„Das ist unglaublich und ehrt mich sehr. Aber ein wenig habe ich auch ein schlechtes Gewissen – es gibt doch so viele andere, die mehr geleistet haben als ich“, meint die gebürtige Hannoveranerin bescheiden. Der Rat der Landeshauptstadt sieht das indes anders und will noch vor der Sommerpause beschließen. Mit der Umbenennung in Erika-Fisch-Stadion, übrigens ein Vorschlag vom Stadtsportbund, wollen die Politiker die ehemalige deutsche Leichtathletin und Olympiateilnehmerin ehren. In den fünfziger und sechziger Jahren war Fisch im Weitsprung, im 80-Meter-Hürdenlauf und als Staffelläuferin für die Bundesrepublik Deutschland erfolgreich gestartet.
Bei der Europameisterschaft 1962 gewann die Spitzensportlerin gleich zwei Medaillen: Im 80-Meter-Hürdenlauf wurde sie in 10,6 Sekunden Dritte, und als Startläuferin belegte sie zusammen mit Martha Pensberger, Maren Collin und Jutta Heine mit der Vier-mal-100-Meter-Staffel Platz zwei (44,6 Sekunden). Im Weitsprung belegte sie bei der Europameisterschaft 1954 mit 5,81 Metern Platz vier, bei den Olympischen Spielen 1956 mit 5,89 Metern Platz vier und bei der Europameisterschaft 1958 mit 5,72 Metern Platz zwölf.
Sportlich war Erika Fisch schon immer: „Ich habe ganz klassisch mit Kinderturnen angefangen.“ Sie nahm an Schwimmwettkämpfen teil, („das war mir aber zu kalt, zwischendurch immer am Beckenrand rumzusitzen“), sie turnte, („da kam ich aber irgendwann nicht mehr weiter“), bis schließlich bei den Bundesjugendspielen ihr Weitsprungtalent entdeckt wurde. „Da ich wohl eine ein bisschen bessere Sprungkraft als andere hatte, bin ich aufgefallen.“ Fortan trainierte Fisch nicht nur selbst in der Leichtathletik, sie wurde auch als Trainerin eingesetzt.
1955 flog Erika Fisch nach Japan, um dort die Damenmannschaft sportlich anzuleiten. „Das ging ja ganz gut, die hatten die gleiche Größe wie ich“, erinnert sich die damals 1,54 Meter kleine und 48 Kilogramm leichte Frau, die von Vereinskameraden liebevoll „Fischi“ genannt wurde. „Im Vergleich zu den anderen Sportlerinnen war ich zwar klein, aber es hat ja immer irgendwie gereicht“, sagt sie. Dass Erika Fisch als Sportlerin dennoch eine ganz Große wurde, bewiesen ihre Erfolge in den fünfziger und sechziger Jahren. War sie zunächst aufgrund der Evakuierung für den Verein MTV Osterode gestartet, vertrat sie von 1956 an Hannover 96.
Auch heute noch verfolgt Erika Fisch voller Interesse Leichtathletikwettkämpfe. In diesem Jahr will sie zur Weltmeisterschaft nach Berlin fahren, wenn es ihr Gesundheitszustand zulässt: Erika Fisch leidet an Parkinson. Was sie jungen Menschen wünschen würde, die sich für Sport interessieren? „Sie sollten begeistert dabeibleiben, nicht sofort aufgeben – und vor allen Dingen auch von ihren Eltern unterstützt werden.“
von Heike Schmidt
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