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Bund gibt Geld für ungewöhnliche Kirche

Matthäuskirche Bund gibt Geld für ungewöhnliche Kirche

Die Lister Matthäuskirche wird saniert – sie stammt von 1907, 1972 und 2007. Ausnahmsweise fördert sogar der Bund das ungewöhnliche Projekt, dessen Gesamtkosten 620.000 Euro betragen.

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Beeindruckende Architektur an der Matthäuskirche: Der Turm stammt von 1907, das Kirchenschiff von 19972, dazwischen befinden sich die Gemeinderäume von 2007.

Quelle: Conrad von Meding

Hannover. Diese Kirchensanierung wird ein bundesweites Pilotprojekt. Von April an wird die Fassade der Lister Matthäuskirche repariert. Ungewöhnlich daran: Obwohl es eine Kirche von 1907 ist, handelt es sich um eine Betonsanierung. Das Kirchenschiff war in einer der letzten Bombennächte Hannovers zerstört worden und entstand 1972 als imposante Betonarchitektur (Architekten Klaus und Gudrun Vogel aus Bemerode) neu. Stolz thront der Bau mit historischen und modernen Elementen an der Ecke Lister Kirchweg/Wöhlerstraße. Doch der kunstvoll gearbeitete Beton ist an vielen Stellen aufgeplatzt, die Stahlkonstruktion droht zu rosten. Deshalb soll der Bau und jetzt mit finanzieller Unterstützung des Bundes repariert werden. „Wir erhoffen uns Erkenntnisse, die für weitere Sanierungen von Betonkirchen dienlich sind“, sagte Architekt Matthias Wilkens am Freitag bei der Projektvorstellung.

„Es ist doch gut, dass nicht immer alles nach Bayern geht“

Insgesamt 620.000 Euro kostet die Sanierung. Den Löwenteil gibt mit fast 400.000 Euro die zuständige Landeskirche. „Aber ohne Zuschüsse von Landesdenkmalpflege und Bund wäre das nicht in einem Bauabschnitt durchführbar gewesen“, sagt Henrike Müller. Die Pastorin der 5800 Mitglieder starken Gemeinde sei dankbar, dass die Kirche instand gesetzt wird. Offenbar mit intensiver Unterstützung der Bundestagsabgeordneten Kerstin Tack (SPD) konnte Geld aus einem Sonderprogramm des Bundes freigemacht werden. „Es ist doch gut, dass nicht immer alles nach Bayern geht“, sagte die Politikerin jetzt bei der Übergabe des Förderbescheids. „Dass eine Bundesförderung nach Hannover geht, passiert nicht so häufig“, sagte Reiner Zittlau, beim Land Leiter der Abteilung Bau- und Kunstdenkmalpflege. Der Förderbescheid sei daher „ein Anlass zur Freude“. Das letzte Projekt, dass der Bund so gefördert hatte, war die Instandsetzung des Beginenturms.

Die Matthäuskirche soll bis zum Jahresende saniert sein. In Detailarbeit wird versucht, den kunstvoll gearbeiteten Beton nachzumodellieren. Die Lister Kirche ist schließlich in mehrfacher Hinsicht eine Besonderheit. Nach der Kriegszerstörung, die fast nur den Turm mit Eingangsportal übrig ließ, war zunächst eine der inzwischen berühmten Notkirchen von Otto Bartning installiert worden, wie sie heute noch etwa in Döhren steht. In den Siebzigern wurde sie durch einen voluminösen Betonbau ersetzt, der zwar brutal wirkt, dabei aber viel Würde ausstrahlt. Das Ehepaar Vogel hat den Leichtbeton der Wände mit Zuschlägen aus Blähschiefer, granulierter Hochofenschlacke und Hüttensand veredelt, sodass sie aus Entfernung wie Tuffstein aussehen. Dann hat ein Steinmetz Quadratmeter für Quadratmeter bearbeitet und eine raue Oberfläche geschaffen.

Ein Geheimtipp unter Denkmalpflegern

Der großzügige Kirchenraum bietet viel Platz: Bei der Langen Nacht der Kirchen wird regelmäßig die Tanzkirche ausgerichtet, beim Internationalen Weihnachtsfest speisen dort 500 Menschen, zuweilen dient der Sakralraum auch als Kinokirche. Allerdings müssten die Betonabplatzungen jetzt dringend saniert werden, sagt Denkmalpfleger Rocco Curti: Wenn die Reparaturen verschleppt würden und der Stahl im Beton roste, dann sei irgendwann die Stabilität des Gebäudes gefährdet.

Mit dem Betonraum von 1972 war der Kirchenbau am Lister Kirchweg nicht abgeschlossen. Als 2007 das Gemeindehaus aufgegeben wurde, konstruierte das Architekturbüro Wölk-Wilkens einen dritten Bauabschnitt, in dem sich jetzt auf mehreren Etagen zwischen Turm und Kirchenschiff Gemeinderäume befinden. Dieses „dreiphasige Denkmal“, so Zittlau, sei ein besonderes architektonisches Kleinod: „Es ist ein Geheimtipp unter Denkmalpflegern – und wir würden uns freuen, wenn sich noch mehr Besucher an diesem Gebäude erfreuen können.“     

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Johanneskirche wird abgerissen

In der List steht offenbar der Abriss der Johanneskirche in der Bothfelder Straße bevor. Das Gebäude ist nach der Gemeindefusion zur Johannes- und Matthäuskirchengemeinde 2006 übrig. Nach Angaben von Pastorin Henrike Müller sind die Pläne für eine Nachnutzung des Grundstücks überarbeitet worden. Das Nachkriegsgebäude, das der hannoversche Architekt Professor Günther Kokkelink (1932–2013) zusammen mit Architekt Albert Schmidt-Kirsch geplant hat, sollte ursprünglich erweitert werden. Stattdessen ist nun wohl ein Neubau geplant. Von Kokkelink, der an Hannovers Architekturfakultät lehrte und sich vehement gegen Abrisse aussprach, ist in Hannover nur noch ein Wohnheim an der Otto-Brenner-Straße erhalten.

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