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Mehr Flüchtlinge verlassen freiwillig die Region

Region plant Rückkehrerprogramm Mehr Flüchtlinge verlassen freiwillig die Region

In Hannovers Stadtgebiet und dem Umland hat sich die Zahl der Flüchtlinge, die freiwillig in ihre Heimat zurückkehren, innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt. Darauf reagiert nun auch die Region und will ihnen mit einem Rückkehrerprogramm Perspektiven bieten.

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Immer mehr Flüchtlinge in der Region kehren in ihre Heimat zurück.

Quelle: dpa (Symbolbild)

Hannover. In Hannover-Stadt und in den Umlandkommunen hat sich die Zahl der Flüchtlinge, die freiwillig in ihre Heimat zurückkehren, innerhalb eines Jahres deutlich mehr als verdoppelt. Während 2015 nur 356 Rückkehrer aus Stadt und Umland diesen Weg wählten, waren es von Anfang 2016 bis jetzt schon 817. Die Zahl der freiwilligen Rückkehrer lag damit erheblich über der Zahl der Abschiebungen: 223 Menschen aus der Region mussten Deutschland von Anfang 2016 bis jetzt zwangsweise verlassen. 2015 waren noch 184 gewesen. Die meisten Rückkehrer sind nach Angaben der Region Balkanflüchtlinge, die aus sicheren Herkunftsländern stammen und in Deutschland nur eine geringe Chance auf Asyl haben.

Eine Konsequenz: Die Regionsverwaltung entwickelt zur Zeit ein eigenes Rückkehrerprogramm. Menschen, die freiwillig zurückkehren, sollen in Beratungen nicht nur Perspektiven für den Aufbau einer Existenz im Heimatland aufgezeigt werden. Mithilfe von Muttersprachlern, die die Situation in Deutschland und im Herkunftsland kennen, soll auch nach der Rückreise bis zu einem Jahr der Kontakt gehalten und so die Re-Integration erleichtert werden. Der Vorrang der freiwilligen Ausreise vor der zwangsweisen sei der Behörde wichtig, sagte Regionssprecherin Carmen Pförtner gestern. Finanzielle Anreize wird es offenbar nur am Rande geben: Es werde über Reisekostenzuschüsse und kleine Starthilfen nachgedacht.

Entnervt vom Asylverfahren

Das Rückkehrer-Programm soll künftig Basis für die Arbeit der Ausländerbehörde sein, sagt Pförtner. Zur Finanzierung wollte sie keine Angaben machen. Geplant ist, das Programm im Herbst fertigzustellen und dann der neuen Regionsversammlung zu präsentieren. Kooperationspartner seien die AWO und das Raphaelswerk des Caritasverbandes.

Grund für die gestiegene Zahl der Rückkehrer sind nach Angaben von Magdalena Kruse vom Raphaelswerk neben der fehlenden Bleibeperspektive auch Verschärfungen der Asylpolitik des Bundes. Der von der Bundesregierung inzwischen beschränkte Familiennachzug spiele eine Rolle. Manche Klienten hätten Frau und Kind zurücklassen und gingen jetzt aus Angst um die alleingelassene Familie zurück. Andere seien entnervt von der Dauer ihrer Asylverfahren oder hätten schlicht Heimweh. Zudem würden Abschiebungen nicht mehr angekündigt. Die Menschen seien danach mit einem 30-monatigen Einreisestopp belegt. Die Rechnung für die Abschiebung - zwischen 3000 und 4000 Euro - müssten die zwangsweise Ausgewiesenen tragen. Die „Freiwilligkeit“ sei deshalb teilweise eine fragwürdige, kritisierte Kai Weber vom Flüchtlingsrat Niedersachsen gestern.

Stadt und Regionsverwaltung haben eigene Ausländerbehörden. Die Zahl der freiwilligen Rückkehrer ist im Umland mit 608 (Vorjahr: 163) stärker gestiegen als in der Stadt mit 209 (Vorjahr: 193). Bei den Abschiebungen waren es in der Stadt Hannover in diesem Jahr bisher 70 (Vorjahr: 94), im Umland 153 (Vorjahr: 90).

Reisekosten und Starthilfen für Rückkehrer

Durch das bundesweite Programm REAG/GARP wird die Rückkehr von Flüchtlingen auch bislang schon teilweise finanziell unterstützt. Voraussetzung ist nach Angaben eines Sprechers aus dem Innenministerium die Mittellosigkeit der Rückkehrer. Die Bedingungen unterscheiden sich nach Angaben von Magdalena Kruse vom katholischen Raphaelswerk allerdings erheblich. So bekommen Syrer keinerlei finanzielle Unterstützung, weil die Rückkehr in Kriegsgebiete prinzipiell nicht unterstützt wird. Aus den Westbalkanstaaten bekommen Geflüchtete in der Regel nur ihr Reiseticket bezahlt. Darüber hinaus gibt es verschiedene Hilfsprogramme, die Rückkehrern eine geringe finanzielle Unterstützung gewähren.

Darunter sind Reisebeihilfen in Höhe von 200 Euro, bei Kindern unter zwölf Jahren die Hälfte. ?Staatsangehörige mancher Länder können überdies mit einer Starthilfe rechnen. Wer beispielsweise nach Afghanistan zurückkehrt, der erhält 500 Euro, ein Kind unter zwölf Jahren 250 Euro. Wer hingegen in den Sudan zurückkehrt erhält 300 Euro, ein Kind unter zwölf erhält 150 Euro.

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