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Ganztagsschulen Mehr als ein Ort zum Lernen

Honorarkräfte sollen Grundschüler in Ganztagsschulen an den Nachmittagen betreuen. Der Kita-Stadtelternrat betrachtet die Pläne der Stadtverwaltung mit Skepsis.

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Nachmittage in der Heinrich-Wilhelm-Olbers-Grundschule: Unter anderem steht Sport auf dem Programm.

Quelle: Kleinschmidt

Die Stadt kann bisher für rund 27,5 Prozent der Grundschüler eine Nachmittagsbetreuung in Horten und ähnlichen Einrichtungen anbieten. Wenn zum Schuljahr 2012/2013 voraussichtlich 21 Grundschulen von 7 bis 17 Uhr öffnen, könnte die Betreuungsquote auf fast 50 Prozent steigen. Besonders charmant daran sei, dass den Eltern an der Ganztagsschule bis auf das Mittagessen und eventuelle Ferienbetreuung keine Kosten entstehen, sagt Schuldezernentin Marlis Drevermann. „Das ist eine wichtige Weichenstellung, damit wir Kinder erreichen, deren Eltern zusätzliche Bildungsangebote sonst nicht ohne Weiteres annehmen würden.“

Die Ganztagsschulen sollen Mittagessen bieten, Hilfe bei den Hausaufgaben, individuelle Förderung und Freizeitangebote in Sport, Musik, Kunst und Theater. Das doppelte Budget von Stadt und Land soll zukünftig ausreichen, Kinder auch an fünf Tagen zu betreuen. Die Stadt will bis zu 70.000 Euro pro Jahr und Schule zahlen, damit jeweils zwei Sozialarbeiter auf halber Stelle die Honorarkräfte koordinieren und feste Ansprechpartner für die Kinder sind. In Vorgesprächen haben freie Theater, die Musikschule und Sportvereine Interesse gezeigt.

Grundschulen, die bereits „Schule im Stadtteil“ sind, haben bei einer Bewerbung Vorrang. Außerdem sind solche Schulen im Vorteil, die in einem sozialen Brennpunkt liegen oder die einen deutlichen Mangel an Hortplätzen haben.

Doch es bleiben Fragen offen. Kommt es nicht zu einer Schieflage, wenn Eltern in manchen Stadtteilen zukünftig weiter bis zu 244 Euro plus Essensgeld für einen Hortplatz bis 18 Uhr (oder 165 Euro bis 17 Uhr) im Monat zahlen? Und können sich auf der anderen Seite Eltern auf die Betreuung in der Ganztagsschule tatsächlich verlassen? Susanne Klyk vom Kita-Stadtelternrat sieht die Pläne der Stadtverwaltung mit gemischten Gefühlen. „Wir Eltern reißen uns sicher nicht darum, Hortgebühren zu zahlen.“ Doch die bisherigen Modelle an Grundschulen ließen zu wünschen übrig. Gehen die Kinder ohne Begleitung zu Angeboten außerhalb der Schule? Oder sitzen sie den ganzen Tag auf ihren Schul-stühlen? Gibt es eine feste Bezugsperson, zu der die Kinder mit Problemen kommen können? Und wer betreut da eigentlich die eigenen Kinder? „Wir müssen da sicher genau auf die Qualität achten.“

Im August 2010 beginnen zunächst sechs neue Grundschulen mit Ganztagsprogramm, das von der Stadt finanziell aufgestockt wird. Die Grundschule Alemannstraße (Vahrenwald), die Gebrüder-Körting-Schule (Badenstedt), die Kurt-Schumacher-Schule (Anderten) und die Grundschule Lüneburger Damm (Heideviertel) haben bereits als „Schule im Stadtteil“ erste Erfahrungen mit Nachmittagsbetreuung gemacht. Außerdem starten die Hinrich-Wilhelm-Kopf-Schule (Kleefeld) und die Grundschule Wasserkampstraße (Kirchrode), die bei der umfassenden Sanierung auch für den Ganztagsbetrieb ausgebaut wird.

In der Heinrich-Wilhelm-Olbers-Grundschule sammeln Lehrer, Eltern und Kinder seit diesem August Erfahrungen als offene Ganztagsschule. Von 197 Schülern machen 119 beim Nachmittagsprogramm mit, die meisten an drei bis vier Tagen in der Woche. „Sehr viele Eltern benötigen aber an fünf Tagen Betreuung für ihr Kind“, sagt Schulleiterin Regine Hempel-Mähler. Dass das Land statt Lehrern zunächst ein Budget für Honorarkräfte bereitstellt, sieht die Schulleiterin keineswegs als Nachteil. „Die Kompetenzen der Mitarbeiter sind so sehr breit gefächert.“ Tennis und Fußball spielen lernen die Kinder von spezialisierten Trainern aus Vereinen. Trommeln unterrichtet ein Musiker, der selbst längere Zeit in Afrika gelebt hat.

Nachmittagsprogramme in Schulen

Bisher bieten fünf städtische Grundschulen Ganztagsangebote: Eichendorffschule, Egestorffschule (beide in Linden), Heinrich-Wilhelm-Olbers-Grundschule und Grundschule Suthwiesenstraße (beide seit 2009 in Döhren). Die Albert-Schweitzer-Schule in Linden kombiniert seit 2004 in einem Modellprojekt Ganztagsschul- mit Hortbetreuung. Die in den vergangenen fünf Jahren vom Land genehmigten Ganztagsschulen ergänzen den Vormittagsunterricht an mindestens drei Tagen am Nachmittag mit Unterrichts-, Förder- und Freizeitangeboten. Die Teilnahme ist freiwillig. Mit der Anmeldung verpflichten die Kinder sich für ein Halbjahr oder Schuljahr und nehmen an einem oder mehreren Tagen pro Woche an Aktivitäten teil.

Das Land stellt zunächst keine Lehrer zur Verfügung. Die Schulen können mit einem Budget Honorarkräfte bezahlen und sollen mit Vereinen kooperieren. Die Stadt hat außerdem das Programm „Schule im Stadtteil“ mit aktuell 13 Grundschulen entwickelt. Auch hier bekommen die Kinder Bildungsangebote am Nachmittag in Kooperation mit Musikschule, Sport- und Kulturvereinen. Die Stadt zahlt je nach Nachfrage und Größe der Schule 25.000 bis 40.000 Euro Budget pro Jahr. Das Programm gilt als Vorstufe zur Ganztagsschule.

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Ausbau
Die Albert-Schweitzer-Schule hat bei dem Wettbewerb für Ganztagsschulen „Zeigt her eure Schule“ - Qualität im Alltag den vierten Platz belegt. Zukünftig sind Schulmensen noch gefragter.

Die Stadt will die Zahl von Grundschulen mit Ganztagsbetreuung deutlich erhöhen. Bis zum August 2012 sollen 21 der 56 städtischen Grundschulen an bis zu fünf Tagen verlässliche Betreuungsangebote bis 17 Uhr machen.

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  • Teurer als Hort Georg Weil – 24.10.09 Diese Form von Pseudo-Ganztagsschule kommt viele Eltern teuer zu stehen!

    Wer nur über ein niedriges Einkommen verfügt, der erhält in den Kindertagesstätten Hannovers entsprechend der geltenden Entgeltstaffel einen so genannten „Freiplatz“. Es fallen zwar dreißig Euro Essensgeld je Monat an, aber hier gilt immerhin eine Geschwisterregelung nach der nur für das erste Kind das Essensgeld zu entrichten ist.
    In der geplanten „Schule im Stadtteil – Grundschule“, die jetzt geplant ist, steigert sich das Essensgeld auf 2,50 Euro pro Tag, dass sind 55 Euro im Monat, es gilt keine Geschwisterregelung und für die Ferienbetreuung, die im Hort selbstverständlich inklusive ist, werden weitere Gebühren fällig.
    Beispiel: Eine Familie mit niedrigem Einkommen, mit drei Kindern, von denen zwei einen Hort besuchen und eines den Kindergarten, würde dann, wenn die Grundschulkinder eine „Schule im Stadtteil – Grundschule besuchten“ statt mit bisher 30 Euro dann mit 140 Euro im Monat belastet werden. Dazu kämen die Kosten für die Ferienbetreuung.
    Die Eltern erhalten dafür eine Pseudo-Ganztagsschule, die wesentlich auf die ehrenamtliche Mithilfe der Eltern angewiesen sein wird, so dass die gleichzeitige Berufstätigkeit erschwert wird.
    Daher ist es völlig unverständlich wie die zuständige Kulturdezernentin, Frau Drevermann, so von der „Schule im Stadtteil-Grundschule“ sprechen kann: „Besonders charmant daran sei, dass den Eltern an der Ganztagsschule bis auf das Mittagessen und eventuelle Ferienbetreuung keine Kosten entstehen, sagt Schuldezernentin Marlis Drevermann.“
    Aber wer mit Theater-Freikarten für die Oberschicht um sich wirft, der hat möglicherweise die kleinen Leute nicht so recht im Blick. Eine Schande eigentlich oder symptomatisch für die SPD?

    Georg Weil (Kindertagesstätten-Stadtelternrat)
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