Weil die Beteiligten sich nicht über eine Finanzierung des sogenannten Kombitickets einigen konnten, müssen Messegäste das erste Mal seit zehn Jahren wieder Fahrscheine kaufen, wenn sie mit Stadtbahn oder Bus zur Messe fahren. Im Messeverkehr, der vor allem morgens ein Stoßgeschäft ist, droht Chaos. „Wir werden an den großen Haltestellen Hauptbahnhof, Kröpcke und Bothmerstraße zusätzliches Verkaufspersonal auf den Bahnsteigen einsetzen“, kündigt Üstra-Sprecher Udo Iwannek an. In den Zügen wird kontrolliert. Dass Messebesucher, die an die frühere Lösung gewöhnt sind, verärgert werden könnten, wenn sie ein Schwarzfahrerknöllchen erhalten, nimmt die Üstra in Kauf. „Wir müssen unsere Einnahmen sichern“, sagt Iwannek.
Für das Kombiticket hatten die hannoverschen Verkehrsunternehmen früher eine Million Euro erhalten. Die Kosten teilten sich das Land, die Region und die Messe AG, die als Hauptnutznießer 500.000 Euro beisteuerte. Jetzt fehlen 300.000 Euro vom Land. Weder die Messe noch die Region wollen angesichts ihrer wirtschaftlichen Lage diese Kosten übernehmen. „Wir entwickeln ein neues Modell, das das alte Kombiticket ersetzen soll“, teilt die Messe mit. Dem Vernehmen nach handelt es sich dabei um einen Sonderfahrschein für das Standpersonal der Aussteller. Andere Kombiticketregelungen, etwa mit Hannover 96 oder dem Staatsschauspiel, sind nicht gefährdet.
Wer künftig mit einem normalen Fahrschein zur Messe fährt, muss sich auch noch mit der komplexen Tarifstruktur im Nahverkehr auseinandersetzen. Zwei der gebräuchlichen Messehaltestellen, der Messebahnhof für die S-Bahn sowie die Haltestelle Eichstraße der Stadtbahn, liegen in Laatzen und damit in einer anderen Tarifzone als die restlichen Stationen Messe-Ost und Messe-Nord. Der Gelegenheitsfahrgast Ulrich Schrader aus Hannover ist kürzlich darauf hereingefallen und hat ein Knöllchen bekommen. Für einen Laien sei es schwer nachvollziehbar, wenn Messe nicht gleich Messe sei, sagt er.
Schrader ist mit einem Widerspruch bei der Üstra abgeblitzt, hat sich aber auch an die für den Nahverkehr zuständige Regionsbehörde gewandt. „Wir werden gemeinsam mit den Verkehrsunternehmen über eine kundenfreundlichere Lösung diskutieren“, hat man ihm zur Antwort gegeben.
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