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Aus der Stadt Diese Einbruchsstatistik für Hannover verzerrt die Realität
Hannover Aus der Stadt Diese Einbruchsstatistik für Hannover verzerrt die Realität
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00:17 06.03.2018
Wo wird in Hannover am häufigsten eingebrochen?  Quelle: Silas Stein
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Hannover

 Lange hat es gedauert, bis die Polizeibehörde die seit Jahren geforderte regionalisierte Statistik vorgelegt hat – wenigstens für Wohnungseinbrüche und wenigstens auf Stadtbezirksebene. Das Ergebnis aber ist nicht nur unbefriedigend, sondern es verzerrt. Das geht besser, und Verbesserungen sind wirklich dringend nötig. 

Nehmen wir uns als Beispiel die Stadtbezirke Vahrenwald-List und Ahlem-Badenstedt-Davenstedt. Für beide zeigt die amtliche Statistik etwa gleichviele Einbrüche im Jahr 2017 an: einmal 96, einmal 98 Einbrüche. Diese Zahlen aber sind trügerisch. Denn Vahrenwald-List, Hannovers bevölkerungsreichster Stadtbezirk, hat gut 70.000 Einwohner, Ahlem-Badenstedt-Davenstedt hingegen gerade mal knapp 34.500, also etwa die Hälfte. Das Risiko, im Südwesten der Stadt Opfer eines Wohnungseinbruchs zu werden, ist also doppelt so hoch wie in dem innenstadtnahen Vahrenwald-List – was die amtlichen Zahlen aber geradewegs verschleiern. Will man das?  

Die Daten einer (Kriminal-)Statistik ins Verhältnis zu den Einwohnerzahlen zu setzen gehört zu den simpelsten Grundlagen. Hätte man es getan, dann würde schnell klar, wie kritisch die Situation etwa in Bothfeld-Vahrenheide ist. Der Stadtbezirk weist mit 199 Einbrüchen ohnehin die größte Deliktzahl der Stadt auf, hat aber nur knapp 40.000 Einwohner. Das Risiko, Opfer eines Einbruchs zu werden, ist also viermal höher als in Vahrenwald-List. Auch die 149 Delikte in Kirchrode-Bemerode-Wülferode lesen sich mit anderer Dramatik, wenn man weiß, dass dies mit knapp 32.000 Einwohnern der kleinste Stadtbezirk Hannovers ist.  

Seit 2012 erhebt Hannovers Polizeidirektion die Kriminalitätsdaten auf Stadtteilebene. Und genauso lange ziert sie sich mit immer neuen Begründungen, sie zu veröffentlichen. Andere Städte sind da längst weiter – und transparenter. Auch in Hannover würde man die Informationen endlich gerne auf Stadtteilebene sehen, nicht nur auf Stadtbezirksebene. Denn wahrscheinlich ist es ein Unterschied, ob man in Isernhagen-Süd oder dem Sahlkamp Angst vor Einbrechern hat – aber genau diese Stadtteildaten gehen im Brei des Bezirks Bothfeld-Vahrenheide unter. 

Wer die Menschen zu Prävention bewegen will, tut gut, mit Informationen möglichst transparent umzugehen. Für Hannovers Polizeistatistik heißt das: nacharbeiten!

Von Conrad von Meding

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