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Mehr Respekt für Gartenfriedhof gefordert

HAZ-Interview Mehr Respekt für Gartenfriedhof gefordert

Die Initiative Renaissance Gartenfriedhof, die dem historischen Friedhof an der Marienstraße im öffentlichen Bewusstsein wieder die kulturhistorische Bedeutung zurückgeben will, feiert heute die zwölfte Patenschaft. Seit Jahren residiert auf der Fläche eine Gruppe von Drogenabhängigen, die sich wenig zurückhaltend gebiert.

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Dieter Zinsser möchte die öffentliche Aufmerksamkeit auf den Renaissance Gartenfriedhof richten.

Quelle: dimi anastassakis

Hannover. Dieter Zinsser war im Berufsleben Vorsteher der Henriettenstiftung, Landessuperintendet in Osnabrück und Prior des Klosters Loccum. Er ist Sprecher der 2010 gegründeten Initiative Renaissance Gartenfriedhof.

Herzlichen Glückwunsch, Herr Zinßer: Sie haben das Dutzend voll!

Das stimmt, heute feiern wir die zwölfte Patenschaft für ein historisches Grab auf dem Gartenfriedhof. Wir sind sehr froh, dass wir als Verein mit den Veranstaltungen immer wieder eine öffentliche Aufmerksamkeit auf den schönen Friedhof richten konnten. Diese Aufmerksamkeit spiegelt sich auch deutlich wider in den Nachfragen von Menschen, die sich engagieren wollen. Für das nächste Jahr haben wir schon zehn weitere Anfragen.

Aber bei der Lösung Ihres ursprünglichen Problems, den Trinkgelagen auf dem Friedhof, hat Ihnen diese öffentliche Aufmerksamkeit offenkundig noch nicht so geholfen, oder?

Na ja, natürlich war unsere Hoffnung, dass wir möglichst bald eine normale, ausbalancierte Nutzung für diese denkmalpflegerisch ungemein wichtige Fläche erreichen. Der Gartenfriedhof hat Respekt verdient. Man muss immer wieder daran erinnern: Es ist keine Wiese, kein normaler Park und auch kein Bahnhofsvorplatz. Heute zum Beispiel war auf der Denkmalsanlage wieder ein Treffen etlicher Menschen von 7.30 Uhr am Morgen bis in den späten Nachmittag hinein, mit Alkohol und härteren Drogen, mit öffentlichem Urinieren und lautem Krakelen. Stellen Sie sich vor: Der 96-Fußballer Huszti hat eine Rote Karte bekommen, weil er im Stadion mit nacktem Oberkörper vor Freude zum Publikum gelaufen ist. Hier haben sich an den schönen Sommertagen Rüpel mit nacktem Oberkörper auf das Grab des Loccumer Abts Johann Cristoph Salfeld gelegt - und niemand schreitet ein.

Sie könnten einschreiten.

Ich bin in dem Fall tatsächlich hingegangen und habe meine Meinung gesagt. Der Mann hat mich aber gar nicht verstanden. Diese Leute glauben, der Gartenfriedhof sei ein Park wie jeder andere. Letztens hat ein Rentner die Trinkergruppe wütend zurechtgewiesen - die haben ihn angepöbelt und ihm sogar einen faustgroßen Stein hinterhergeworfen. Glücklicherweise haben sie nicht getroffen. Aber es ist schon absurd, dass die Stadt uns Bürgern zumutet, mit solchen Menschen über die Probleme zu reden, die ihre nicht zu überhörende und zu übersehende Anwesenheit schafft.

Immerhin hat die Stadt eine provisorische Toilette aufgebaut und eine Moderation durch Mitarbeiter des in solchen Fragen versierten Karl-Lemmermann-Hauses angeschoben.

Wir wollen aber gar keine Toilette hier. Es gibt eine öffentliche Toilette am Aegi, dort können normale Besucher des Friedhofs hingehen. Diese Gruppen aber, die dauerhaft hier auf dem Friedhof verweilen, sollten nicht auch noch eine Toilette erhalten. Dies ist nicht der richtige Ort für die psychosoziale Betreuung von Methadonabhängigen. Hier sind Menschen beerdigt, die eine Grabstätte auf Ewigkeit erworben haben. Sie haben es nicht verdient, dass auf ihre Gräber uriniert wird.

Wie geht es denn weiter?

Als Oberbürgermeister Stephan Weil selbst eine Patenschaft übernommen hat, da hat er den Friedhof ein Kleinod genannt. Wir haben das Gefühl, dass die städtischen Fachbereiche die Probleme gerne lösen würden, aber vielleicht nicht immer konsequent genug an der Umsetzung ihrer Konzepte arbeiten. Immerhin wurde am Donnerstag ein Hinweisschild aufgestellt, das den Friedhof als Friedhof ausweist. Die Stadt lässt ein denkmalpflegerisches Zielkonzept und Ideen für die Aufwertung der Grünflächen erstellen. Wir sind hoffnungsvoll, dass wir zu einer Balance der Nutzung kommen, die dieser bedeutenden Fläche angemessen ist.

Interview: Conrad von Meding

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