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Aus der Stadt Maschsee-Mord: Polizei sucht in Wohnung nach Spuren
Hannover Aus der Stadt Maschsee-Mord: Polizei sucht in Wohnung nach Spuren
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15:12 30.11.2012
In diesem Haus soll der Tatverdächtige im Fall Andrea B. gelebt haben. Quelle: Michael Thomas
Hannover

Die Kriminaltechniker sind seit zwei Tagen fast ununterbrochen in dem Mehrfamilienhaus an der Hildesheimer Straße im Einsatz. In Schutzanzügen untersuchen sie die Wohnräume des 24-Jährigen und stellten bereits umfangreiches Spurenmaterial sicher, das nun im Labor ausgewertet werden muss. Die Ermittler erhoffen sich unter anderem Hinweise darauf, ob Andrea B. sich in der Wohnung ihres mutmaßlichen Mörders aufgehalten haben könnte.Die Staatsanwaltschaft prüft, ob sie heute weitere Details zum mutmaßlichen Täter mitteilt.

Alexander K. steht in Verdacht, die Drogenabhängige Andrea B getötet zu haben - die Kripo suchte Ende November 2012 nach Spuren in der Wohnung des Mannes.

K. sitzt derzeit im Gefängnis, weil er eine Geldstrafe wegen mehrfachen Schwarzfahrens nicht bezahlen konnte. Er hat sich bislang nicht zu den neuen Vorwürfen geäußert.

Außerdem konnte die Polizei die Identität der Person klären, die das Konto der Toten geplündert hatte. Dabei handelt es sich um eine 36-Jährige aus der Region. Die Ermittler können noch nicht sagen, ob eine Verbindung zwischen dem Tatverdächtigen und der Frau besteht. Unklar ist bislang auch, ob der Mann als möglicher Täter im Mordfall Monika P. infrage kommt, deren Leiche zu Beginn des Jahres 2010 zerstückelt am Ihme-Ufer entdeckt wurde.

Bei dem 24-Jährigen soll es sich nach HAZ-Informationen um Alexander K. handeln. Er ist bei der Polizei einschlägig bekannt. In der Vergangenheit ist er bereits wegen Gewaltdelikten und Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz zu mehrjährigen Freiheitsstrafen verurteilt worden. Nach Angaben der Polizei steht der Tatverdächtige rechtem Gedankengut nahe und neigt zu Gewaltphantasien. Im Internet veröffentlichte er Publikationen, Gedichte und Videos mit entsprechendem Inhalt. „In mir ist eine Bombe, die bald explodiert, die einfach nur hochgeht, egal was passiert“, heißt es beispielsweise in einem Text. Sich selbst bezeichnet K. im Netz als „kaputten Typ“ und als „seeehr seeehr kranken Mann“. Weiter berichtet der Mann, er habe im Heim, in Kliniken, auf der Straße und in Gefängnissen gelebt.

Ein Spaziergänger hat am Mittwoch eine Frauenleiche am Nordufer des Maschsees entdeckt.

Der entscheidende Hinweis auf den mutmaßlichen Täter ging am vergangenen Freitag bei der Polizei ein. Eine Frau setzte sich mit der Mordkommission in Verbindung, die die Fahnder auf die Spur des jungen Mannes brachte. Eigenen Angaben zufolge wurde er in Kiew geboren, wuchs in Minden auf, lebt aber bereits seit einigen Jahren in Hannover.

Für die Beamten der Mordkommission „Fackel“ beginnt jetzt die mühevolle Kleinarbeit. Denn weiterhin fehlt in diesem Fall das Motiv. Bereits am Donnerstag nahmen Beamte die Südstädter Wohnung des 24-Jährigen in der Hildesheimer Straße unter die Lupe, in der er seit drei Jahren leben soll. Sie untersuchten Keller und Garten und befragten Nachbarn. Diese berichteten der HAZ, dass Alexander K. bereits Hausbewohner bedroht habe; oft sei er im Garten beobachtet worden, wenn er mit Messern auf Bäume warf. Auch habe er sich häufig lautstark mit seiner Freundin gestritten.

In dem Haftbefehl für den Tatverdächtigen, der am Donnerstag vom Amtsgericht erlassen wurde, wird K. bislang nur Totschlag zur Last gelegt. „Wir haben bislang keine Hinweise auf irgendwelche Mordmerkmale, dazu wissen wir über den Hergang einfach noch zu wenig“, sagt Oberstaatsanwältin Irene Silinger. Bisher steht lediglich fest, dass Andrea B. mit einem Stich ins Herz getötet und dass die Zerstückelung der Leiche sehr professionell ausgeführt wurde. Keine Angaben machte Silinger zu der Frage, ob die Werkzeuge wie Maurerhammer, Bügelsäge und Winkelschleifer, die im Maschsee in der Nähe der Leichenteile entdeckt worden waren, dem mutmaßlichen Täter gehörten.

Im Fall des mysteriösen Leichenfundes im Maschsee ist die Kriminalpolizei einen großen Schritt weiter. Nach Polizeiangaben soll es sich bei der zerstückelten Leiche um die 44 Jahre alte Andrea B.aus Nordrhein-Westfalen handeln.

Ebenfalls nicht eingehen wollte die Oberstaatsanwältin auf das Verhältnis zwischen dem jungen Mann und der 36-Jährigen, die die ec-Karte der Toten benutzt hatte. Nach HAZ-Informationen hält sie sich ebenfalls regelmäßig in Hannovers Drogenszene auf.

Auch Andrea B. galt als langjährige Drogenabhängige. Sie war zuletzt am 27. Oktober gegen 20 Uhr lebend gesehen worden. Noch ist vollkommen unklar, was sie von diesem Zeitpunkt an unternommen und wo sie sich aufgehalten hat. Die 44-Jährige lebte erst seit dem Frühjahr in Hannover und war in einem Frauenhaus im Stadtteil Burg untergekommen. Geboren wurde B. im nordrhein-westfälischen Ibbenbüren. Dort leben heute noch ihre Angehörigen, die Mutter sowie ein Onkel. Andrea B. soll die Kleinstadt allerdings bereits vor mehr als 15 Jahren verlassen haben, weil sie sich mit ihrer Familie überworfen hatte. Anschließend soll sie lange Zeit in Bielefeld gelebt haben.

Tobias Morchner und Vivien-Marie Drews

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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