmalschutz um seiner selbst willen geben“, sagt er. Zudem fordert er, dass die Bauarbeiten rascher beginnen sollten. Geplant ist bisher, dass ab 2018 die Sanierung startet. Die CDU fordert die Stadt auf, in Verhandlung mit der Denkmalschutzbehörde zu treten. „Es sind immer Kompromisse möglich“, sagt CDU-Vertreter Emmelmann. Für 45 Millionen Euro sei auch ein attraktiver Neubau drin.

„Spiegel des Zeitgeistes“

Nachgefragt bei Reiner Zittlau, Landesamt für Denkmalpflege.

Viele halten die Bauverwaltung eher für einen hässlichen Zweckbau. Warum steht sie unter Denkmalschutz?

Weil sie ein charakteristisches Gebäude für die Zeit des Wiederaufbaus ist. Man wollte damals keine historisierende Rekonstruktion. Hannover sollte als moderne Stadt neu erstehen. Und da wollte die Bauverwaltung mit gutem Beispiel vorangehen. So entstand ein bis ins Detail durchgestalteter Bau im Stil der 50erjahre-Moderne; ein Gegenpol zum benachbarten Rathaus. Das Gebäudeensemble ist teils drei, teils vier und teils acht Stockwerke hoch.

Zwang die Nachkriegsnot die Bauherren dazu, kleckerweise anzustückeln?

Nein, eine solche „Gruppierung baulicher Kuben“ war typisch für jene Zeit. Auch die Rasterfassade ist sehr schlicht und sachlich gehalten, betont nüchtern und unpathetisch. Darin spiegelt sich der Geist der damaligen Zeit. Ausgerechnet das Bauamt sitzt in einem zerbröselnden Haus.

War die Bausubstanz der Nachkriegszeit so schlecht?

Es ist völlig normal, dass ein stark frequentiertes Gebäude nach 60 Jahren instand gesetzt werden muss. Irgendwann sind Fußböden ausgetreten und Fassaden von Wind und Wetter gezeichnet. Doch aus denkmalpflegerischer Sicht lohnt sich diese Investition.

Interview: Simon Benne

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