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Krisenhelfer stehen Familien kranker Kinder zur Seite

Medizinische Hochschule Hannover Krisenhelfer stehen Familien kranker Kinder zur Seite

Es gehört wohl zu den schlimmsten Dingen, die einer Familie passieren können: Das eigene Kind ist lebensbedrohlich erkrankt oder bereits mit schweren Schäden zur Welt gekommen. Mit einem Kriseninterventionsnetzwerk will die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) den Angehörigen noch sensibler helfen.

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„Eltern nicht auf dem Flur aufklären“: Dr. Florian Schmidt (links) im Gespräch mit den Eltern seiner kleinen Patientin Charlotte.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover. Die medizinische Versorgung der kleinen Patienten ist an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) längst auf hohem Niveau, die persönliche Kommunikation mit den Angehörigen kam allerdings im aufreibenden Klinikalltag oftmals zu kurz. Ein bundesweit einmaliges Projekt soll nun der Wut, Angst und Hilflosigkeit verzweifelter Eltern, deren Kind auf der Intensivstation liegt, emphatisch begegnen. Gemeinsam mit der MHH und dem Pädriatischen Intensiv-Netzwerk hat der Verein Kleine Herzen Hannover das Programm „Kriseninterventionshelfer im klinischen Einsatz“ ins Leben gerufen, um betroffene Angehörige besser zu betreuen.

Pressegespräch in der MHH - Sie haben keine Berechtigung dieses Objekt zu betrachten.

„Wir wollen ein bisher einzigartiges psychosoziales Kriseninterventionsnetzwerk für schwer erkrankte Kinder und deren Familien aufbauen“, betont Michael Sasse, leitender Oberarzt der MHH-Kinderintensivstation. Zwei Kurse mit 30 Teilnehmern wurden bereits abgeschlossen. „Wir behandeln rund 1200 kleine Patienten im Jahr, 400 davon als Notfälle“, betont Sasse. Dabei gebe es sowohl Todesfälle als auch Verletzungen, die zu Schwerstbehinderungen führten. „Das ist für die Familien eine extrem einschneidende Veränderung und Erfahrung“, sagt Sasse. Die Gespräche mit den Angehörigen seien daher ungemein wichtig. Auch das Personal sei stark belastet und könne mithilfe der Kurse professioneller mit den schwierigen Situationen umgehen.

Besonderes Augenmerk bei den Helfern in seelischer Not liegt dabei auf Patienten und Familien mit Migrationshintergrund, rund 40 Prozent der kleinen Patienten gehören derzeit in diese Gruppe. „Das Projekt Krisenintervention funktioniert allerdings nur im Team, die Ärzte und Pflegekräfte sollen davon ebenso profitieren wie die Patientenfamilien“, sagt Initiatorin Ira Thorsting von den Kleinen Herzen. Schlimme Diagnosen müssten professioneller vermittelt werden, auch Geschwisterkinder sollen mit einbezogen werden. „Eltern dürfen nicht auf dem Flur aufgeklärt werden“, betont auch MHH-Präsident Christopher Baum. Auch wenn es nicht um Leben und Tod ginge, sei die Anspannung für die Eltern meist unerträglich.

Richtig zuhören und hinterfragen

MHH-Medizinerin Carolin Böhne hat bereits einen viertägigen Kurs absolviert. „Ich habe da in erster Linie gelernt richtig zuzuhören und zu hinterfragen, ob der andere wirklich versteht, was ich vermitteln möchte.“ Darüber hinaus sei es wichtig zu erfahren, wie man als Ärztin selber mit so einer schwierigen Situation umgehen könne. „Damit auch wir nicht an den vielen schlechten Nachrichten zerbrechen“, so Böhne.

In einem weiteren Schritt soll nun ein nachhaltiges Netzwerk von Krisenhelfern entstehen, um betroffenen Familien auch am Heimatort weiterhelfen zu können. Für die ersten drei Jahre kostet das Projekt rund 200 000 Euro, die größtenteils von den „Kleinen Herzen“ finanziert werden. Unterstützung kommt zudem vom Bundesverband Herzkranke Kinder, wenngleich die Krisenhelfer für alle schweren Erkrankungen als Ansprechpartner fungieren sollen. Und schließlich setzt sich Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic für die verlässliche Betreuung von Angehörigen schwerkranker Kinder ein.

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