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Aus der Stadt Abpfiff für die Blaskapelle
Hannover Aus der Stadt Abpfiff für die Blaskapelle
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00:15 06.07.2013
Von Gunnar Menkens
Nach Vorschlag von Matthias Waldraff spielen bald Blasorchester in der HDI-Arena. Quelle: Fotomontage / Archiv / dpa
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Hannover

Trotzdem: Waldraffs Vorschlag, nicht „einer kleinen Minderheit von Ultras die Vorherrschaft über die Stimmung zu überlassen“ und eine „Gegenkultur“ mit Spielmannszügen zu entwickeln, findet keine Unterstützung. Auf diesem Spielfeld steht er allein.

Keine Überraschung ist dabei, dass sich Hardcore-Fans unter den 96-Anhängern über die Idee lustig machen. Waldraff gilt einem Internetuser schon als hannoverscher Peer Steinbrück, der durch möglichst komische Vorschläge seine Wahl im Grunde verhindern wolle. Ein anderer Schreiber schlägt vor, den Familienblock mit der Titelmelodie von „Manni, der Libero“ zu beschallen. Es handelt sich um eine Fernsehserie von 1981, in der es der Heranwachsende Manni bis zum Jugendnationalspieler bringt. Wem dieser Spott zu unsachlich ist, kann auf die Kritik von Gunter A. Pilz zurückgreifen. Der hannoversche Sportsoziologe sagt knapp: „Waldraff hat keine Ahnung von Fankultur in diesem Stadion, sein Vorschlag ist dilettantisch und populistisch.“ Die Fans würden für Stimmung sorgen, und die übrigen Zuschauer wollten das auch so.

Im Stadion selbst sieht Geschäftsführer Thorsten Meier den Vorstoß des CDU-Kandidaten mit dem kühlen Blick des Ökonomen. Er will möglichst viele Plätze auf den Rängen verkaufen, statt sie für Musikgruppen zu reservieren, und er sorgt sich um die Kundenzufriedenheit von Zuschauern, die um solche Kapellen herum sitzen müssten. „Was sagen die denn dann?“ Meier hält es mit Pilz: Fangesänge machten Emotionen beim Fußball aus, sie seien es, die die eigene Mannschaft anfeuerten.

Früher galten Blaskapellen als Pausenunterhaltung

Völlig neu wären Blaskapellen im Stadion indes nicht. Etwa in der Zeit von Manni, dem Libero, und etlichen Folgejahren zogen in mancher Halbzeit Musikkorps von Polizei und Feuerwehr Runden über damals vorhandene 400-Meter-Tartanbahnen. Das galt als Pausenunterhaltung und stammte aus einer Zeit, als selbst lahme Ergebnistafeln mit starren Bildern wie Zauberwürfel erschienen. Stadionchef Meier erinnert daran, dass das Programm in der Arena durchgeplant und mit Sponsoren abgestimmt ist.

Am Dienstag präzisierte Matthias Waldraff seine Idee. Offenbar sei bei vielen der Eindruck entstanden, er treibe die Menschen mit lärmenden Spielmannszügen aus dem Stadion. Die Kapellen „oder auch die Musikhochschule, es gibt viele Möglichkeiten“, sagt er, sollen natürlich auf freien Plätzen stehen, dort, wo andere Zuschauer nicht betroffen sind. Was ihm nicht gefällt, ist, wenn Ultras im Stadion zu schweigen beschließen, Hassparolen singen oder der Mannschaft den Rücken kehren. Er baut auf das andere Hannover. Aber Stimmung im Stadion machen und nicht stören, das scheint auch für versierte Musiker nicht leicht. Der Präsident des hannoverschen Schützenverbandes, Paul-Eric Stolle, kennt sich aus mit Spielmannszügen: „Um ein Stadion zu beschallen, ist ein gewaltiger Klangkörper nötig. 15 Leute reichen da nicht.“

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