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Aus der Stadt Eine neue Bierbar im alten 3Raum
Hannover Aus der Stadt Eine neue Bierbar im alten 3Raum
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00:15 11.09.2015
Von Stefanie Kaune
Ein Tresen, 24 Zapfhähne: Das ehemalige 3Raum heißt demnächst Craft Bier Bar – und Gig-Wirt Michael Solms serviert eine in Hannover einmalige Biervielfalt. Quelle: Thomas
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Hannover

Es gibt eine neue Lieblingszahl für Michael Solms: 24. Das ist die Anzahl der Zapfhähne an der langen Theke in Solms’ neuer Gastronomie. Solms, Bierenthusiast und Inhaber des Gig am Lindener Markt und der Minikneipe Wohnzimmer am Aegi, wagt sich nun ins Zentrum der Stadt vor. Er platziert seine Theke mit den vielen Bierhähnen ab dem 18. September am Ballhof. Dort, wo sich bis vor einem guten Jahr der Musikclub 3Raum befand.

Solms ist ebenfalls Fan guter Musik, aber mehr noch Fan guten Bieres. Craft Beer sagt man heute dazu und meint damit Bier, das in kleinen, von der Industrie unabhängigen Brauereien auf handwerkliche Art und oft auch mit besonderen Inhaltsstoffen und Aromen produziert wird. Folgerichtig, schnörkellos und etwas eingedeutscht hat der Gastronom sein neues, im Industrial-Stil eingerichtetes Lokal daher Craft Bier Bar genannt. Produkte jenseits des Pils, wie es jeder kennt, sind seit etwa sechs Jahren Solms’ Leidenschaft. Und mit den 24 Zapfhähnen sowie rund 100 weiteren Flaschenbiersorten aus insgesamt rund 15 Ländern kann er diese Passion jetzt so richtig ausleben.

Keine Standardbiere

„Wir haben am Ballhof nur Bierspezialitäten, keine Standardprodukte“, sagt Solms. Da gibt es etwa die „Pink Mary“, ein heimatnahes helles Weizen mit Hibiskusblütenaroma aus der Springer Brauerei Robens oder das „Eau de Janeiro“ des Produzenten Freigeist aus Aachen, ein obergäriges Mango-Bier. Der „Evil Twin“, der böse Zwilling, kommt aus New York an den Ballhof und das Pale Ale „Sierra Nevada“ aus Kalifornien. Auch die hellen Starkbiere India Pale Ales (IPA) mit britisch-kolonialer Tradition sind gut vertreten.

Das Lärmproblem im 3Raum

Im Sommer 2014 gab es doppelten Krach um das 3Raum am Ballhof: Neue Nachbarn setzten sich im Streit um Lärm durch, der Club musste schließen – dem öffentlichen Aufschrei der Partyszene zum Trotz. Für Solms gibt’s kein Lärmproblem: „Wir sind kein Club, sondern eine Kneipe. Bier macht nur leise Glucksgeräusche beim Trinken.“wie

Bier hat heute sein Image von Maurerkelle und Frühschoppen verloren. Biertrinken ist cool. Hamburg und Berlin gelten als Zentren der Craft-Bier-Bewegung, und Hannover kann mithalten, das ist Solms’ erklärtes Ziel und Credo. „Mit 24 Hähnen bieten wir am Ballhof die größte Biervielfalt Norddeutschlands beim Fassbier – wenn nicht sogar noch darüber hinaus“, sagt er. Seine Bierbar soll neben den Hannoveranern auch Messegäste und andere Besucher anziehen. „Es wäre toll, wenn wir dazu beitragen könnten, den Ballhof mehr zu beleben. Das ist so ein schöner Platz.“

Unabhängigkeit von Bierindustrie

Für einen Hannoveraner muss man zu der Craft Bier Bar allerdings noch einen Satz verlieren: Anders als im Gig und im Wohnzimmer, die Solms in den vergangenen Jahren auch schon zu Orten der Bierkultur gemacht hat – sie bringen es auf 14 beziehungsweise zehn Zapfhähne und jeweils etwa 60 Flaschenbiere –, wird am Ballhof kein Gilde ausgeschenkt. Solms will sich mit seinem neuen Laden bewusst unabhängig machen von der Bierindustrie. Er pflegt den Lokalpatriotismus lieber auf die eigene Art: Als beständige Basis seiner Bier-Bar hat er die Produkte der beiden Innenstadtbrauereien Brauhaus Ernst August und Meiers Lebenslust, der relativ jungen Mashsee-Brauerei aus der Südstadt sowie die Robens-Biere aus Springe im Ausschank.

Solms' Projekte

Michael Solms (zuvor Chef der Lehrter Bodega S.) ist seit 2008 Wirt des Gig am Lindener Markt (li.). Seit zwei Jahren organisiert der glühende 96-Anhänger das Bierfest (unten) auf dem Altstadtmarkt (und elf Ableger von Braunschweig über Bremen bis Borkum). Im Frühjahr übernahm er zudem die Minikneipe am Theater am Aegi, die jetzt Wohnzimmer heißt (links unten).

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Seine Bezugsquellen sind längst weltweit gestreut. In die bierverliebten Nachbarländer Belgien und Niederlande und natürlich nach Groß-Britannien fährt Solms noch selbst, um Ware zu holen. „Doch wie die vielen kleinen Brauer gibt es inzwischen auch ebenso viele kleine Händler, die übers Internet ganze Netzwerke aufgebaut haben“, sagt Solms. Man findet sich – und mag sich meist. „Es gibt da so tolle, oft etwas verrückte Leute“, meint der Gastronom. Er schwärmt etwa von dem englischen Chemiker, den er beim Bierfest in Osnabrück getroffen hat und der ein ganz eigenes Brauinstrumentarium konstruiert hat. Und von den hiesigen Kleinbrauern von der Schmiedestraße bis Springe schwärmt er ohnehin. Solms, der Geologie studiert hat und später – in der Gastronomie gelandet – mit einer spanischen Bodega in Lehrte und vielen Weinflaschen Erfolg hatte, hat eine Art Sendungsbewusstsein entwickelt, was das Bier, dessen Produzenten und Konsumenten angeht. Nicht ohne persönliche Folgen: „Ich trinke eigentlich nur noch Bier, kaum Wein“, sagt er. Wen wundert’s?     

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